Bundesliga

Hertha will bei Luhukay nicht den Favre-Fehler wiederholen

Nach der sechsten Niederlage wird es auf der Mitgliederversammlung am Montag kritische Fragen an die Vereinsführung geben. Präsident Gegenbauer und Manager Preetz werden zu Trainer Luhukay stehen.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Die Planung war: Erst ein Heimspiel, wenn möglich mit einem Sieg, dann die Mitgliederversammlung. Nachdem die Realität dazwischen gegrätscht ist, findet das obligatorische Treffen der Mitglieder am Montag unterm Funkturm in einer Phase statt, in der Hertha in Serie im DFB-Pokal bei Drittligist Bielefeld ausgeschieden ist und in der Liga bei Aufsteiger Paderborn (1:3) ebenso verloren hat wie den Heimauftritt gegen Hannover 96 (0:2). Elf Punkte nach elf Runden, der Anhang des Hauptstadt-Klubs macht sich Sorgen. Die Erinnerung an die Abstiege 2010 und 2012 ist allgegenwärtig. Präsident Werner Gegenbauer und Michael Preetz, der Geschäftsführer Sport, werden sich auf diverse kritische Fragen und Forderungen einstellen müssen.

Manager Preetz wird gefragt werden, warum er an Jos Luhukay festhält. Keine Frage, dem Trainer kommt eine Schlüsselrolle zu. Am Tag nach der sechsten Saisonniederlage präsentierte sich Luhukay gefasster und bestimmter als nach anderen Rückschlägen dieser Saison. In die Runde der Medienvertreter sagte Luhukay: „Ihr, die Fans und einige unserer Spieler haben eine Vorgeschichte aus den letzten Jahren. Ich konzentriere mich darauf, was wir tagtäglich mit der Mannschaft bewerkstelligen können. Das ist, Hertha in der ersten Liga zu etablieren und, das ist nicht, über die Zweite Liga nachzudenken.“

Mehr Wir-Gefühl, weniger Konfrontation

Luhukay warb um Vertrauen, trotz des mageren ersten Saisondrittels. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, nach elf Spieltagen über Szenarien nachzudenken, die vielleicht am Saisonende entstehen könnten. Wenn man das macht, geht man in die verkehrte Richtung.“

Es hat Gespräche gegeben zwischen Luhukay und Preetz. Der Trainer tritt nicht mehr ganz so konfrontativ seiner Mannschaft gegenüber. Luhukay ist ein kritischer Geist. Er hat seine Mannen mehrfach darauf hingewiesen, was nicht zusammenläuft. Doch seit etwa zehn Tagen liegt der Schwerpunkt seiner Argumentation beim „wir“. So sagte Luhukay: „Die Mannschaft hat gegen Hannover den absoluten Willen gezeigt. Aber sie konnte sich nicht belohnen. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr ist die Überzeugung geschwunden.“ Luhukay ist krisenerfahren. Sowohl nach den Aufstiegen mit Borussia Mönchengladbach (2008) als auch mit dem FC Augsburg (2011) stand er mit seinen Teams in der Abstiegszone. In Gladbach wurde er entlassen, in Augsburg vertraute die Vereinsführung dem Coach. Der zahlte die Treue mit dem Klassenerhalt zurück. Luhukay hat auch die Anhänger im Blick: „Wir wollen und werden gemeinsam mit den Fans durch diese Phase gehen.“

Unterstützung für Plattenhardt

Angesprochen auf Marvin Plattenhardt, der bei seinem ersten Saisonspiel für Hertha mit zwei Fehlern beide Hannoveraner Tore ermöglichte, nahm Luhukay den Linksverteidiger in Schutz. „Marvin weiß selbst am besten, dass er da unglücklich ausgesehen hat“, sagte Luhukay. „Aber wir werden ihm jetzt alle den Rücken stärken, damit er diese Situation rasch hinter sich lassen kann.“

Manager Preetz und die Vereinsführung wissen, dass man auf einer bestimmten Ebene keine Argumente hat, wenn man verliert. Verweist man auf verletzte Schlüsselspieler, heißt es: Andere Klubs haben auch Verletzte. Verweist man auf die Heimsiege gegen den VfL Wolfsburg (1:0), den VfB Stuttgart (3:2) und den HSV (3:0), heißt es: Hertha lebt nur in der Vergangenheit, dabei sieht die Gegenwart bitterschwarz aus.

Preetz ist überzeugt vom Trainer

Stellt sich die Frage, warum Preetz just in einer kritischen Phase dem Trainer eine Vertragsverlängerung in Aussicht stellt. Antwort: Weil Preetz von Luhukay und der Mannschaft überzeugt ist.

Und weil die Bundesliga gegenwärtig für viele in Phasen abläuft. So hatte der Gegner vom Freitag, Hannover, drei Mal in Folge verloren, ehe drei Siege in Folge gelangen (Augsburg, Dortmund, Hertha).

Das mahnende Beispiel Favre

Die Pessimisten unter den Hertha-Fans verweisen auf die anstehenden schweren Ansetzungen bis Weihnachten in Köln, gegen Bayern, in Gladbach, gegen Dortmund, in Frankfurt und gegen Hoffenheim – damit sei der Abstiegsplatz programmiert. Luhukay teilt diese Ansicht nicht. „Wir als Hertha BSC wissen, dass jedes Spiel eine Herausforderung ist. Wichtig ist immer die kommende Partie. Und jedes Spiel muss gespielt werden.“

Gegenbauer und Preetz wollen nicht noch mal den Fehler machen wie 2009. Als man intern der Meinung war, mit Lucien Favre einen guten Trainer zu haben. Aber als es kritisch wurde, verloren zu viele der Beteiligten die Übersicht. Mittlerweile zeigt Favre in Gladbach, was er in einem stabilen Umfeld entwickeln kann. Herthas Verantwortliche setzen auf Luhukay – und wollen ihm auch in schwieriger Zeit ein stabiles Umfeld bieten.