Friedhelm Funkel will kein Risiko eingehen. Der Trainer von Hertha BSC wird sich in nächster Zeit gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Tage im Bett kann sich der 55-Jährige im Kampf um den Klassenerhalt einfach nicht leisten; seine Mannschaft ist spätestens nach dem 0:1 (0:0) im Heimspiel gegen den 1. FC Köln am Sonntag Abstiegskandidat Nummer eins. Kapitän Arne Friedrich hatte die Partie vor Anpfiff als Endspiel bezeichnet. Hertha war die bessere Mannschaft und verlor dennoch – ein Absteigersyndrom. „Das war für uns eine ganz bittere Niederlage“, sagt Funkel.


In der vergangenen Saison noch Tabellenvierter, sind die Berliner derzeit die schlechteste Mannschaft der Liga. Aus zwölf Spielen haben sie nur vier Punkte geholt und auf Nichtabstiegsplatz 15 schon sechs Zähler Rückstand. Seit elf Ligaspielen sind sie ohne Sieg, haben mehr als dreimal so viele Gegentore (26) kassiert wie Spitzenreiter Bayer Leverkusen (8) und erst sieben Treffer erzielt. In der Liga ist Hertha seit 441 Minuten ohne Tor. Der Verein steht mit einem Bein in der Zweiten Liga. „Die Spieler waren nach dem Spiel gegen Köln in der Kabine fassungslos“, sagt Michael Preetz.

Für den 42-Jährigen ist es die erste Saison als Manager des Bundesligaklubs. Nach dem Abgang seines Vorgängers Dieter Hoeneß im Sommer trägt er die Verantwortung – und hat einen schlimmen Start erwischt. „Ich habe alles mitgenommen“, sagte er kürzlich – wohlgemerkt in negativer Hinsicht. Aus im DFB-Pokal, Beurlaubung des ehemaligen Trainers Lucien Favre, freier Fall in der Bundesliga und Verletzungsprobleme (Florian Kringe, Pal Dardai und Marc Stein). Trotzdem sagt Preetz: „Mit der Zweiten Liga beschäftigen wir uns nicht. Wir befassen uns damit, wie wir die Kurve kriegen und müssen jetzt wieder aufstehen.“

Noch bleiben den Berlinern 22 Spiele, um den Abstieg zu verhindern. In der Ligahistorie seit 1963 hat sich noch nie ein Verein gerettet, der nach zwölf Spielen lediglich vier Punkte hatte. „Dann werden wir eben der erste Klub sein“, sagt Funkel trotzig. „Ich bin mir sicher, dass wir noch zwei, drei Siege bis zur Winterpause holen und dann eine erfolgreiche Aufholjagd starten.“ Der ehemalige Profi ist seit 35 Jahren im Bundesliga-Geschäft, einen so schlechten Start als Trainer hatte er nie: Aus den ersten fünf Spielen unter seiner Führung holte Hertha nur einen Punkt.

Seine Aussagen seien dennoch keine Durchhalteparolen. Er erkenne bei der Mannschaft eine Entwicklung. 0:0 gegen den Deutschen Meister Wolfsburg, 3:2 in der Europa League auswärts gegen den SC Heerenveen und trotz Niederlage eine vernünftige Leistung gegen Köln – das gibt der sportlichen Führung Hoffnung. „Wir spielen besser als vor sechs Wochen und sind spritziger“, sagt Stürmer Artur Wichniarek.

Viele Fans und einige Mitglieder hingegen sind weniger zuversichtlich. Für die Mitgliederversammlung am 30. November hat ein Mitglied „wegen schlechter Politik“ einen Antrag zur Abwahl des Präsidiums gestellt. Die Kritik der Basis richtet sich vor allem an Präsident Werner Gegenbauer. Unter seiner Führung kam der Managerwechsel von Hoeneß zu Preetz zu Stande. Ungeachtet der Misserfolge vertraut Gegenbauer seiner sportlichen Leitung.

Er und seine Präsidiumskollegen versuchen nun, Funkel und Preetz mit Hilfe von Banken und Sponsoren Geld für Zugänge zur Verfügung zu stellen. Keine leichte Aufgabe: Hertha hatte 33,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten. „Wir werden uns daran messen, welchen Spielraum wir zur Verfügung stellen können“, sagt Gegenbauer. Hertha wird in der Winterpause wohl einen Verteidiger und einen Stürmer verpflichten.

Die Angreifer der Berliner erzielten aus dem Spiel heraus in der aktuellen Ligasaison noch kein Tor. Vor allem von dem im Sommer von Arminia Bielefeld gewechselten Wichniarek haben sich in Berlin alle mehr versprochen. „Eine Blutauffrischung für die Rückrunde könnte uns gut tun“, sagt Funkel. Noch allerdings hätten seine Spieler es selbst in der Hand, dies zu verhindern.

Nach der 14-tägigen Länderspielpause kommt es am 21. November zum nächsten Endspiel. Dann tritt Hertha beim Tabellen-15. Stuttgart an. Danach heißen die Gegner unter anderem Bayer Leverkusen und Bayern München. „Wir müssen mal für eine Überraschung sorgen“, sagt Preetz. Mit wie vielen Punkten er bis zum Winter rechnet, will er nicht sagen. Nur so viel: „Vier Punkte reichen auf jeden Fall nicht.“

dpa/jr