Nun nähert sich die Pause dem Ende, zumindest für die meisten. Wer nicht ohnehin in Berlin wohnt, wird in den nächsten Tagen eintreffen. Am Sonntag um elf Uhr eröffnet der neue Trainer Jos Luhukay die Vorbereitung auf die neue Saison bei Hertha BSC. Die Umstände dabei sind nicht so, wie man es sich gewünscht hätte. Der Fußballklub präpariert sich nämlich nicht für die Bundesliga, sondern nur für die zweitbeste Spielklasse. Auch personell steht nicht alles zum Besten, mehr als ein paar Abgänge konnte Manager Michael Preetz noch nicht verkünden. Neue Spieler werden wohl zum Trainingsstart nicht dabei sein.

Nicht nur das verhält sich nun anders als vor zwei Jahren. Damals stand der Kader längst, als der Klub nach dem Abstieg wieder in das Training einstieg. Seinerzeit musste der Klub aber auch nicht wie jetzt ein langwieriges juristisches Hickhack durchmachen, das nach dem Platzsturm beim Relegations-Rückspiel in Düsseldorf unumgänglich war. Seit Dienstag ist es offiziell beendet – und Hertha damit Zweitligist. Die dadurch verlorene Zeit bei der Kaderzusammenstellung können Preetz und Luhukay aber nicht mehr aufholen.

Fans sorgen sich

Diese Unklarheit über das Aussehen der Mannschaft ist ein Grund dafür, warum sich diesmal keine positive Grundhaltung einstellen will. Ein gewisser Trotz sorgte vor 24 Monaten für eine leichte Euphorie, mit der die Mission Wiederaufstieg angegangen worden ist, Hertha setzte Bestmarken bei den Zuschauern, zum ersten Training erschienen gut 1500 Fans, es gab Spruchbänder. Doch der zweite Abstieg in nur zwei Jahren geht tiefer, schmerzt mehr. Weil etwa nicht recht zu erkennen ist, wohin es gehen wird, weil es dem Klub finanziell nicht sonderlich gut geht mit seinen knapp 35 Millionen Euro Schulden, weil der Wiederaufstieg auch aufgrund der nun größeren Konkurrenz keineswegs sicher ist. Die Gefühle der Fans sind diesmal von Sorgen getragen.

Einfach stellt sich die Situation für den Klub, der seinen Spieleretat auf 13 Millionen Euro mehr als halbieren muss, also nicht dar. Seit gut drei Wochen sondieren Trainer und Manager die Lage. „Wir haben eine Vorstellung davon, wen wir holen wollen“, sagte Michael Preetz nach den ersten Gesprächen mit Luhukay, dem Nachfolger von Otto Rehhagel.

Bisher fünf Abgänge

Die Neuen müssten in der Lage sein, die Ansprüche des Trainers vor allem in spielerischer Hinsicht umzusetzen. Weil er André Mijatovic als nicht dafür passend einschätzte, erhielt der Kapitän, der dann in Ingolstadt unterschrieb, keinen Vertrag mehr. Nicht mehr haben wollte Hertha auch Christian Lell, Andreas Ottl und Patrick Ebert (neue Vereine offen), Tunay Torun schloss sich dem VfB Stuttgart an.

Erlöse erzielte Hertha dabei nicht. Dabei wären Einnahmen nicht schlecht, um selbst ein bisschen einkaufen zu können. Grundsätzlich sieht es wegen der schwierigen Finanzlage so aus, dass „wir primär darauf angewiesen sein werden, ablösefreie Spieler entweder zu verpflichten oder auszuleihen“, wie Finanzchef Ingo Schiller gegenüber dem „Hertha-Echo“ sagte. Allerdings dürften auch Transfers in Planung sein, die Geld kosten. „Wir wollen die Konkurrenz nicht ganz transparent über unsere Möglichkeiten informieren“, so Schiller. Große Sprünge, das ist klar, kann sich der Klub jedenfalls nicht erlauben. Über jeden möglichen Transfer, der Ablöse kosten würde, würde „im Einzelfall“ entschieden, so Preetz.

Ramos und Raffael werden abgegeben

Allemal hilfreich wäre es, wenn die beiden Spieler, die Geld in die Kasse spülen würden, schnell an einen neuen Verein abgegeben werden könnten. Bislang aber passen die Vorstellungen von Hertha und den Bietern für Angreifer Adrian Ramos und Mittelfeldregisseur Raffael noch nicht zusammen. An Ramos soll ein Klub aus Mexiko interessiert sein; Raffael hat viele Optionen, neben Bundesligaklubs werben auch Vereine aus der Ukraine und Italien um den Brasilianer, der zum Trainingsauftakt in Berlin sein sollte. Ramos (Kolumbien) wird am Sonntag nicht da sein, er hat wie Roman Hubnik (Tschechien) und Nikita Rukavytsya (Australien) noch drei Wochen Urlaub aufgrund von Einsätzen in Nationalteam.

Neben Ramos und Raffael sind weitere Personalien ungeklärt, bei Spielern wie Maikel Aerts, Christoph Janker, Änis Ben-Hatira und Felix Bastians geht es um die Frage der Weiterbeschäftigung. Neu bei Hertha könnten demnächst Rob Reekers und Markus Gellhaus sein, die schon in Augsburg als Assistenten von Jos Luhukay wirkten. René Tretschok, der Rehhagel unterstützte, geht zurück zur U19.

Der einzige Spieler, der dauerhaft bei Hertha als Zugang im Gespräch war, ist Elias Kachunga (20), ein Stürmer, der zuletzt von Mönchengladbach in die Dritte Liga nach Osnabrück ausgeliehen war. Etwa vier bis fünf Zugänge sind zu erwarten bei Hertha, wo am Mittwoch der Verkauf der Dauerkarten begann. Den Zeitrahmen hat Manager Preetz allerdings bereits bis zum Ende der Transferperiode im August ausgedehnt. Sein endgültiges Team wird Luhukay wohl erst zusammen haben, wenn die Saison in der Zweiten Liga längst läuft.