Benfica Lissabon

Hany Mukhtars Reise ins Ungewisse beim neuen Arbeitgeber

Seit seinem Abschied von Hertha BSC hat Hany Mukhtar noch kein Pflichtspiel für Benfica Lissabon bestritten. Nun ist der gebürtige Berliner für die deutsche U20-Nationalmannschaft in Aue am Ball.

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Neun Wochen war er verschwunden vom Radarschirm, heute Abend hat er endlich mal wieder einen öffentlichen Auftritt: Hany Mukhtar war Mitte Januar aufgebrochen in die große Fußball-Welt. Das Hertha-Eigengewächs unterschrieb ein Fünf-Jahres-Vertrag bei Benfica Lissabon, dem zweitgrößten Fußball-Klub der Welt. Wenn die deutsche U20-Nationalmannschaft heute in Aue gegen Tschechien spielt, ist Mukhtar, 20, dabei (18.30 Uhr, Eurosport). Am Freitag, als es in Jena gegen Polen ein 1:2 gab, setzte Mukhtar wegen einer Reizung im Fußgelenk aus. Die ist auskuriert. Frank Wormuth, der Nationaltrainer der deutschen U20, sagte der Morgenpost: „Hany gehört zu den besten 14 Spieler meines Kaders.“

Mukhtars Rückkehr in die Heimat wäre ein guter Anlass, um sich mit dem verlorenen Sohn von Hertha zusammenzusetzen. Wie geht es ihm bei Benfica? Seit er Mitte Januar Berlin verließt, hat sich viel getan. Anfang Februar Trainer Jos Luhukay wurde beurlaubt. Luhukay hatte in der Hinrunde stets auf Mukhtar verzichtet, obwohl Hertha reihenweise Verletzungsausfälle im Mittelfeld hatte. Stattdessen hat seit dem 5. Februar mit Pal Dardai ein ausgewiesener Jugendversteher den Trainer-Job bei Hertha übernommen.

Benfica verbietet Medien-Kontakte

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), unter dessen Obhut sich Mukhtar derzeit befindet, ist kooperativ. Rasch ist ein Datum für ein Gespräch mit Mukhtar gefunden. Wenig später jedoch wird die Zusage zurückgenommen. Benfica Lissabon hat Mukhtar für die Länderspiel-Reise mit auf dem Weg gegeben: Grundsätzlich kein Kontakt zu Medien.

Also kommt der Kontakt über Bande zustande. Der DFB veröffentlicht einen Bericht auf seiner Internetseite mit Aussagen von Mukhtar. So bekommt der nach seiner Rückkehr keinen Ärger mit dem Arbeitgeber. Und der Leser hat einen Eindruck, wie es Mukhtar ergeht bei seiner Reise ins Ungewisse. „Ich bin zum ersten Mal außerhalb Berlins unter Vertrag. Das neue Land, die neue Sprache, die portugiesische Liga – das alles lerne ich Schritt für Schritt kennen. Dabei setze ich mich nicht unter Druck“, wird Mukhtar zitiert.

Mukhtar ist bei Benfica B gelistet

Man würde gern wissen, wie es ihm geht. Denn das, was Mukhtar bei Hertha beklagt hat, den Mangel an Spielpraxis, daran hat sich bei Benfica Lissabon nichts geändert. Seit seinem Wechsel im Januar stand Mukhtar nicht einmal im Kader des aktuellen Tabellenführers der portugiesischen Liga. Im Internet ist Mukhtar gelistet bei Benfica B, das Team spielt in der zweiten Liga. Auch dort ist er bisher ohne Spiel.

Bei Benfica sei es üblich, so berichten es Insider aus Lissabon, dass neue Spieler ein paar Spiele bei der zweiten Mannschaft absolvieren, um die portugiesische Liga und die Art, wie dort gespielt würde, kennen zu lernen. Bei Benfica sei man etwas verwundert gewesen, so berichten diese Insider, dass Mukhtar zu verstehen gegeben habe: Er habe einen Vertrag für die erste Mannschaft, deshalb will er dort spielen.

Training mit Luisão und Maxi Pereira

Ob das so gelaufen ist oder nicht, man würde es Mukhtar gern fragen. Mukhtar beschreibt seinen Alltag via DFB-Homepage so: „Die Betreuung bei Benfica ist sehr gut, wir arbeiten im Training individuell. Das hilft mir, um mich an das hohe Tempo zu gewöhnen.“ Er trainiere mit den Profis. Die Stars von Benfica sind Torwart Júlio César, Abwehrrecke Luisão oder Maxi Pereira. Zur Frage der Spielpraxis verweist Mukhtar auf Trainingsspiele.

„Wir treten immer dienstags gegen andere portugiesische Teams an – das hilft den Ersatzspielern, im Spielrhythmus zu bleiben.“ Nationaltrainer Wormuth kennt das Problem: „Ich weiß, dass Hany regelmäßig spielt. Den absoluten Wettkampf hat er nicht. Das ist bei Hany nicht so entscheidend, weil er ein Straßenfußballer ist. Je offensiver er eingesetzt wird, desto mehr kommen seine Stärken zur Geltung.“

Wormuth: Hany ist ein Straßenfußballer

Genau das hatte sein einstiger Vorgesetzter bezweifelt. Für Luhukay war es fraglich, ob Mukhtar über die Durchsetzungsfähigkeit und Torgefahr verfüge, um sich in der Bundesliga zu behaupten. Bei Hertha war Mukhtar ungeduldig geworden, wollte seinen Vertrag nicht verlängern. Erst recht nicht, nachdem er Schütze des goldenen Tores bei der U19-EM war (1:0 im Finale gegen Portugal). Doch die Verantwortlichen hatten ihm bedeutet, ein Nachwuchsturnier sei etwas anderes als der Profi-Alltag.

Mit seinem Schritt nach Lissabon hatte Mukhtar in der Branche für Erstaunen gesorgt. Weil er dort nicht als Star anfängt, sondern als das, was er auch bei Hertha war: Ein Talent, ein Versprechen auf die Zukunft.

Im Juni geht’s zur U20-WM

Mukhtar ist angetan vom Flair des Klubs mit seinen 235.000 Mitgliedern: „Benfica ist wie eine Religion in Portugal. Es ist eine Ehre für mich, bei diesem Weltklub zu spielen.“

In Lissabon ist er noch dabei, sich durchzubeißen. Seine nächste Station beim DFB: Mukhtar ist fester Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft, die im Juni bei der U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland antreten wird.