Warschau

Hooligans randalieren beim EM-Spiel Polen gegen Russland

Mehrere Verletzte und über 130 Festnahmen: Schwere Ausschreitungen haben das EM-Vorrundenspiel zwischen Polen und Russland überschattet.

Vor dem EM-Fußballspiel zwischen Polen und Russland am Dienstagabend in Warschau hat es in der polnischen Hauptstadt schwere Krawalle gegeben. Die Polizei ging mit Tränengas, Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen Fußballfans vor und nahm nach eigenen Angaben rund 130 Hooligans fest. Sieben Polen, zwei Russen und ein Deutscher wurden bei den Ausschreitungen leicht verletzt, wie ein Krankenhaus mitteilte.

Innenminister Jacek Cichocki sagte, das Fußballspiel habe Warschau vor „das bislang größte Sicherheitsproblem“ gestellt. Angesichts der historisch belasteten Beziehungen beider Länder und der dadurch aufgeheizten Stimmung war die Polizei mit rund 6000 Beamten im Einsatz. Die polnischen Zeitungen hatten das Spiel im Vorfeld mit historischen Anspielungen und militärischer Sprache kommentiert.

Den Krawallen war ein Marsch russischer Fans durch das Stadtzentrum der polnischen Hauptstadt vorausgegangen. Die von Polizisten flankierten russischen Fans riefen „Wir sind gekommen, um zu gewinnen“ und „Russland, Russland“, als sie zum Stadion marschierten. Viele schwenkten weiß-blau-rote Russland-Flaggen – am Dienstag war zugleich russischer Nationalfeiertag.

Trotz eines massiven Polizeiaufgebotes versuchten polnische Hooligans wiederholt, die Russen zu provozieren und anzugreifen. Steine flogen, Feuerwerkskörper wurden gezündet. Auch aus dem russischen Block suchten Hooligans die Auseinandersetzung mit den Polen.

Provozierende Plakate

Auch eine Gruppe älterer Polen demonstrierte gegen Russland. „Russland hat den polnischen Präsidenten ermordet“ hieß es auf einem Plakat in Anspielung auf den Flugzeugabsturz des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski beim Anflug auf das russische Smolensk. „Stoppt Putin und den KGB“, hieß es auf einem anderen Plakat, das ein Mann dem russischen Fanblock entgegenstreckte. Als russische Fans während der Nationalhymnen vor dem Anpfiff eine riesige Flagge mit einer martialischen Figur mit einem Schwert und der Aufschrift „This is Russia“ enthüllten, gellten Pfiffe durch das Stadion.

Der polnische Innenminister Jacek Cichocki hatte den Polizeieinsatz vor dem politisch wie sportlich brisanten Spiel als bisher größte Herausforderung für die Sicherheitskräfte bei der EM bezeichnet.

Am Stadion warfen dutzende Polen Böller auf die Russen und riefen feindliche Parolen. Daraufhin warfen einige Russen Flaschen auf Polen. Die Polizei hatte die Lage jedoch schnell unter Kontrolle. Sei setzte Wasserwerfer, Tränengas, Hunde und Gummigeschosse ein, um die polnischen Hooligans auseinanderzutreiben und die beiden Lager zu trennen.

Nach polnischen Angaben hielten sich rund 12.000 russische Fans im Warschauer Stadion und auf den Fanmeilen der Stadt auf. 9800 Russen und 29.300 Polen hatten laut Polizei Eintrittskarten für das EM-Vorrundenspiel.

Auch nach dem 1:1-Unentschieden gingen die Auseinandersetzungen weiter. Noch nach Mitternacht versammelten sich an mehreren Stellen der Innenstadt Hooligans, die die Auseinandersetzung mit Fans des jeweils anderen Landes suchten.