Eine Zeitvorgabe für den 38. Berliner Halbmarathon habe er sich nicht gesetzt. „Ich bin einfach froh, wenn ich ankomme“, sagt Hans Sarpei. In erster Linie gehe es ihm darum, den Lauf zu genießen, die Atmosphäre entlang der Strecke aufzufangen und vor allem sich selbst nicht unter Druck zu setzen. Nur ein Ziel hat sich der 41 Jahre alte Ex-Fußballer gesetzt: „Auf jeden Fall werde ich meinen persönlichen Streckenrekord aufstellen“, scherzt er. Das dürfte jedoch in jedem Fall gelingen. Schließlich ist es sein erster Halbmarathon.

Sarpei, der in Köln aufgewachsen ist, kommt für den Lauf extra nach Berlin. Seit Oktober bereitet er sich vor. Sein Training beschreibt er als „holprig“ und „in Teilen sehr schwierig“. Zweimal habe ihn die Grippe erfasst – zuletzt im Februar. Erst Anfang März habe er mit dem Laufen nach dreiwöchiger Pause wieder starten können. „Dann hat mir jemand die besten Laufschuhe empfohlen. Ich bin damit gelaufen und habe direkt Achillessehnenprobleme bekommen.“ Aufgeben sei aber nie eine Option gewesen. Wehwehchen habe es schließlich damals auch im Fußball gegeben. „Alles halb so wild.“

Allein in der ersten Bundesliga hat Sarpei für den VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und Schalke 04 insgesamt 190 Spiele bestritten. Hinzu kamen 36 Partien für die ghanaische Nationalmannschaft – zuletzt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. 90 Minuten auf dem Platz seien jedoch nicht mit den 21,0975 Kilometern Laufstrecke zu vergleichen, die ihn und die anderen 36.000 Teilnehmer am Sonntag erwarten. „Fußballer laufen heute während eines Spiels zwar auch 13 bis 14 Kilometer.“ Allerdings sei die Belastung eine ganz andere. „Die Muskulatur eines Fußballers ist es gewohnt, schnell für einen kurzen Zeitraum von oft wenigen Sekunden voll einsatzbereit zu sein, aber dann auch schnell wieder zu regenerieren.“ Kurze Sprints über häufig nur wenige Meter, zum Teil kombiniert mit Zweikämpfen und Sprüngen, würden von Erholungsphasen abgelöst, in denen man häufig nur geht. Beim Laufen müsse man aber kontinuierlich Leistung bringen und sich seine Kraft vor allem einteilen. „Ein Marathonläufer würde daher wohl kaum ein Fußballspiel überstehen.“

Dass er eines Tages Spaß am Laufsport haben würde, hätte sich Sarpei vor einigen Jahren wohl kaum vorstellen können. „Als Spieler habe ich mir immer gedacht: Boah, ist das langweilig. Wenn ich aufhöre, dann laufe ich nicht mehr.“ Allerdings habe er sich auch nach seiner aktiven Fußball-Karriere weiter sportlich betätigen wollen. Zunächst habe er es mit Golfen versucht. „Dafür ist es jedoch hierzulande mindestens sechs Monate im Jahr zu kalt.“ Auch das Tennisspielen habe er lieben gelernt. Das Problem sei jedoch, dass man dafür immer einen Partner braucht. So habe ihn die Suche nach einem Sport, den er unabhängig und allein betreiben kann, schließlich doch zum Laufen gebracht.

Sein großes Ziel ist ein ganzer Marathon

Begonnen habe er langsam: erst ein, dann zwei, dann sechs Kilometer im Tempo seiner Wahl. „Ich bin nur so gelaufen, wie ich Lust hatte. So habe ich Spaß daran bekommen.“ In den sozialen Medien habe er dann gesehen, dass Freunde und Bekannte Marathon laufen, und sich gefragt: „Warum sollte ich das nicht auch können?“ So habe er angefangen, nach und nach längere Strecken von mehr als zehn Kilometern zu absolvieren. Die Anstrengung wurde größer, der Spaß daran sei geblieben.

Großes Ziel seien die 42,195 Kilometer eines Marathons. An diesem Sonntag soll aber zunächst die halbe Distanz ausreichen. Ob Sarpei dann im Herbst auch den Berlin-Marathon laufen will, könne er jetzt noch nicht sagen. Das hänge am Ende auch vom Ergebnis des Halbmarathons ab und wie gut er es schaffe, sich weiter zu steigern.

Wie nur wenige andere Ex-Fußballer hat Hans Sarpei auch sechs Jahre nach seinem Karriereende zahlreiche Fans. Das mag auch daran liegen, dass er mit seinem Wechsel von Leverkusen zu Schalke in der Saison 2010/2011 zu einer Art Kultfigur wurde. Witze wie „Hans Sarpei kann seine eigenen Elfmeter halten“ oder „Hans Sarpei bringt Zwiebeln zum Weinen“ machten im Internet die Runde. Das griff er damals auf und ließ die besten Sprüche unter anderem auf T-Shirts drucken.

Dass Sarpei Humor hat, beweist er auch als Fernsehmoderator („Hans Sarpei: Das T steht für Coach“ oder „Ultimate Beastmaster“ an der Seite des Comedians Luke Mockridge). 2015 belegte er außerdem den ersten Platz bei der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“. Besonders in den sozialen Netzwerken ist der 41-Jährige aktiv. So will er am Sonntag auch seine rund 600.000 Facebook-Fans ständig auf dem Laufenden halten. „Die Leute werden viele Eindrücke bekommen, und wir versuchen, so oft wie möglich zu zeigen, wo ich bin und wie ich mich gerade fühle.“ Dazu läuft extra ein Kollege mit, der ihn immer wieder filmen und befragen soll.

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