Euro 2012

Deutschland zittert sich gegen Dänemark ins Viertelfinale

Drei Spiele, drei Siege: Nach dem 2:1 gegen Dänemark trifft die DFB-Elf nun auf Griechenland. Portugal schaltet Holland aus.

Dieser Sieg glänzt und funkelt nicht. Aber das 2:1 (1:1) gegen Dänemark könnte später einmal als Meilenstein gewertet werden. Hart erarbeitet war der Triumph, der die deutsche Mannschaft als Gruppensieger und verlustpunktfrei in das Viertelfinale einziehen lässt, wo sie am Freitag in Danzig auf Griechenland treffen wird. Ebenfalls im Achtelfinale steht Portugal (am Donnerstag gegen Tschechien) nach einem 2:1 (1:1) gegen Holland. Damit fahren die Oranjes, immerhin Vizeweltmeister von 2010, ohne Sieg und ohne Punkt bereits nach der Vorrunde heim.

Am Abend zuvor hatten die deutschen Spieler staunend vor dem Fernseher gesessen und zugeschaut, wie sich in Gruppe A die Favoriten aus Russland und Polen aus dem Turnier verabschiedeten. Die Überraschung und das Restrisiko, mit einer Niederlage gegen die Dänen bei einem zeitgleichen Sieg Portugals gegen die Niederlande trotz des Traumstarts noch das Viertelfinale zu verpassen, sollte die deutschen Sinne schärfen.

Ein Risiko ging Bundestrainer Joachim Löw jedenfalls nicht ein. Für den Gelb-gesperrten Jerome Boateng brachte er Lars Bender, ansonsten vertraute er jenen Spielern, die schon bei den beiden Siegen zuvor begonnen hatten. Das bedeutete auch, dass der deutsche Fußball einen neuen „Hunderter“ hat: Lukas Podolski absolvierte sein 100. Länderspiel, und es war schnell klar, dass es nicht sein schlechtestes werden würde. Mühte sich der Bald-Londoner in den ersten Partien noch, war er diesmal präsent und fleißig und hätte nach sechs Minuten beinahe das 1:0 vorgelegt. Doch seine Vorlage bekam Thomas Müller zwar auf das Tor, doch dort schaffte es Schlussmann Stephan Andersen es irgendwie, den Ball mit Bein, Arm und Glück abzuwehren.

Dänen stark in der Abwehr

Grund zum Jubeln hatten die dänischen Fans in der Anfangsphase nur einmal: Als in der 13. Minute vermeldet wurde, dass die Niederlande gegen Portugal in Führung gegangen war. Dänemark war kurzfristig im Viertelfinale, allerdings nur kurz. Dann brachte Müller den Ball von rechts nach innen, Mario Gomez touchierte ihn in Richtung Podolski. Und der machte, was er am besten kann: Mit Rechts und Vollspann mitten rein ins Glück. Das 1:0 war hochverdient. „Das Wichtigste war, dass wir weiter sind. Sicher war es für mich ein besonderes Spiel, auch das Tor“, sagte Podolski.

Dass die Dänen spielerisch wenig gegen den Nachbarn werden ausrichten können, war schnell klar. Doch sie haben im Sturm einen Hünen von 1,95 Metern Größe stehen, der sich selbst einmal als „bester Stürmer der Welt“ bezeichnet hat. Diese Einschätzung dürfte zwar etwa gewagt von Nicklas Bendtner gewesen sein, doch als Dänemark nach 24 Minuten die erste Ecke hatte, zeigte er zumindest, dass er zum erweiterten Kreis der Angriffselite zählt. Er setzte sich im Luftkampf fast problemlos gegen Lars Bender und Bastian Schweinsteiger durch und köpfte den Ball so wuchtig in die Mitte, dass sein Kollege Michael Krohn-Dehli nur noch den Kopf reinhalten brauchte – der Ausgleich.

Anschließend wurde deutlich, was dem deutschen Spiel derzeit noch abgeht. Zwar dominierten die Weißen auch weiter das Spiel. Doch gegen eine gut gestaffelte Defensive fällt es der Mannschaft von Bundestrainer Löw schwer, kreative Ideen zu entwickeln. Speziell Spielmacher Mesut Özil probierte nahezu jeden ihm bekannten Trick aus, doch meist vergebens. Und wenn dann etwas gelang, haperte es im Abschluss. Auch Mario Gomez blieb glücklos. Erst misslang ein Volleyschuss gänzlich (33.), dann legte er sich den Ball eine Nuance zu weit vor und wurde von Dänen-Torwart Andersen gestoppt (43.).

Gomez diesmal glücklos

Kaum hatte Löw seinen Spielern dies und ähnliches in der Kabine erläutert, wäre seine Mannschaft um ein Haar sogar in Rückstand geraten. In einem Anflug seltener Genialität arbeiteten die Dänen sich über links bis in den deutschen Strafraum vor. Dort visierte Jakob Poulsen freistehend die linke Ecke an, sein Schuss touchierte aber lediglich den Außenpfosten. Die deutschen Spieler wirkten zunehmend ratlos. Joachim Löw versuchte es mit Andre Schürrle für Podolski (64.), später mit Miroslav Klose für Gomez (74.).

Kaum war Klose auf dem Platz, machte eine Nachricht die Runde: Portugal war in Charkow in Führung gegangen. Das bedeutete, dass ein Tor der Dänen die deutsche Mannschaft aus dem Turnier katapultiert hätte. Für sechs Minuten hatte das deutsche Schicksal am seidenen Faden gehangen. Dann geschah etwas sehr Bemerkenswertes. Özil war links seinen Bewachern entwischt, hatte in der Mitte Klose gesehen und wollte ihm den Ball zupassen. Das Zuspiel geriet ein wenig ungenau, was in diesem Fall großes Glück war. Denn Lars Bender, der sein erstes Spiel von Beginn an machte, war mitgeeilt, bekam das Leder vor die Füße und schob so eiskalt ein, als ob er nicht sein neuntes, sondern auch das 100. Länderspiel absolvieren würde. „Es ist ein absoluter Freudentag für mich. Man hat gemerkt, wie wir aufs zweite Tor gespielt haben. Man hat auch gesehen, dass wir gut kontern können“, freute sich der Matchwinner.

Der junge Leverkusener bescherte seiner Mannschaft nicht nur ruhige Schlussminuten, sondern auch ein Heimspiel: Zum Viertelfinale kann die deutsche Equipe per Bus anreisen – das Danziger Stadion befindet sich nur wenige Kilometer vom Mannschaftsquartier entfernt.