Rehhagel-Nachfolge

Luhukay ist Herthas neuster Trainer-Kandidat

Ralf Rangnick, Andries Jonker oder der Augsburger Aufstiegsheld - wer die Berliner in der nächsten Saison trainiert wird, ist noch offen

Foto: DAPD

Otto Rehhagel ging schnurstracks auf den Platz. Hatte der Trainer von Hertha BSC sonst meist ziemlich schnell den Schutz der Bank gesucht, machte der 73-Jährige vor dem Anpfiff in Düsseldorf ganz bewusst ein paar Schritte auf das Spielfeld. Vielleicht wollte er seinen Jungs besonders nah sein, vielleicht wollte er den zahlreichen Fotografen aber nur nicht sein bewegtes Gesicht zudrehen. So stand er dann da und musste mit ansehen, wie das Unheil schon nach 25 Sekunden seinen Lauf nahm.

Es war ein undankbares Spiel für einen Trainer, für einen erfolgreichen wie Rehhagel erst recht. 836 Partien hat er in der Bundesliga gecoacht, so viele wie kein anderer vor ihm. In Düsseldorf nun ging seine Karriere wohl zu Ende, dafür braucht es keinen Propheten. Im gleichen Atemzug tat sich so für Hertha eine der Schlüsselfragen auf: Wer trainiert die Mannschaft in der kommenden Saison? Klar ist, Rehhagel war Teil der Vergangenheit, für ein paar Monate Gegenwart, aber er wird nicht Teil der Zukunft sein. Ebenso offensichtlich ist: Hertha hat in den vergangenen drei Jahren zu viele Trainer verschlissen: Lucien Favre, Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Michael Skibbe und nun den Veteranen aller Bundesliga-Trainer.

Endlich Kontinuität ist der Wunsch

Manager Michael Preetz hat zwar oft von der Hoffnung auf Kontinuität gesprochen, hinbekommen hat er das nicht. Deshalb muss die kommende Lösung eine mit Perspektive sein. Automatisch scheiden Trainer vom Schlage eines Christoph Daum aus, die einen zweistelligen Millionen-Betrag investiert sehen wollen, um die Mannschaft wettbewerbstauglich zu machen. Gefordert ist ein Trainer, der sowohl mittel- als auch langfristig plant. Und es muss jemand sein, der Herthas weitgehend brachliegendes Potenzial hebt: die Talente aus dem eigenen Nachwuchs.

Es geht nicht um Jugend-Wahn. Hertha wird auch 2012/13 Korsettstangen wie Thomas Kraft, Levan Kobiashvili oder Maik Franz benötigen, an denen sich die anderen orientieren können. Aber der neue Mann muss Spaß haben, Youngster zu entwickeln, wie das Christian Streich beim SC Freiburg zuletzt getan hat.

Ein Wunschkandidat für das Projekt Berlin ist Ralf Rangnick. Der hat zwar in Hoffenheim und auf Schalke mit großen Geldbeträgen hantieren dürfen. Ihn interessiert aber die Perspektive einer Aufgabe. Zudem weiß der ehrgeizige Trainer, dass ein Erfolg mit Hertha im bekannt schwierigen Umfeld einen besonderen Stellenwert hätte. Allerdings gab es zuletzt mehrfach Unstimmigkeiten in den Kontakten zu Hertha, die durch Berater des Trainers ausgelöst wurden. Die Gerüchteküche berichtet auch von Andries Jonker, dem ehemaligen Cotrainer von Louis van Gaal. Jonker, ebenfalls Niederländer, verlässt den FC Bayern, wo er zuletzt die U23 trainiert hatte. Jonker war im Bayern-Gefolge am vergangenen Pokal-Wochenende in Berlin. Da hätte es Gelegenheit zu Kontakten zu Hertha gegeben.

Sehr gute Arbeit bei Augsburg

Indessen buhlt Hertha mittlerweile um einen anderen Kandidaten: Der Klub hat über einen Mittelsmann Kontakt zu Jos Luhukay aufgenommen. Der Holländer hat beim FC Augsburg sehr gute Arbeit geleistet. Mit kleinem Etat und einer Mannschaft ohne Stars hat er vollbracht, was kaum jemand für möglich gehalten hat. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga hat er den krassen Außenseiter auch noch sicher in der Bundesliga gehalten. Nach seinem Rücktritt in Augsburg hat sich Luhukay zu seiner Familie in Venlo zurückgezogen. Es heißt, Borussia Mönchengladbach habe ein Auge auf ihn geworfen, falls der unberechenbare Favre sich kurzfristig anderweitig orientieren sollte. Wie Morgenpost Online erfuhr, ist aber auch Hertha im Rennen.

Und Rehhagel? Der flog am Mittwochmorgen mit dem Team zurück nach Berlin, das ließ er sich dann doch nicht nehmen. Auch wenn für ihn, wie er es schon nach dem Hinspiel betont hatte, sein Auftrag am Dienstagabend beendet war.