Bundesliga

Hertha BSC hat gegen den BVB gut mitgehalten

Startrainer José Mourinho sieht einem torlosen Remis zu. Hertha hat jetzt schon so viele Punkte wie in der gesamten letzten Saison.

Dortmunds Marco Reus (l) und Berlins Jens Hegeler

Dortmunds Marco Reus (l) und Berlins Jens Hegeler

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin. Die Nachspielzeit lief, der gerade eingewechselte Alexander Baumjohann sprintete vorbei am Dortmunder Kapitän Mats Hummel allein aufs Gäste-Tor zu. Die Geräuschkulisse steigerte sich zu einem Tosen.

Einen Torabschluss war Hertha vom Sieg entfernt – doch BVB-Verteidiger Sokratis gab den Spielverderber und spitzelte den Ball zur Ecke. Es blieb in einem bis zur letzten Sekunden spannenden Spitzenspiel zwischen Hertha und Borussia Dortmund beim 0:0.

„Ich glaube, dass wir von einem gewonnen Punkt sprechen können“, sagte Innenverteidiger Sebastian Langkamp. „Wir haben gegen eine Topmannschaft vieles richtig gut gemacht.“ Trainer Pal Dardai sagte: „Es war ein 0:0, aber ein genießbares 0:0.“

Watzke hatte Mourinho eingeladen

Das 1100. Bundesliga-Spiel von Hertha war das erste, das Trainer Pal Dardai im ausverkauften Olympiastadion erlebte. Einer der Gäste unter den 74.244 Besuchern war José Mourinho. Der portugiesische Star-Coach, derzeit heftig von Manchester United umworben, schaute sich die Partie in Berlin auf Einladung von BVB-Vorstandschef Joachim Watzke an und erlebte, dass der Liga-Dritte Hertha und der Liga-Zweite Dortmund den Fußball etwas anders interpretieren, als er es aus der Premier League gewohnt ist.

Es war eine intensive Partie. Bei Hertha gab es keinen spürbaren Substanzverlust durch das Fehlen von Per Skjelbred (Gelb-Sperre), Jens Hegeler gab einen unauffälligen, aber sehr soliden Vertreter. Die Hausherren verteidigten zunächst mutig nach vorn. Vladimir Darida hatte eine erste Großchance, aber BVB-Torwart Roman Bürki parierte (4.). Dann lief sich John Brooks nach einer Darida-Ecke frei, sein Kopfball aus fünf Metern strich haarscharf über die Latte des Dortmunder Tores (21.).

34 Prozent Ballbesitz bei Hertha BSC

Die Gäste mit ihrer hoch gewetteten Offensive hatten erhebliche Mühe, ins Rollen zu kommen. Henrikh Mkhitaryan hatte mit Herthas Mitchell Weiser mehr Arbeit, als dem Borussen lieb war. Nationalspieler Marco Reus fiel erst ab der 30. Minute mit einigen Tempodribblings auf. Nach der Pause erhöhte Dortmund die Schlagzahl. Hertha geriet immer stärker unter Druck und kam am Ende auf nur 34 Prozent Ballbesitz. Die Borussen spielten nun auch mehr in der gefährlichen Zone 30 Meter vor dem Hertha-Tor.

Reus brachte nach 51 Minuten eine gefährliche Flanke vor das Berliner Tor, doch gleich drei Borussen verpassten die scharfe Hereingabe. So drückend die Überlegenheit der Gäste war, so ballsicher sie den Ball durch die eigenen Reihen kombinierten – Dortmund brachte Hertha kaum wirklich in Verlegenheit.

Brooks, Langkamp, Fabian Lustenberger und der überragende Darida hielten die Gäste weg vom eigenen Tor. Bezeichnend: Hertha-Torwart Rune Jarstein brauchte keine einzige Parade zu zeigen.

Thomas Tuchel ärgert sich über den schlechten Rasen

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel haderte mit dem Spielfeld: „Der Platz ist in einem extrem bescheidenen Zustand. Der kostet dich Stand und Zeit. Wir hatten Schwierigkeiten, Räume zu finden und haben gebraucht, um uns der Härte und Aggressivität von Hertha zu erwehren.“

Tuchel war der Meinung, seine Mannschaft habe die zweite Halbzeit „komplett dominiert, aber unter dem Strich hatten wir nicht die Tagesform, um das Spiel für uns zu entscheiden“.

Tatsächlich hatte aber auch Hertha in der zweiten Hälfte mehrere große Möglichkeiten. Nach 70 Minuten blieb Vedad Ibisevic ein Elfmeter verwehrt. Der Hertha-Stürmer holte zum Torschuss aus und wurde von Lukasz Piszczek beseite gecheckt.

Tuchel wusste, dass Mourinho da war

Wertvollster Offensivspieler bei Hertha war Salomon Kalou, der sich vor den Augen seines ehemaligen Vorgesetzten Mourinho diverse Möglichkeiten erarbeitete. Die größte setzte der Ivorer nach einem Konter knapp neben den linken Pfosten (78.). „Mourinho ist auch für mich ,The Special One’“, sagte Kalou. „Er hat mich damals von Feyenoord zu Chelsea geholt. Ich habe viel von ihm gelernt. Er wird für mich immer ein sehr wichtiger Trainer bleiben.“

Tuchel grinste bei der Frage, ob er denn gewusst hat, dass die BVB-Chefetage Mourinho eingeladen habe. „Ja, das wusste ich. Das ist auch völlig in Ordnung.“ Pause. „Wenn er mich nächste Woche ablöst, ist das nicht mehr okay.“

Am Mittwoch DFB-Pokal in Heidenheim

Nachdem Hertha das 3:3 in Bremen zuletzt als gefühlte Niederlage wahrgenommen hatte, fiel die Wertung diesmal anders aus. Ibisevic sagte: „Dortmund ist eine Weltklassemannschaft. Mit dem Punkt können wir sehr gut leben. Wir wollen uns verbessern. In Bremen haben wir drei Gegentore bekommen, diesmal keines.“

Das ist durchaus bemerkenswert. Dortmund hat 52 Tore erzielt, 2,74 pro Spiel - der beste Wert in Europa nach Real Madrid – Hertha ist in dieser Saison der erste Gegner, der keinen BVB-Treffer zuließ. Hertha ist nun seit sechs Bundesliga-Spielen ungeschlagen und verteidigte erneut Platz drei. Und: Mit 35 Punkten hat Hertha BSC jetzt schon so viele Punkte wie in der gesamten letzten Saison.

Am Mittwoch spielen die Blau-Weißen im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Zweitligist Heidenheim. Gut möglich, dass sich die Wege von Hertha und Dortmund in dieser Saison noch einmal kreuzen. Vielleicht ja wieder in Berlin.

Die Partie im Minutenprotokoll:

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