Bundesliga

Hertha BSC misslingt die Generalprobe für den DFB-Pokal

Hertha BSC verliert in Hoffenheim 1:2 und rutscht auf Rang vier ab. Dardai spricht von einem Weckruf für das Pokalspiel gegen Dortmund.

Fabian Lustenberger ist nach der Niederlage sichtbar enttäuscht

Fabian Lustenberger ist nach der Niederlage sichtbar enttäuscht

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

Sinsheim. Am Ende lag er auf der Nase. Es lief bereits die Nachspielzeit, als Salomon Kalou ein letztes Mal vor dem Hoffenheimer Strafraum auftauchte. Mit Mühe drehte sich der Ivorer Richtung Tor und sortierte Ball und Füße, ehe ihn eine beherzte Grätsche fair zu Boden streckte.

Eine Szene, die als Sinnbild taugte für Herthas Auftritt in Hoffenheim. Mit 1:2 (1:1) endete das Auswärtsspiel, mit einer Bauchlandung für Herthas besten Torjäger, genauso wie für das gesamte Team.

Niklas Stark hatte die Berliner nach 26 Minuten in Führung geköpft. Die weiteren Treffer blieben jedoch die Hausherren vorbehalten: Erst Fabian Schär (33.), und fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit Mark Uth. Alle drei Tore fielen nach ruhenden Bällen, alle drei per Kopf. „Wenn man zwei Gegentreffer aus Standardsituationen kassiert, hat man nichts verdient“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai.

Herthas Stärke ist die Schwäche der Konkurrenz

Es bleibt also dabei: Die Berliner kommen im Saisonendspurt einfach nicht auf Touren. Dass Hertha nach zwei Niederlagen und einem Unentschieden aus den jüngsten drei Spielen noch immer von der Champions League träumen darf, gleicht fast schon einem Treppenwitz.

Herthas Stärke, das ist in dieser Saison nicht zuletzt die Schwäche der Konkurrenz. Platz drei büßte Hertha in Hoffenheim allerdings ein. Nach acht Spieltagen als Spitzenreiter vom Rest der Liga, von denen, die Bayern und Dortmund ohnehin nicht zu folgen vermögen, rutschen die Berliner auf Rang vier.

„Am Ende war zu viel Hickhack drin“, befand Dardai, „das war gut für die Zuschauer und gut für Hoffenheim.“ Nicht aber für sein Team, das in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel zuzusetzen hatte, dem die Klarheit fehlte, die Kraft vielleicht auch. Einzig John Brooks (56.) und Niklas Stark (76.) kamen noch mal zum Abschluss, beide nach Ecken, beide per Kopfball. Wie sonst?

Dardai stärkte die Defensive

Die Offensive, hatte Dardai ja im Vorfeld gesagt, sei zuletzt vielleicht ein wenig zu sehr in den Fokus geraten. Der Stabilität in der Abwehr – bislang Herthas stärkster Trumpf – war das jedoch abträglich gewesen. Nach sieben Gegentoren aus zwei Spielen stärkte der Trainer daher die Defensive, stellte John Brooks nach auskurierter Verletzung wieder in die Innenverteidigung und baute im defensiven Mittelfeld auf Kapitän Fabian Lustenberger statt Tolga Cigerci.

Zumindest in der ersten Halbzeit schienen sich diese Maßnahmen auszuzahlen: Abgesehen von einer Torchance für Hoffenheims Uth, die Torwart Rune Jarstein entschärfte (19.), ließ Hertha in der ersten halben Stunde nichts zu.

Hoffenheim hatte das zu diesem Zeitpunkt nicht von sich behaupten können. Vedad Ibisevic, der an alter Wirkungsstätte mit furchteinflößender Gesichtsmaske auflief, kam bereits nach drei Minuten zur ersten Großchance, scheiterte mit seinem Flachschuss aus zwölf Metern aber am guten TSG-Torwart Oliver Baumann. Später war der Keeper chancenlos. Ecke Marvin Plattenhardt, Kopfball Stark – 1:0 (26.).

Berliner Fans beleidigen TSG-Mäzen Dietmar Hopp

Der Treffer trieb die Temperatur des bis dahin arg kontrollierten Spiels schlagartig in die Höhe, allerdings nicht unbedingt zu Herthas Gunsten. Zu fahrig agierten die Berliner im Spielaufbau, zu ungenau bei langen Bällen – sie fanden nicht die richtigen Mittel. Ein Bild, das sich nach dem 1:1 durch Schär (33.) nicht änderte.

Im Gegenteil: Der Ausgleich schien das Selbstvertrauen der Hauptstädter ordentlich zu verdünnen. Immerhin: Salomon Kalou traf per abgefälschtem 14-Meter-Schuss kurz vor der Pause noch den Pfosten (41.). Für Ibisevic indes blieb nur das Prädikat bemüht. Nach 73 Minuten kam Julian Schieber für ihn.

Das Spiel hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst zu einem zerfahrenen Schlagabtausch entwickelt. Aus Hertha-Sicht hieß das: mehr Reaktion als Aktion, zudem hatten die Gäste Glück, dass Torwart Jarstein gegen Uth eine weitere Klassetat zeigte (68.).

Die mitgereisten Berliner Fans unter den 27.745 Zuschauern taten zwar ihr Möglichstes, doch bringen sollte es nichts mehr. Stattdessen beleidigten sie den TSG-Mäzen Dietmar Hopp. Hertha reagierte darauf umgehend per Internetdienst Twitter:

Der Auftakt für die vielleicht emotionalste Woche der Saison, er ist Hertha misslungen. Dardai atmete tief durch. „Das ist ein Riesen-Weckruf für uns“, sagte er mit Blick auf das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Dortmund am Mittwoch. „Wenn wir da Tore durch Standards kriegen, kann es schnell vorbei sein.“ Von Resignation aber war er weit entfernt: „Das Pokalfinale ist unser Traum, und für den lohnt es sich zu kämpfen.“