EM 2012

Zwei Gomez-Tore sichern den Sieg über Oranje

Mit zwei Geniestreichen hat Mario Gomez für die deutsche Nationalelf das Tor zum EM-Viertelfinale weit aufgestoßen.

Am Ende hatte Joachim Löw wohl mindestens ebenso viele Kilometer zurückgelegt wie seine Profis. Immer wieder tigerte er in seiner Coachingzone auf und ab. So ganz traute er dem Spielstand nicht, doch es reichte am Mittwochabend für den zweiten deutschen Gruppensieg im zweiten Spiel dieser Europameisterschaft. 2:1 (2:0) bezwang die DFB-Auswahl die Niederlande. „Unglaublich, die Zeit verging am Ende einfach nicht. Aber mit einem Manuel Neuer im Tor, da kann man das schon etwas ruhiger beobachten. Es war sehr nervenaufreibend. Wir haben jetzt gegen zwei Klasse-Teams sechs Punkte geholt, was wollen wir mehr“, sagte der doppelte Torschütze Mario Gomez.

Es war ein unterhaltsamer, phasenweise auch äußerst ansprechender Vortrag, der nun folgende Konstellation mit sich bringt: Deutschland ist mit sechs Punkten noch nicht für das Viertelfinale qualifiziert. Ein Remis am Sonntag bei der letzten Partie in Lemberg gegen Dänemark würde dafür allerdings schon reichen.

Wie schon in den vergangenen Turnieren hielt Löw auch diesmal an seiner Startelf fest. Im Prinzip ging es sowieso nur um die Frage, ob er Mario Klose den Vorzug gegenüber Mario Gomez gibt. Dass Löw sich für Gomez entschied, zahlte sich aus. „Das Spiel war hart umkämpft und sehr intensiv“, ergänzte Löw: „Wir waren schon ein verdienter Sieger.“

Hummels im Vorwärtsgang stark

Die Niederländer durften sich nach der für sie so unerklärlichen Niederlage gegen Dänemark nicht noch einen Patzer erlauben. Und so begannen sie auch, sie erspielten sich gleich hochkarätige Möglichkeiten. Drei Mal war es Robin van Persie, der erneut den Vorzug vor Klaas-Jan Huntelaar erhielt, der die deutsche Abwehr vor einige Herausforderungen stellte. In der siebten Minute tauchte er frei vor Manuel Neuer auf. Der deutsche Keeper aber gewann dieses Duell. Nur vier Minuten später bediente ihn Arjen Robben, van Persies Schuss landete knapp neben dem Tor. In der 16. Minute verhinderte dann Jerome Boateng einen Rückstand, als er van Persie den Ball vom Fuß spitzeln konnte. Die ersten 20 Minuten gehörten den Niederländern. „Ich fand den Beginn nicht schlecht“, sagte Kapitän Mark van Bommel, „aber insgesamt war es nicht gut. Wir hatten uns das anders vorgestellt.“

Die deutsche Elf agierte zunächst äußerst bedächtig. In jener Phase war lediglich eine Aktion von Mesut Özil (8.) zu notieren, der von der Strafraumgrenze einfach abzog, der Ball prallte vom Pfosten in die Arme von Keeper Maarten Stekelenburg. Dementsprechend stellte das 1:0 in der 24. Minute die bisherigen Kräfteverhältnisse ein wenig auf den Kopf. Es war eine wunderschön herausgespielte Kombination: Mats Hummels leitete den Ball weiter zu Thomas Müller, der Bastian Schweinsteiger bediente. Und dann sah vieles so aus wie bei einem Trainingsspielchen des FC Bayern. Schweinsteiger brachte mit seinem schnörkellosen Pass auf Mario Gomez die komplette Defensive der Niederländer in Bedrängnis. Gomez, dem ja nicht wenige balltechnische Defizite nachsagen, genau jener Gomez drehte sich um die eigene Achse und schob locker zur Führung ein.

Nun entwickelte sich ein Spiel ganz nach den Vorstellungen von Löw, die DFB-Auswahl bestimmte das Geschehen und setzte die äußerst fragile niederländische Abwehr unter Druck. In der 32. Minute war es erneut Gomez, der nach einem Pass von Müller nur knapp scheiterte. In der 37. Minute bot sich dann Abwehrmann Holger Badstuber die Chance zum 2:0, als er nach einem Freistoß von Özil völlig frei im Fünfer zum Kopfball kommt, aber Stekelenburg war zur Stelle. Eine Minute später jedoch konnte auch er nichts mehr ausrichten. Erneut bediente Schweinsteiger Gomez mit einem Zuckerpass, der an Hollands wieder genesenen Innenverteidiger Joris Mathijsen schmucklos vorbeizog und aus zwölf Metern unhaltbar abzog und sich damit zum Mann des Spiels machte.

Huntelaar als Einwechsler

Auch nach der Pause bot sich ein ähnliches Bild. Zwar wechselte Trainer Bert van Marwijk mit Huntelaar für Ibrahim Afellay neues Offensivpersonal ein. Auch Mark van Bommel musste nach einer desolaten Leistung draußen bleiben, für ihn kam Rafael van der Vaart. Allein die nächste große Möglichkeit hatte erneut die DFB-Elf: Hummels hatte sich in die Vorwärtsbewegung eingeschaltet und versuchte es aus 18 Metern, Stekelenburg musste abprallen lassen, erneut landete der Ball vor Hummels, doch erneut war beim Oranje-Keeper Endstation (52.).

Und die Holländer? Sie versuchten es, aber es dauerte eine Weile, bis ihnen etwas einfiel. Zwei Mal war es Wesley Sneijder, der Wahnschüsse abgab. In der 69. Minute verzog er, in der 71. wehrte Boateng mit ganzem Körpereinsatz ab. Doch zwei Minuten später kassierte Neuer den ersten Gegentreffer des Turniers. Van Persie ließ den Dortmunder Mats Hummels mit einer simplen Körpertäuschung aussteigen und zog aus 16 Metern ab. Danach zeigte sich die deutsche Abwehr doch einige Male verunsichert, die Hitze von Charkow schien ihnen reichlich zu schaffen zu machen. Allein Zählbares sprang für die Holländer nicht mehr heraus. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht, dass wir verloren haben. Heute waren wir einfach nicht stark genug, wir haben nicht genug gezeigt“, bilanzierte ein sichtlich gefrusteter Bondscoach van Marwijk.