Zweite Liga

Ronny schießt Hertha BSC an die Tabellenspitze

Den Berlinern ist die Revanche gegen den FSV Frankfurt für die einzige Niederlage geglückt - und Braunschweig ist von Platz eins verdrängt.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Am Ende wurde es dann doch noch einmal laut im Olympiastadion: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“, skandierten die Anhänger auf den Rängen. Herthas Kapitän Peter Niemeyer reckte die Faust zum Himmel, und seine Kollegen lagen sich in den Armen. Trotz einer eher mäßigen Leistung gelingt den Berlinern im letzten Spiel des Jahres ein 2:1 (0:0) gegen den FSV Frankfurt.

Damit revanchieren sich die Blau-Weißen nicht nur für die bisher einzige Saisonniederlage, die ihnen der FSV am zweiten Spieltag zugefügt hatte (1:3). Mit nun 42 Punkten stürmt Hertha auch erstmals in dieser Saison an die Tabellenspitze und zieht an Eintracht Braunschweig (41) vorbei, die am Montag gegen den 1. FC Union antritt.

Bei allem Jubel war es doch eine fahrige Partie, welche die 29.851 Zuschauer zu sehen bekamen. Vom Stadiondach tröpfelte der getaute Schnee herunter, und in der Ostkurve hatte sich ein Großteil der Hertha-Anhänger dafür entschieden, nach dem am Mittwoch verabschiedeten Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga den Stimmungsboykott der vergangenen Wochen beizubehalten und auf das gesamte Spiel auszuweiten.

Am Morgen hatten sich Herthas Finanzvorstand Ingo Schiller und Geschäftsstellenleiter Thomas Herrich noch mit ausgewählten Fanvertretern getroffen, um das Abstimmungsverhalten der Berliner zum DFL-Papier zu diskutieren. Es wurden weitere Gespräche im neuen Jahr verabredet. Beim Spiel aber blieb es fast die gesamten 90 Minuten lang gespenstisch still.

Kluge vergibt Chance auf Rekordtor

Dabei hätte es schon nach sieben Sekunden beinahe Grund zum Jubel gegeben. Direkt nach dem Anstoß setzte Herthas Sami Allagui Mittelfeldspieler Peer Kluge hervorragend in Szene. Doch der 31-Jährige verzog freistehend vor Frankfurts Torwart Patric Klandt – es wäre das schnellste Zweitligator der Historie gewesen. Nach einer weiteren Schusschance durch Ronny in der druckvollen Anfangsphase (5.) stellten die Herthaner jedoch die Bemühungen nahezu ein. Der FSV seinerseits beließ es im ersten Durchgang bei der Defensivarbeit und war technisch zu schwach, um die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen.

So langweilig, wie die erste Halbzeit verlief, so fulminant begann der zweite Durchgang. Frankfurt agierte nun zwingender. Mathew Leckie scheiterte zwar noch allein vor Berlins Schlussmann Thomas Kraft (49.). In der 55. Minute aber war es passiert: Nach einem abgefälschten Freistoß traf Michael Görlitz aus 16 Metern zur Frankfurter Führung.

Herthas Cheftrainer Jos Luhukay tobte an der Seitenlinie, doch seiner Mannschaft fiel zunächst wenig ein. Der Niederländer wechselte, brachte die beiden Youngster Hany Mukhtar und Elias Kachunga für die schwachen Allagui und Ben Sahar, und wie immer in derartig brenzligen Situationen konnte er sich auf Spielmacher Ronny verlassen.

Nachdem der eingewechselte Sandro Wagner am Strafraum gefoult wurde, reagierte der Brasilianer blitzschnell. Als die Frankfurter noch diskutierten, führte Ronny den Freistoß kurz aus auf Marcel Ndjeng. Der Abwehrspieler glich mit seinem dritten Saisontor aus (82.). FSV-Coach Benno Möhlmann haderte später: „Absolut unnötig. Da haben wir uns überrumpeln lassen.“

Nun erwachten auch die Fans in der Ostkurve, und Hertha wollte sich nicht mit einem Unentschieden zufrieden geben. Nur 120 Sekunden nach dem Ausgleich setzte sich der erneut starke Fabian Lustenberger über die rechte Seite durch, passte flach zurück an die Strafraumgrenze, wo Ronny goldrichtig stand und trocken den Siegtreffer markierte. Die Hertha-Fans im Freudentaumel, derweil Ronny Handküsschen ans Publikum verteilte.

Danach ging’s zur Weihnachtsfeier

Luhukay lobte hinterher seine Mannschaft: „Es war eine unglaubliche Energieleistung. Wenn man nach dem Rückstand noch den Siegtreffer erzielt, dann zeigt das den Charakter der Mannschaft.“ Die Spieler hätten sich für ein „fantastisches halbes Jahr“ belohnt und könnten nun verdient in die Weihnachtspause gehen.

„Das war eine vorgezogene Bescherung“ schwärmte Herthas Manager Michael Preetz. Die Stille im Stadion sei noch einmal eine besonders schwierige Situation für die Seinen gewesen, sagte Luhukay: „Umso wichtiger war es, dass wir bis zum Ende gefightet haben und auch ohne die Unterstützung der Fans an unsere Leistungsgrenze gegangen sind.“

Hertha ist damit seit 17 Spielen ungeschlagen und geht mit zehn Punkten Vorsprung auf Verfolger Kaiserslautern und Relegationsplatz drei in die Winterpause. Auf den ersten Nichtaufstiegsplatz sind es sogar 13 Zähler. Gewinnt Eintracht Braunschweig am Montagabend nicht gegen Union, überwintert Hertha auf Platz eins. Es wäre ein versöhnlicher Abschluss eines turbulenten Jahres 2012 für die Berliner.

„Wir schauen jetzt alle auf Braunschweig“ verriet Lustenberger. Am Sonnabend saßen der Schweizer und seine Kollegen noch einmal für die Weihnachtsfeier zusammen, bevor es am Sonntag in den Urlaub geht. Sie haben es sich verdient.