Zweite Liga

Wie Jos Luhukay Hertha das Gewinnen wieder beigebracht hat

Luhukays Konzept ist aufgegangen. Weil Hertha wieder als Team agiert, gewinnt es auch enge Spiele - und steht besser da als vor zwei Jahren.

Foto: Stefan Gelhot / dapd

Durch die Pädagogik wissen wir, dass die Belohnung für ein bestimmtes Verhalten, jenes Benehmen mit einem wohligen Gefühl verknüpft und folgerichtig dem Belohnten quasi unterbewusst anerzogen wird. Nun ist Jos Luhukay zwar kein studierter Pädagoge, das nicht.

Doch Herthas Cheftrainer hat sich in der bisher so erfolgreichen Zweitligasaison schon mehrfach als ausgewiesener Kenner subtiler Erziehungsmethoden entpuppt. Vor dem mühsam erkämpften Auswärtssieg in Paderborn am Sonnabend (1:0) beispielsweise wandte der Niederländer den alten Trick an, nach dem Lob die bessere Wirkung zeigt, wenn es gleichsam mit einer Forderung verbunden ist: Tolle Hinrunde, Männer. Aber wehe, ihr seit schon satt!

Einen Tag nach dem so wichtigen Auswärtserfolg in Ostwestfalen war es wieder einmal Zeit für einen pädagogischen Kniff. Statt seine Mannschaft für das obligatorische Auslaufen durch das Schneegestöber über den Schenckendorffplatz zu scheuchen, gab Luhukay den Seinen gleich zwei Tage frei.

Es war der Lohn für eine beherzte Leistung am Vortag, als der Gegner mit bisweilen grenzwertiger Härte erfolglos versucht hatte, den Herthanern die Lust zu nehmen. Sein Team hatte ihm also gut zugehört, als Luhukay seine Forderung nach Konstanz vortrug, und es hatte sich die Belohnung in Form von zwei freien Tagen redlich verdient. Mit Lob – es durfte nicht fehlen – hatte der 49-Jährige seine Profis schon kurz nach dem Spiel überschüttet: „Meine Mannschaft hat viel einstecken müssen, aber sie hat Mentalität gezeigt“, sagte Luhukay.

„Die Mannschaft hat Charakter gezeigt“

Und wenig später formulierte er eine wichtige Erkenntnis, die er durch den kämpferischen Berliner Auftritt beim Rückrundenauftakt in Paderborn gewonnen hat: „Durch den Erfolg der letzten Monate sind wir mental gestärkt und haben großes Selbstbewusstsein gewonnen. Diesmal mussten wir über den Charakter kommen. Das haben wir getan und den Sieg erzwungen.“

Dass Luhukay den Charakter seiner Mannschaft loben kann, ist alles andere als selbstverständlich. Nach einer katastrophalen Spielzeit, die im Mai bekanntlich im Bundesligaabstieg mündete, war es schließlich das Rückgrat, über das man sich bei den Herthanern Sorgen machen musste.

Denn zu Beginn der Zweitligasaison standen im Kader der Berliner einerseits verunsicherte Profis (diejenigen, die geblieben sind) und andererseits Zugänge, von deren positiver Mentalität man sich erst noch überzeugen musste. Der holprige Saisonstart mit nur einem Punkt aus zwei Spielen und dem peinlichen Erstrunden-Aus beim Viertligaklub Wormatia Worms im DFB-Pokal bewies, dass Luhukay sich erst noch eine charakterstarke Mannschaft erschaffen musste.

Doch seither hat Hertha nicht nur kein einziges Spiel mehr verloren, sie hat sich darüber hinaus auch zu einem Team mit Herz entwickelt, das jederzeit in der Lage ist, Rückschläge wegzustecken – seien es verletzungsbedingte Ausfälle oder Gegentore. Wer ein solch „dreckiges“ Spiel gewinnt, wie Manager Michael Preetz die Partie in Paderborn nannte, in dem es weniger auf fußballerische Mittel als auch kämpferische ankommt, der hat gute Karten, am Ende aufzusteigen. „Die Mannschaft hat den Charakter gezeigt, den man in dieser Liga braucht“, sagte Luhukay.

Mental gefestigter als das Team von Babbel

Darin unterscheidet sich Luhukays Team von demjenigen, das vor zwei Jahren den direkten Aufstieg in die Bundesliga unter Markus Babbel geschafft hatte – dem Erfolgsmodell, an dem sich die Hauptstädter in diesem Jahr orientieren. In der ansonsten überaus erfolgreichen Hinrunde verloren die spielerisch stets überlegenen Herthaner damals eben jene Duelle gegen kampfstarke Außenseiter wie Paderborn (0:1) oder Osnabrück (0:2).

Nach 18 ausgetragenen Spieltagen und 39 Zählern auf dem Konto ist Luhukay nicht nur bezüglich der Punktausbeute an Babbel vorbeigezogen – dieser rangierte damals mit 36 Punkten ebenfalls auf Tabellenplatz zwei. Vielmehr hinterlässt seine Mannschaft derzeit auch den Eindruck, mental wesentlich gefestigter zu sein, als es Babbels Team zum gleichen Zeitpunkt vor zwei Jahren war. Das beweist nicht nur der „Lucky Punch“ (Zitat Peter Niemeyer) gegen Paderborn, sondern das legen auch Äußerungen wie die von Allrounder Marcel Ndjeng nahe, der nach dem Sieg warnte: „Wir haben vieles richtig gemacht. Aber jetzt gilt es, nicht zufrieden zu sein.“

Jos Luhukay kann mit Stolz darauf blicken, dass seine pädagogischen Maßnahmen nunmehr Früchte tragen, und er wird hoffen, dass seine Profis auch im letzten Spiel des Jahres die anerzogene Charakterstärke an den Tag legen werden. Denn am Sonnabend ist der FSV Frankfurt zu Gast, der in der Hinrunde für die bisher einzige Saisonniederlage der Herthaner gesorgt hatte.

Gegen den „Reizgegner“, haben seine Spieler noch etwas gut zu machen, sagte Luhukay. „Damals waren wir noch nicht soweit“, ergänzte sein Schützling Ndjeng. „Jetzt treffen die Frankfurter auf eine ganz andere Berliner Mannschaft.“ Auf eine, die mittlerweile wieder Siegermentalität gelernt hat.