Neuer Trainer

Luhukay fordert ein stabiles Hertha-Gerüst

Bei seiner Präsentation in Berlin betont Jos Luhukay mehrfach das Kollektiv. Welcher Manager ihm darin zur Seite stehen wird, blieb offen.

Aufregung im Medienraum von Hertha BSC: „Einmal nach rechts schauen“, „nein, hier rüber, nach links“, „können Sie Michael Preetz die Hand geben?“, „können Sie mal eben aufstehen?“ – alle Fotografen wollten den Blick von Jos Luhukay. Der Niederländer lächelte geduldig in das Blitzlichtgewitter. Zwölf Tage nach der schriftlichen Meldung stellte Hertha BSC seinen neuen Cheftrainer vor. Luhukay hat in Berlin einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Er war beeindruckt von dem Medienrummel. „Es ist für mich eine herausragende Situation, bei Hertha BSC als Trainer arbeiten zu können.“ Dabei war die Szenerie um Längen nicht so voll, nicht so aufgeladen wie Mitte Februar, als Otto Rehhagel als Feuerwehrmann vorgestellt worden war. Der große alte Mann der Liga musste mehrfach erklären, warum er bereit ist, ein Himmelfahrtskommando wie das in Berlin zu übernehmen. Luhukay hingegen vermittelte den Stolz, dass er, der zuvor beim FC Augsburg gearbeitet hatte, nun Hertha BSC trainieren darf.

Training beginnt am 24. Juni

Anders als bei Rehhagel, der seine Zuhörer gern an seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lässt, wurde Luhukay sofort konkret. Hertha BSC kann sich auf einen Trainer einstellen, der ruhig ist, aber die Themen beim Schopf packt. Als erster Offizieller beim Hauptstadt-Klub sprach er von seinem Ziel: Als Zweitligist gehe es darum, direkt wieder aufzusteigen. „Hallo, hallo“, kam die Zwischenfrage mit Blick auf den laufenden Rechtstreit von Hertha mit dem Deutschen Fußball-Bund über die Wertung des Relegations-Rückspiels in Düsseldorf (2:2). „Haben Sie sich mit Ihrer Vereinsführung abgesprochen?“ Wenig später ergriff Manager Michael Preetz das Wort und sagte, Hertha schaue sich zunächst die schriftliche Begründung des Urteils vom DFB-Bundesgericht an, ehe man entscheiden werde.

Doch da hatte sich Luhukay bereits festgelegt: „Nach den beiden Gerichtsterminen müssen wir davon ausgehen, dass es die Zweite Liga wird. Aber wir haben schon zwei Wochen verloren bei der Planung. Deshalb müssen wir jetzt anfangen, um zum Start den Großteil des Kaders zusammenzuhaben.“ Der Trainingsauftakt ist für den 24. Juni terminiert.

Manager Preetz, bei dem nicht alle Trainer-Verpflichtungen gegriffen haben (erinnert sei an Friedhelm Funkel, Michael Skibbe und Rehhagel), begründete seine Wahl: „Ich freue mich sehr, Jos Luhukay vorstellen zu können. Mir hat imponiert, wie er in Augsburg mit bescheidenen Mitteln Erfolg hatte.“ Besonders angetan war der Manager davon, wie sich Aufsteiger Augsburg aus einer Krisensituation befreit hatte. „Luhukay hat die Mannschaft weiterentwickelt. Und seine Handschrift, Fußball zu spielen, ist das, was Hertha auch braucht: Es muss endlich vorbei sein mit schlechten Heimspielen im Olympiastadion. Wir brauchen zu Hause eine Mannschaft, die attraktiv spielt und dominant auftritt.“

Schon der erste Auftritt des Trainers zeigte: Glamour spielt für ihn keine Rolle. Stattdessen tauchten mehrfach Formulierungen auf wie „der Aufstieg ist sehr harte Arbeit“. Es gehe darum, „die Ärmel aufzukrempeln“. Und, ganz wichtig für Luhukay: „Ich stehe für ein starkes Kollektiv. Wir müssen alle zusammenarbeiten: Mannschaft, Manager, Präsidium, die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. Ich allein erzwinge hier nicht den Erfolg.“ Er wurde auch zu Manager Preetz gefragt, der schwer in der Kritik steht. Luhukay antwortete: „Es ist für jeden Trainer wichtig, dass ein Verein Kontinuität und Stabilität hat. Für mich ist wichtig, welcher Manager mir zur Seite steht. Ich habe vollstes Vertrauen in den Menschen Michael Preetz und den Manager Michael Preetz.“

Noch offen ist, mit welcher Mannschaft Hertha das Unternehmen Wiederaufstieg angeht. Der Coach weiß aber, dass der Verein erheblichen wirtschaftlichen Zwängen unterliegt: „Die Führung war sehr offen zu mir.“ Verstärkungen wird es nur punktuell geben. Vor allem im Sturm hat Hertha Bedarf. Adrian Ramos wird wohl gehen, Pierre-Michel Lasogga fällt wegen eines Kreuzbandrisses bis in den November aus. Luhukay beschrieb seine Aufgabe so: „Wenn man ein Haus baut und kein gutes Gerüst hat, hat man keine Stabilität.“ Er wolle eine Achse bauen, die von hinten nach vorn durchgeht. Die Qualität auf der Torwart-Position „steht außer Frage“. Gemeint war Thomas Kraft. „Wir müssen eine gute Mischung finden aus Erfahrung und Talenten.“

Warnung vor der Konkurrenz

Obwohl die Entscheidungen noch ausstehen, zeichnet sich ab, auf wen Hertha setzt: In der Abwehr etwa auf die erfahrenen Roman Hubnik und Maik Franz, im Mittelfeld auf Peter Niemeyer und Fabian Lustenberger. Und Luhukay wird sich auf der Suche nach Neuen vor allem beim eigenen Nachwuchs umschauen. Er sprach explizit „die sechs oder sieben Spieler“ an, die in der vergangenen Saison einige wenige Einsätze hatten. „Für die ist es wichtig, dass sie jetzt ihre Qualität entwickeln und sich einbringen. Ich habe keine Angst davor, junge Spieler zu den Profis zu holen.“

Auf gar keinen Fall dürfe Hertha die Konkurrenz unterschätzen. „Wir wollen den Betriebsunfall Abstieg korrigieren. Das wird unglaublich harte Arbeit. Es gibt mehrere Konkurrenten, die um die ersten drei Plätze spielen.“ Der erste Zweitliga-Spieltag findet am 3./4. August statt.

Analysen und Kommentare zu Hertha im Morgenpost-Online-Blog immerhertha.de