Mit dem Schlusspfiff erhob sich Jos Luhukay von seiner Bank, der Trainer von Hertha BSC schüttelte Florian Meyer, dem vierten Offiziellen, die Hand und verschwand in den Katakomben des Olympiastadions. Keine neue Hoffnung war aufgekommen, 0:1 (0:0) hieß es am Ende eines niveauarmen Spiels gegen Bayer Leverkusen. Die Berliner kassierten die dritte Niederlage in Folge und rutschten auf Abstiegsrang 17 ab. Es lag eine seltsame Mattigkeit über dem Abend. Selbst nach Abpfiff brauchten die Fans 40, 50 Sekunden, ehe einige „Luhukay raus“-Chöre erklangen.

Gut möglich, dass es der letzte Auftritt Luhukays als Hertha-Trainer war. „Wir müssen das Spiel erst mal sacken lassen“, sagte Manager Michael Preetz nur. Dass Luhukay am Sonnabend gegen Mainz auf der Bank sitzt, wollte Preetz allerdings nicht bestätigen: „Wir halten das so, dass wir miteinander diskutieren und nicht übereinander. Das werden wir auch jetzt so halten und morgen miteinander reden.“

Begonnen hatte der Abend für alle Beteiligten übrigens mit einem Blick auf ein großes Banner, das vor der Ostkurve hing: „Team, Trainer, Manager: Konsequenzen jetzt!“ Bei der Vorstellung der Mannschaft wurde Luhukay von der Mehrheit der Fans ausgepfiffen. Das bekam der Trainer aber nicht recht mit, da er entgegen der sonstigen Gewohnheit zu jenem Moment kurz vor dem Anpfiff noch in den Katakomben weilte.

Komplett auf der Ersatzbank

Luhukay hatte mit seiner Ansage am Tag vor dem Spiel nicht geblufft. „Wir hatten vier Ausfälle, das kann keine Mannschaft ausgleichen“, hatte er nach dem 0:2 in Bremen gesagt. Folgerichtig fand sich das gemeinte Quartett (John Brooks, Nico Schulz, Ronny und Valentin Stocker) komplett auf der Ersatzbank wieder, Peter Niemeyer fiel wegen einer Gehirnerschütterung ohnehin komplett aus.

Die runderneute Formation fand sich rasch. Der Trainer hatte ungeachtet der Aufregungen im Umfeld den Fokus auf ein 4-1-4-1-System gelegt. Und die abstiegsgefährdeten Hausherren spielten es sehr aufmerksam. Erwartungsgemäß hatte Leverkusen dabei mehr Ballbesitz und verlegte das Geschehen zumeist in die Hertha-Hälfte. Doch die Hochkaräter von Bayer, die Karim Bellarabi, Julian Brandt oder Hakan Calhanoglu, kamen überhaupt nicht ins Rollen.

Hertha mit mutigen Kontern

Hertha verlegte sich auf Konter, die mutig angegangen wurden. So wurde ein schneller Antritt vom Genki Haraguchi erst im allerletzten Moment von der Bayer-Abwehr auf Kosten einer Ecke gestoppt. Die trat Marcel Ndjeng, doch Hajime Hosogai köpfte den Ball aus zwei Metern nur an den Pfosten (8.). Und Leverkusen, das große Pläne für diese Saison hat und im Achtelfinale der Champions League demnächst auf Atletico Madrid trifft? Wenig war zu sehen von Bayers Herrlichkeit. Calhanoglu prüfte Hertha-Torwart Thomas Kraft mit einem 25-Meter-Freistoß (25.). Doch Kraft parierte ebenso aufmerksam wie bei einem 19-Meter-Gewaltschuss des Leverkusener Kunstschützen (39.).

Ein Feinschmecker des Fußballs wurde bei dieser Partie sicherlich nicht warm. Aber bei den Minusgraden im Olympiastadion ging es für Hertha zunächst darum, die überfallartigen Konter der Gäste zu unterbinden. So arbeiteten Roy Beerens und Haraguchi, Herthas Außenbahnspieler, intensiv mit in der Defensive.

Nach dem 0:1 wurde es gruselig

Nach der Pause jedoch gerieten die Hausherren in Rückstand. Eine Unaufmerksamkeit bei Beerens genügte, Bayers Wendell sprintete bei einem zu kurz geratenen Pass dazwischen und zog auf der linken Seite davon. Der Brasilianer flankte und in der Mitte drückte Stefan Kießling, kurz danach über Torwart Kraft hinweg stürzend, den Ball ins Tor – das 0:1 (49.).

Nun wurde es gruselig. Hertha zeigte sich deutlich verunsichert, und erneut ohne Durchschlagskraft nach vorn. Jens Hegler wurde von den Fans sogar verspottet für die diversen Aktionen, die jeweils nicht zum Ziel führten. Fehlpass reihte sich an Fehlpass.

Langkamp sieht Gelb-Rot

Zu allem Überfluss zeigte der unsichere Schiedsrichter Jochen Drees in der Schlussminute Herthas Sebastian Langkamp wegen wiederholten Foulspiels auch noch die Gelb-Rote Karte. Der Innenverteidiger wird somit in Mainz fehlen.

Kapitän Fabian Lustenberger sagte zur Trainer-Diskussion: „Wenn man Profi ist, gehört so was dazu. Wir können gegen die Diskussionen nichts unternehmen. Unser Job ist es, die Arbeit auf dem Platz zu machen.“ Auf die Frage, ob es noch Spaß mache, mit dem Trainer zu arbeiten, sagte Lustenberger: „Jeder ist Profi, weil ihm Fußball Spaß macht. Dass es im Moment nicht gut läuft, sieht auch jeder. Wir werden aber alles tun, um da wieder rauszukommen.“ Auch Luhukay wähnt die Mannschaft trotz des freien Falls hinter sich: „Dass hat die Mannschaft über 90 Minuten gezeigt, daran hatte ich auch nie Zweifel.“