Die Fans von Hertha BSC hatten ihre Mannschaft schon mit einem gellenden Pfeifkonzert zur Pause in die Kabine geschickt. Am Ende, beim obligatorischen Dank an die Anhänger, achteten die Profis von Hertha darauf, außerhalb der Wurfweite der Ostkurve zu bleiben: Mit der 1:3 (0:2)-Pleite gegen den 1. FC Köln endeten die Träume des Hauptstadt-Klubs vom „Finale im eigenen Wohnzimmer“ bereits in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Die Geduld selbst der treuen Unterstützer geht zu Ende.

Einige Heißsporne sprangen nach Abpfiff in den Innenraum und wollten in die Mixedzone rennen. Ordner drängten die Fans ab. Hertha-Trainer Pal Dardai, der den Mini-Platzsturm mitbekommen hatte, ging zu den Anhängern und diskutierte kurz mit ihnen – die Lage beruhigte sich. „Die Fans machen sich Sorgen“, sagte Dardai. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich offen bin für Diskussionen. Ich habe keine Angst vor ihnen, sie gehören zu uns.

Fakt ist: Die Mannschaft muss sich steigern.“ Die Stimmung ist im Keller. Hertha ermöglichte Köln, abgeschlagen Letzter in der Bundesliga, den erste Pflichtspiel-Sieg dieser Saison seit dem 5:0 gegen den Fünftligist Leher TS in der ersten Pokalrunde. Bei Hertha steht Dardai jetzt vor ungemütlichen Zeiten. Zwar hatte sich der Ungar für ein System mit zwei Stürmer entschieden (Davie Selke und Salomon Kalou), doch die Mittelfeld-Zentrale um Per Skjelbred und Fabian Lustenberger bestätigte alle Kritiker, dass diese beiden kaum etwas zum Offensivspiel ihrer Mannschaft beitragen können.

Kurz vor der Pause nahm sich die Hertha-Defensive eine kollektive Auszeit

Köln und Hertha zeigten früh, warum sie in der Europa League jeweils Letzter ihrer Gruppen sind. Zerfahren war der Beginn vor 33.459 Besuchern im Olympiastadion. Von der 15. Minute an schienen die Hausherren das Heft in die Hand zu bekommen. Ein erster Freistoß von Marvin Plattenhardt sauste knapp am FC-Tor vorbei (15.), einen zweiten boxte Kölns Torwart Timo Horn aus dem linken Eck (20.).

Wenig später lenkte Horn einen Schuss von Peter Pekarik ab (32.) – aber mehr hatte Hertha nicht zu bieten. Stattdessen gerieten die Berliner durch einen kuriosen Treffer in Rückstand. Leonardo Bittencourt verunglückte ein Torschuss, doch statt acht Meter am Kasten vorbeizufliegen, hielt der Kölner Sehrou Guirassy seinen Kopf in Richtung Ball, der landete bei Simon Zoller, und der Stürmer bugsierte ihn aus vier Metern ins Berliner Tor, 0:1 (35.). Kurz vor der Pause nahm sich die Hertha-Defensive eine kollektive Auszeit, FC-Kapitän Dominic Maroh stocherte den Ball aus drei Metern ins Tor, 0:2 (43.).

Nach dem Seitenwechsel ersetzte Youngster Arne Maier (18) den matt wirkenden Lustenberger, später kamen Vedad Ibisevic und Ondrej Duda. Hertha kämpfte, aber es gelang kaum einmal Druck aufzubauen. Vor allem im gegnerischen Strafraum verbreitete Hertha keine Gefahr. Stattdessen nutzen die Kölner eine ihrer diversen Konterchancen. Zoller lupfte den Ball über Torwart Rune Jarstein, den Abpraller vom Pfosten versenkte Christian Clemens, 0:3 (65.). Der Anschlusstreffer der Berliner fiel nach einer Standardsituation. Karim Rekik köpfte eine Plattenhardt-Ecke an die Latte, den zweiten Versuch versenkte Niklas Stark im Kölner Tor, 1:3 (69.).

Der Berliner Trainer Pal Dardai schlägt Alarm

Eigentlich blieb genug Zeit für eine Aufholjagd, aber die Blau-Weißen vermittelten nicht den Eindruck, sich mal entscheidend durchsetzen zu können. Unter dem Strich bleibt: Hertha hat wieder mal eine Gelegenheit verpasst, beim Publikum für gute Laune zu sorgen. Einmal mehr ist es nicht gelungen, mit Blick auf die anstehenden Heimspiele gegen den HSV in der Liga (Sonnabend) und Lugansk in der Europa League (am kommenden Donnerstag) Werbung in eigener Sache zu machen. „Wir müssen uns Gedanken machen, warum wir in Drucksituationen gelähmt sind“, sagte Dardai.

Hertha wirkt, als sei der Klub gerade im freien Fall. Die Bilanz der letzten sieben Pflichtspiele: zwei Remis, gegen Köln setzte es die fünfte Niederlage. Pal Dardai spürte, in welch heikler Situation sein Klub gerade steckt: „Der Gegner hat verdient gewonnen. Und wir müssen tierisch aufpassen.“