2:2 gegen Paderborn

Ronny und Allagui bewahren Hertha vor Saison-Fehlstart

Kein perfekter Auftakt für die Berliner. Unter dem neuen Trainer Jos Luhukay kam Hertha nicht über ein 2:2 hinaus.

Mit viel Aufwand, aber nur geringem Ertrag startete Hertha BSC in die Zweitliga-Saison. Der Bundesliga-Absteiger kam im Heimspiel gegen den SC Paderborn nicht über ein 2:2 (0:1) hinaus. Zweimal lief der Hauptstadt-Klub einem Rückstand hinterher und musste froh sein, durch die Tore von Ronny (63.) und Sami Allagui (88.) wenigsten einen Zähler ergattert zu haben. Für den neuen Trainer Jos Luhukay gab es trotzdem zumindest einen erfreulichen Aspekt. „Wir haben zweimal einen Rückstand aufgeholt“, lobte der Niederländer, „die Mannschaft hat nicht aufgegeben. Das ist sehr positiv.“

Ebert sichtlich gerührt

Die ersten Emotionen gab es vor dem Anpfiff. Sichtlich gerührt nahm Patrick Ebert einen großen Blumenstrauß entgegen, den Manager Michael Preetz überreichte. Der einstige Publikumsliebling wischte auf dem Weg in die Ostkurve mehrfach Tränen beiseite, 14 Jahre stand der Mittelfeldspieler in Diensten von Hertha BSC, ehe sich in diesem Sommer die Wege getrennt hatten. Ebert verdient nun sein Geld bei Real Valladolid, Aufsteiger in die Primera Division. Einmal wurde er noch in Berlin gefeiert. Nicht mit seinem „Rowdy“-Lied sondern mit donnernden „Hertha BSC“- und „Patrick Ebert“-Sprechchören. Ebert bedankte sich ebenso wie Maikel Arts. Der Torwart wurde nach zwei Jahren für Hertha BSC verabschiedet, der 36-Jährige befindet sich derzeit auf Job-Suche.

Die Torwart-Frage des neuen Hertha-Jahrganges hatte Trainer Luhukay wie erwartet beantwortet: Sascha Burchert erhielt das Vertrauen. Überraschend war dagegen die Formation, die der Trainer auf dem Feld aufbot. So rutschte der von niemandem erwartete Fabian Lustenberger in die Startelf. Neun Veränderungen waren es, die Luhukay zum Start in die neue Saison vornahm. Eine neue Philosophie hatte in den vergangenen Wochen üben lassen: die sofortige Rückeroberung nach einem Ballverlust. Das gelang Hertha zunächst gut. Die Gäste wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Kaum hatten sie ein Duell gewonnen, sofort setzten die Herthaner mit mehreren Spielern nach. So erarbeiteten sich die Hausherren drei, vier gefährliche Situationen im gegnerischen Strafraum, allein, es fehlte am Abschluss.

Mal wurde ein Allagui-Schuss geblockt (4.), dann strich ein Knoll-Freistoß knapp am langen Pfosten vorbei (12.), dann erkannte Schiedsrichter Deniz Aytekin nicht auf Elfmeter, als Lustenberger im Paderborner Strafraum zu Boden ging (14.). Die Gäste verlegten sich gezielt darauf, den Hertha-Schwung zu durchbrechen. Sei es durch betont lange Verletzungspausen, die sie sich genehmigten, durch diverse Nickligkeiten. Mehrfach versuchten Thomas Bertels und Daniel Brückner die Berliner Gegenspieler zu provozieren.

Das gelang zwar nicht, aber dennoch verpuffte so langsam der Elan der Berliner Spieler. Je länger die erste Hälfte andauerte, desto weniger gelang es Hertha, Druck aufzubauen. Ein Freistoß von Debütant Marcel Ndjeng strich nur Zentimeter über die Paderborner Latte, aus dem Spiel heraus fehlte zunehmend die Präzision.

Stattdessen passierte etwas, was die Berliner Anhänger aus dem Vorjahr bis zum Überdruss kennen gelernt haben: Der erste gefährliche Gäste-Angriff führt prompt zum Tor. Nico Schulz, der bis dahin einen couragierten Auftritt geboten hatte, kam gegen Alban Mehan einen Hauch zu spät, der Paderborner passte sofort nach rechts außen, die Flanke verwertete Yilmaz Deniz humorlos, 0:1 (43.).

Nach der Pause änderte sich zunächst wenig. Nach 56 Minuten wurde Adrian Ramos eingewechselt (für Beichler) – und nach seiner schwachen Vorsaison von den eigenen Fans mit Pfiffen begrüßt (56.). Nach einer Stunde ersetzte Ronny den wenig auffälligen Peer Kluge im Mittelfeld. Und sofort zeigte die Südamerika-Fraktion, warum sie wertvoll sein kann. Ramos legte vor dem Paderborn Strafraum ab, Ronny zog aus 18 Metern ab, unten rechts schlug es ein, 1:1 (63.). Für Trainer Luhukay nicht genug: Er wechselte trotz des Ausgleichs seinen Kapitän Peter Niemeyer aus und brachte mit Sandro Wagner einen Stürmer.

Zu anfällig in der Defensive

Dennoch blieben die Hausherren in der Defensive anfällig. Torwart Burchert bewahrte Hertha mit einer Glanzparade gegen Brückner vor dem zweiten Gegentreffer (62.), Yilmaz zirkelte den Ball nur knapp über das Berliner Tor (71.). Zu allem Ungemach verursachte Innenverteidiger Hubnik einen Foulelfmeter, Paderborns Meha traf zum 1:2 (86.). Auch wenn die Fans höhnten „Fußball-Mafia DFB“, dieser Strafstoß ging in Ordnung. Dieser Abend war nichts für schwache Nerven. Mit dem nächsten Angriff schlugen die Berliner zurück. Ronny jagte mit Urgewalt einen Freistoß durch die Paderborner Mauer, Torwart Lukas Kruse bekam noch eben die Beine zusammen, den Abpraller versenkte Sami Allagui hoch im Netz, 2:2.