Spiel gegen Dänemark

Wie Lars Bender seinen Siegtreffer erlebte

Lars Bender war nach seinem EM-Tor gegen Dänemark überglücklich, er heimste viel Lob ein. Sein Handy war kurz vor dem Explodieren.

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Es erweckte den Eindruck, als würde Lars Bender nach Halt suchen, als er Montagmittag im Medienzentrum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Danzig Platz genommen hatte. Er schaute mal nach links und mal nach rechts. Doch je länger Bender auf dem Podium saß, umso selbstbewusster wurde er. Am Ende meisterte er seinen ersten großen Auftritt vor der Weltpresse genauso gekonnt wie sein erstes Länderspiel von Beginn an am Abend zuvor.

Ja, Bender war verbal so cool wie in der 80. Minute im Spiel gegen Dänemark. Da hatte er, der den gesperrten Jerome Boateng vertrat, nach einem Sprint über 90 Meter auf der rechten Seite eine Flanke von Mesut Özil zum 2:1-Siegtreffer genutzt. Ob er nun Boateng etwas voraus habe, wurde Bender am Mittwoch gefragt? Er sollte Werbung in eigener Sache betreiben. Und Bender tat dies – kurz und knapp: „Na auf jeden Fall ein Tor“, antwortete er und lachte.

Es war das Lachen eines Siegers. Eines Spielers, den Bundestrainer Joachim Löw wie schon so viele andere in seiner Amtszeit aus dem Hut gezaubert hatte, eines Spielers, der in seinem Verein Bayer Leverkusen normalerweise im defensiven Mittelfeld agiert, aber für Deutschland erstmals hinten rechts in der Viererkette spielte. Bender erledigte seinen Job bis auf zwei kleine Stellungsfehler in der ersten Hälfte so gut, dass er sich vor Glückwünschen kaum retten konnte. „Mein Handy war kurz vor dem Explodieren. Ich konnte noch nicht allen zurückschreiben, die sich bei mir gemeldet haben“, sagte Bender. Er wolle das aber nachholen. Genauso wie seine Rede vor der Mannschaft. Denn die muss traditionell jeder Nationalspieler halten, der sein erstes Länderspieltor erzielt hat. Er wisse noch nicht, was er sagen werde. „Aber da wird mir schon was einfallen.

Zwillingsbruder Sven im Pech

Die Kollegen dürfen gespannt sein“, sagte Bender und berichtete von einer SMS seines Trainers bei Bayer, Sami Hyypiä. Der habe ihn für seine Leistung auf der für ihn ungewohnten Position gelobt und im Scherz geschrieben, dass er doch auch in Leverkusen künftig hinten rechts spielen könne: „Das habe ich sofort verneint und abgelehnt.“ Er spiele nur im Mittelfeld. Wenn Bedarf sei „auf rechts, dann müssen Sie einen verpflichten“.

In der deutschen Nationalelf aber ist er für diese Position nun eine echte Alternative. Schon in der Vorbereitung auf die EM hatte sich angedeutet, dass Bender eine wichtige Rolle in den Planungen des Bundestrainers spielt – im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder Sven. Auf den hält Joachim Löw zwar auch große Stücke. Doch der Dortmunder hatte in der Rückrunde aufgrund einer Verletzung kaum gespielt und wurde daher wieder aus dem Kader gestrichen. Sein Bruder Lars aber wusste in allen Trainingseinheiten zu überzeugen. Löw lobt dessen „Vielseitigkeit, das aggressive Zweikampfverhalten und die unglaubliche Power“.

Als die Spieler Mitte Mai im ersten Trainingslager auf Sardinien einen Ausdauertest absolvieren mussten, rannte Lars Bender alle Kollegen in Grund und Boden. Runde für Runde stiegen die Spieler aus. Am Ende konnte nur noch Marco Reus mithalten, ehe auch er keine Kraft mehr hatte. Das machte Eindruck beim Bundestrainer, der Bender in einem Vier-Augen-Gespräch dann auch darüber in Kenntnis setzte, dass er ihn hinten rechts am besten aufgehoben sieht. Ein Traum sei es gewesen, überhaupt bei der EM dabei zu sein. „Nun habe ich sogar von Anfang an gespielt und noch ein Tor geschossen – was Schöneres hätte mir nicht passieren können“, sagte Bender. Das Wichtigste für den Bundestrainer, ergänzte der 23-Jährige, sei die Erkenntnis, „dass er auf mich setzen kann“.

Facebook ist nicht seine Welt

Genau das habe ihm auch sein zwölf Minuten jüngerer Zwillingsbruder gesagt, mit dem er noch in der Nacht nach dem Sieg lange telefoniert hat. Was aber die deutschen Fans über ihn denken, kann Lars Bender nur erahnen. Im Gegensatz zu all seinen Kollegen, hat Bender weder eine eigene Homepage geschweige denn eine Seite bei Facebook, wo sich die Hummels, Podolskis und Lahms derzeit vor Feedback und Glückwünschen kaum retten können. Lars Bender ist das egal, „denn Facebook mag ich nicht“.

„Posten“ oder „Zwitschern“ per Twitter – nicht seine Welt. Seine Gefühle ins Internet zu posaunen, entspricht ebenso wenig dem Naturell des zurückhaltenden jungen Mannes wie seine Leistung zu überhöhen. „Dass mir der Ball vorne vor die Füße rollt, ist Schicksal. Ich musste ihn reinmachen, sonst hätte ich 80 Meter wieder zurücklaufen müssen“, sagte er mit einem Schmunzeln. Der DFB-Präsident sah das ein wenig anders. „Riesenrespekt, du hast hinten am eigenen Strafraum den Ball geholt, dann der Sprint über das ganze Feld, und in der entscheidenden Sekunde warst du da“, sagte Wolfgang Niersbach auf dem Rückflug von Lemberg nach Danzig vor versammelter Mannschaft. Bender denkt aber nicht daran, Ansprüche zu stellen: „Ich tue gut daran, kleine Brötchen zu backen. Das Team geht vor.“ Eine Aussage, die seine Chancen beim Bundestrainer ganz sicher nicht verkleinert hat.