Hertha BSC

Peter Niemeyer geht nach Darmstadt - und kommt zurück

Der Wechsel von Hertha-Profi Peter Niemeyer zum SV Darmstadt 98 ist perfekt. Doch Hertha erwartet ihn zurück - für eine neue Karriere.

Peter Niemeyer wechselt von Berlin nach Darmstadt

Peter Niemeyer wechselt von Berlin nach Darmstadt

Foto: Andreas Gebert

Tapetenwechsel. In Berlin hat Peter Niemeyer fünf Jahre täglich im Schatten des mächtigen Olympiastadion trainiert. Sein neues Arbeitspapier unterzeichnete Niemeyer am Rande eines einfachen Sportplatzes auf einer Holzbank. Es gelang dem 31-Jährigen, mit Darmstadt einen Drei-Jahres-Vertrag auszuhandeln. Dirk Schuster, der Trainer des Bundesliga-Aufsteigers, sagte: „Peter Niemeyer ist ein absoluter Wunschspieler. Als ehemaliger Hertha-Kapitän bringt er das, was wir gesucht haben. Durch ihn gewinnt unser Kader deutlich an Qualität.”

Niemeyer sagte: „Ich freue mich auf die Herausforderung in Darmstadt. Es werden etliche Duelle nach dem Motto David-gegen-Goliath. Das ist enorm reizvoll für mich.”

Niemeyer hat seit 2010 insgesamt 121 Spiele für Hertha absolviert. 2012/13 war er Kapitän jener Aufstiegsmannschaft, die mit Rekordpunktzahl die Zweitliga-Meisterschaft holte. Niemeyer ist kein eleganter Spieler und auch kein Techniker, wurde aber wegen seines unbändigen Einsatzes von den Fans geliebt. Unvergessen sein erster Zweikampf im Derby im Forsthaus gegen den 1. FC Union. Niemeyer unterband Sekunden nach dem Anstoß einen Unioner-Angriff durch eine simple Grätsche ins Seiten-Aus – und feierte diese Aktion zur Verblüffung seines Gegenspielers euphorisch mit einer Becker-Faust. Jos Luhukay erfand für Niemeyer den Begriff „Mentalitätsspieler“.

Trotz eines Vertrages bis 2016 setzte Luhukay-Nachfolger Pal Dardai nicht mehr auf Niemeyer. Ihm fehlt bei Niemeyer Dynamik und eine offensive Spielausrichtung. Dardai will einen anderen, offensiveren Fußball spielen.

Tiefpunkt der Beziehung war Ende Juli die temporäre Versetzung von Niemeyer (und Sandro Wagner) in die U23. Niemeyer empfand das Vorgehen seines Vereins nach den vergangenen Jahren als stillos und Schlag ins ­Gesicht.

Das sahen Dardai und Manager Michael Preetz nicht so. Sie hätten beiden Profis beizeiten unmissverständlich mitgeteilt, dass sie sich anderweitig orientieren mögen. Um so erfreulicher ist die nun gefundene Lösung. Hertha- Manager Preetz sagte: „Wir bedanken uns ausdrücklich bei Peter Niemeyer für die geleistete Arbeit und wünschen ihm bei seinem neuen Klub alles Gute.“ Statt sich vor dem Arbeitsgericht zu treffen (so geschehen mit den Ex-Profis Maik Franz, Peer Kluge und Felix Bastians), fand Hertha mit Niemeyer eine elegante Lösung: Der Profi unterschrieb in Darmstadt einen Vertrag bis Juni 2018. Und wird im Anschluss nach Berlin zurückkehren. Niemeyer wird, laut Vereinsmitteilung, „dann bei Hertha BSC den Einstieg in seine Karriere nach der sportlichen Laufbahn vollziehen.“

Niemeyer geht also, um zurück­zukommen. Vorstellbar ist eine Tätigkeit als Trainer bei Herthas Nachwuchs-Akademie oder im ­Scoutingbereich. Die Berliner erhalten keine Ablöse für ­Niemeyer und steuern für die kommende Saison einen Teil zu Niemeyers ­Gehalt in Darmstadt bei. Das Salär beim Liga-Außenseiter ist um einiges ­geringer als beim Hauptstadt-Klub.

Nachdem er in den vergangenen Wochen niedergeschlagen wirkte, ist der Profi mit der neuen Konstellation sehr zufrieden. Niemeyer meldete sich via Facebook bei den Anhängern: ­„Liebe Fans, fünf Jahre in Blau-Weiß, 121 Spiele, immer 100%, dazu 9 Tore und viele Emotionen: mein erstes Tor für Hertha in der Alten Försterei, zwei Aufstiege – einmal als Kapitän, spektakuläre Siege und Gänsehautmomente im Olympiastadion, in Dortmund…, aber auch bittere Momente wie die Relegation gegen Düsseldorf mit der Verlängerung beim Sportgericht… Insgesamt hatte ich eine sensationelle Zeit mit Euch, dem ­Verein, dem Umfeld, der Stadt! Dafür möchte ich Danke sagen!“

Keine Bewegung gibt es bei Ronny und Wagner. Beide stehen noch unter Vertrag, beide möchte Hertha von der Gehaltsliste bekommen. Die Transferliste ist bis zum 31. August geöffnet.