Jos Luhukay erhöhte den Druck. Also rief der Niederländer seinen Profis bei Beginn der Übung im Trainingslager zu: „Fünf Liegestütze, wenn die Flanke nicht kommt.“ Die Spieler sollten sich über außen durchspielen, um dann eine Torvorlage zu geben. Eine Lektion aus der vergangenen Saison, denn kein Team in der Bundesliga hatte weniger Treffer und weniger Torvorbereitungen von Abwehrspielern als Hertha. Vor allem Linksverteidiger Johannes van den Bergh wurde kritisiert. Mit Marvin Plattenhardt von Nürnberg hat er nun starke Konkurrenz.

„Ich habe keinen gesehen, der Liegestütze machen musste. Also müssen die Flanken wohl gut gewesen sein“, sagte ein entspannter Johannes van den Bergh. Der erst im vergangenen Sommer gekommene Linksverteidiger hat die Saison 2013/14 abgehakt.„Es war nicht alles so gut in der Hinrunde, wie es gemacht wurde. Aber auch nicht alles schlecht in der Rückrunde“, sagte er. Van den Bergh kam auf 26 Einsätze, wurde zweimal von Muskelverletzungen gestoppt. „Für mich war Marvins Verpflichtung keine Überraschung. Ich sehe das auch nicht als Kritik an mir. Man braucht in der Bundesliga einfach eine Doppelbesetzung auf der Position.“

Berliner brauchen mehr Torgefahr

Dennoch hat Hertha Handlungsbedarf, da es gerade auf der linken Verteidigerseite einen größeren Aderlass gab. Levan Kobiashvili, mittlerweile 37 Jahre, hat seine Karriere beendet. Fabian Holland wurde an Zweitliga-Aufsteiger SV Darmstadt verliehen und der vom VfL Bochum zurückgekehrte Felix Bastians spielt keine Rolle mehr. Hinter diesen Abgängen steckt wohl die andere, die tatsächliche Wahrheit. Es gab auf der Position einfach keinen Profi, der gleichwertig van den Bergh bei Verletzung oder Formschwäche hätte ersetzen können. Mal spielte Nico Schulz dort, mehrfach Peter Pekarik, der etatmäßige Rechtsverteidiger. Trotzdem gibt sich van den Bergh selbstbewusst angesichts des chronischen Mangels an Linksfüßern im Fußball: „In Mannschaften, in denen ich bin, gibt es kein Problem mit Linksverteidigern.“

Luhukay lässt den Konkurrenzkampf zwischen Plattenhardt und dem bisherigen Stammplatzinhaber absolut offen. Für Plattenhardt ist es gewissermaßen wie eine Wiederholung im TV-Vormittagsprogramm. Schon in Nürnberg musste der 22-Jährige, der seit der U17 alle deutschen Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen hat, an Routinier Javier Pinola vorbeikommen. Endgültig gelang ihm das in der vergangenen Saison. An Ehrgeiz und Selbstbewusstsein ist auch bei Plattenhardt kein Mangel: „Ich bin nicht nach Berlin gekommen, um auf der Bank zu sitzen“

Ein Trainingstandem heißt Plattenhardt/Schulz

Im Trainingslager in Ostwestfalen hat Plattenhardt mit Nico Schulz, mit dem er bei den Einheiten oft ein Pärchen auf der linken Seite bildet, gemeinsam ein Zimmer bezogen. Schulz ist gelernter linker Verteidiger, wird aber mittlerweile meist auf der linken Außenbahn im Mittelfeld eingesetzt. Die beiden verstehen sich gut. Auch auf dem Platz. Beide reden miteinander, bei Vorstößen gibt Plattenhardt Kommandos. Gerade für die fehlende Gefährlichkeit in der Offensive wurde speziell van den Bergh und Hertha allgemein kritisiert. Lediglich einen Assist konnte der 27-Jährige in der vergangenen Saison verbuchen. Und das in der Partie beim Hamburger SV, in dem van den Bergh im Mittelfeld zum Einsatz kam. Nur sieben Tore oder Torvorbereitungen gingen auf das Konto der Hertha-Abwehr – Minus-Wert in der Liga.

Ein Erfolgserlebnis nimmt Johannes van den Bergh diesbezüglich aus dem Trainingslager mit. Beim Test gegen Rödinghausen (2:0) bereitete er den Treffer von Sami Allagui mit einem langen Diagonalball aus der Abwehr vor. Wenn es nach den Hertha-Verantwortlichen geht, kann er das in der Bundesliga gerne wiederholen.