Zweite Liga

Berlin freut sich auf die Hertha-Aufstiegsparty

Beim Heimspiel gegen den SV Sandhausen wollen knapp 50.000 Fans im Olympiastadion die Rückkehr in die Bundesliga feiern. Den Aufstieg lässt sich der Klub zwei Millionen Euro an Prämien kosten.

Foto: Roland Weihrauch / pa/dpa

Die Serie positiver Nachrichten reißt nicht ab. Hertha BSC wird von Juli an mit einem neuen Bier-Sponsor verbandelt sein. Die Brauerei Warsteiner wird Exklusivpartner und überweist dem designierten Erstligisten für das Schankrecht im Olympiastadion 850.000 Euro pro Saison. Zuvor hatte bereits die Bahn als Brustsponsor ihr Engagement um zwei Jahre verlängert. Ein neuer Catering-Vertrag, der noch auszuhandeln ist, wird Hertha weitere zehn Millionen Euro in die Vereinskasse spülen.

Die Party, die zu diesen Nachrichten passt, soll morgen ab 13.30 Uhr im Olympiastadion gefeiert werden. Auf dem Boulevard werden bereits die Aufstiegs-T-Shirts per Foto-Montage gezeigt (Fahne pur mit dem Schriftzug „Erstklassig“). Bei Immerhertha.de, dem Blog der Morgenpost, werden tollkühne Prognosen über die Höhe des Sieges gegen den SV Sandhausen abgegeben.

Sandhausen bringt genau zwei Fans mit

Und die Frage wird diskutiert, wie man sich um die Gäste-Fans kümmern kann. Der SV Sandhausen hatte für die Reise zum Hauptstadt-Klub zwei (!) Tickets abgesetzt. Ein Sieg fehlt Hertha noch, dann ist die Rückkehr in die Bundesliga perfekt. Der Vorsprung des Zweitliga-Spitzenreiters auf Relegationsrang drei, den aktuell der 1. FC Kaiserslautern belegt, beträgt nach 29 Spieltagen bereits 14 Punkte.

Einer beobachtet dieses Treiben, freut sich über das große Interesse, aber er versucht sich komplett davon freizumachen. Als ein Radio-Reporter fragte: „Herr Luhukay, bei so einer Aufstiegsfeier kann es feucht-fröhlich werden. Kommen Sie im Regenmantel ins Stadion?“, atmete der Trainer von Hertha BSC ganz tief ein. Und legte los: Was für ein Unsinn, er werde sich nicht mit einer solchen Frage befassen.

„Das sind vielleicht die paar Prozentpunkte in der Konzentration, die uns am Ende fehlen. Nein, mit so etwas beschäftige ich mich keine Sekunde“, sagte Jos Luhukay. Der Cheftrainer von Tabellenführer Hertha BSC sagt, was er sagen muss. „Sandhausen braucht jeden Punkt, jeden Sieg, um vielleicht doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Wir dürfen die Mannschaft auf keinen Fall unterschätzen.“

Rückkehrer Beichler will Hertha ärgern

Bei den Gästen meldet sich Daniel Beichler (24) zu Wort. Der Mittelfeldspieler steht eigentlich bis 2014 in Berlin unter Vertrag, war aber im Februar bis Saisonende nach Sandhausen ausgeliehen worden. „Wir wollen Hertha den Aufstieg vermasseln“, sagte Beichler keck. Aber natürlich hat Hertha die Partie aus der Hinserie im Gedächtnis. Da gelang dem Hauptstadt-Klub mit einem 6:1 der höchste Saisonsieg.

„Die Höhe ist nicht entscheidend. Ich hoffe, dass wir gewinnen“, sagte Trainer Luhukay. „Ich möchte eine gigantische Atmosphäre und Emotionen erleben.“ Hertha hofft auf 50.000 Zuschauer.

Unter der Woche hatte es der Vorgesetzte im Training bewusst etwas lockerer angehen lassen. „Der Druck von außen, dass das unbedingt klappen muss, nimmt zu. Da braucht es etwas Gelassenheit“, sagte Luhukay. Die Spieler freuen sich. „Das ist ein Bonus, wenn uns das gelingt, zu Hause mit unseren tollen Fans aufzusteigen“, sagte Fabian Lustenberger. „Wir haben ein Jahr hart gearbeitet, jetzt wollen wir den Deckel drauf machen.“

Alles zu Hertha im Morgenpost-Blog „Immer Hertha“

Die direkte Rückkehr in die Bundesliga, es ist die sechste der Klub-Historie, lässt sich Hertha etwas kosten. Das Präsidium bewilligte Aufstiegsprämien für Mannschaft und Trainer von insgesamt zwei Millionen Euro. „Diese Prämien zahlen wir gern“, sagte Michael Preetz. Dem Manager, eher ein zurückhaltendes Temperament, ist die Vorfreude anzumerken: „Wir sollten nicht so tun, als hätten wir schon gewonnen. Aber wir wollen unbedingt zu Hause aufsteigen. Die Fans haben uns fantastisch unterstützt. Wenn wir gewinnen, wäre das die Krönung einer überragenden Saison.“

Preetz berichtet, dass Hertha nach dem Bundesliga-Abstieg samt seiner skandalösen Umstände in Düsseldorf im Mai 2012 „schneller wieder auf die Beine gekommen ist, als wir das selbst erwartet haben“.

Obwohl der allerletzte Schritt zum Aufstieg noch aussteht, lobte der Manager Jos Luhukay in den höchsten Tönen. „Entscheidend war die Planungsphase im Mai, Juni und Juli mit der Zusammenstellung des Kaders. Der Trainer hat die Mannschaft schnell hinter seine Spielidee gebracht. Er ist offen und ehrlich, verfolgt einen klaren Weg, von dem er keinen Millimeter abweicht. Davon profitieren alle.“

Luhukay trinkt keinen Alkohol

Alkohol trinkt Luhukay so gut wie nie. Ob er im Aufstiegsfall am Sonntag davon eine Ausnahme macht, bleibt abzuwarten. In jedem Fall muss Hertha ungeachtet des neuen Bier-Sponsors ab dem Sommer besser auf den Party-Anlass vorbereitet sein als vor zwei Jahren. Beim 1:0 beim MSV Duisburg im April 2011 hatte Hertha vergessen, die Getränke des aktuellen Bier-Sponsors Carlsberg mitzunehmen.

So gab es viele Fernsehaufnahmen und Fotos von feiernden Hertha-Profis und -Offiziellen. Alle mit „falschen“ Flaschen in den Händen. Das fanden die Bierbrauer aus Dänemark überhaupt nicht lustig. Ein solcher Fauxpas wird sich Sonntag nicht wiederholen, heißt es bei Hertha. Seit zwei Tagen werden im Olympiastadion tausende Bierflaschen vorgekühlt – vom aktuellen Bier-Partner.