Stars für Berlin

Warum Boateng und Ben-Hatira ein Rappervideo drehen

Künstler Dú Maroc engaiert sich mit Fußballstars für das sozialpädagogische Projekt Mitternachtssport. Selbst Jürgen Klopp macht mit.

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Als würden sich die Beiden schon seit einer Ewigkeit kennen, spielen Rapper Mimoun Alaoui alias Dú Maroc und Erfolgstrainer Jürgen Klopp von Borussia Dortmund Billard und sitzen lässig auf der Couch. Nebenbei eine schön klingende Melodie und den Text des neuen Musiktitels im Ohr. So ist das zu sehen im neuen Musikvideo namens „One Touch“ , das der Deutsch-Marokaners aus Frankfurt zu Gunsten des sozialpädagogischen Projektes „Mitternachtssport“ aus Berlin gedreht hat.

In dem Projekt, welches im Dezember 2010 gestartet wurde, gibt Initiator und Gründer Ismael Öner den Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus dem Problemkiez Spandau die Möglichkeit, ihren Frust des Alltags zwischen Langeweile und Perspektivlosigkeit beim Sport heraus zu lassen und abzubauen.

In Kooperation mit der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werden jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag die Turnhallen der Bertholt-Brecht-Oberschule und des Kant-Gymnasiums in Spandau geöffnet, in denen von 20 bis 3 Uhr morgens Fußball gespielt werden kann.

Nachts sind die Turnhallen offen

„Wir holen so die Kinder von der Straße und halten sie von unsinnigen Taten ab“, sagt Öner. Gewaltprävention und Integration sind die Hauptstoßrichtungen, an denen gearbeitet wird. Der Pädagoge lernt so die Jungs kennen und arbeitet außerhalb der Hallen mit ihnen weiter. Mit Erfolg: „Wir haben seit Beginn des Projektes um die 40.000 Jugendliche erreicht. Und es werden immer mehr. Jedes Wochenende strömen 200 bis 300 Jungs in unsere Hallen“, freut sich der Diplom Sozialpädagoge.

Öner hat im Laufe der Zeit ein großes Netzwerk aufgebaut. Nicht zuletzt durch Mitgründer und Schirmherr Jérôme Boateng, aus Berlin stammender Nationalspieler und Profi beim FC Bayern München. Der Ex-Herthaner hat viele Kontakt und Freundschaften, die dem Projekt zugute kommen.

So kommt es, dass neben Hertha-Spieler Änis Ben-Hatira und dem Spandauer Manuel Schmiedebach von Hannover 96 eben auch Jürgen Klopp in dem Video zu sehen ist. Durch die Freundschaft des Rappers, zum früheren Bundesligaspieler Daniel Gunkel von Mainz 05 (spielte einst unter Klopp) entstand der Kontakt zum Kult-Trainer.

Klopp sagte sofort zu

„Als wir selber beim Management von Dortmund nachfragten, ob Klopp bei dem Musikvideo mitspielen kann, wurde uns gesagt dass er keine Zeit haben wird“, berichtet Öner. „Daraufhin schnappte sich Mimoun das Handy und rief Gunkel an. Der wiederum kontaktierte Klopp und wir bekamen sofort eine Zusage“, fügt er hinzu.

Meistertrainer Klopp schien von der Idee und dem Projekt so begeistert, dass er keine Sekunde zögerte, um zu helfen und aktiv mitzuwirken. „Auch Mesut Özil und Sami Khedira von Real Madrid sollten in dem Video vertreten sein, beide waren durch die laufende Saison in Spanien leider zu sehr eingebunden“, sagt Öner.

Senat stellt Zahlung ein

Für die Zukunft hat sich Öner vorgenommen, ein größeres pädagogisches Team aufzubauen. „Ich möchte noch mehr Jugendlichen die Möglichkeit geben, bei uns mitzumachen. Leider fehlen mir dafür Mitarbeiter und finanzielle Mittel“, sagt Öner. Da 2014 die Finanzierung des Projektes seitens des Senats ausläuft, sucht der Mitternachtssport e.V. einen Partner, der das Projekt weiter finanziell unterstützt. Einen solchen Rückschritt wollen Ismael Öner und seine berühmten Schirmherren möglichst verhindern. Vielleicht hilft ja die Musik dabei.