Nach EM-Auftakt

Mehmet Scholl wettert gegen Torschützen Mario Gomez

Wenig schmeichelhafte Worte fand der ARD-Experte für den Torschützen nach der EM-Partie und erstaunte damit nicht nur seinen Co-Moderator.

Entweder konnte Reinhold Beckmann nicht glauben, was er da hörte - oder er wollte es nicht. Seit den frühen Jahren von Delling und Netzer sind die TV-Experten-Pärchen nach Länderspielen zunehmend zu Floskel-Austausch-Duetten geworden (Moderator: Hätte nicht ?, Experte: Ja genau! – Moderator: War nicht?, Experte: Unbedingt!). Hauptsache, die Kulisse stimmt.

Samstagnacht aber tat sich nach der EM-Partie zwischen Deutschland und Portugal in der ARD Bemerkenswertes. Statt, wie sonst üblich den Siegtorschützen über den Klee zu loben, zog Experte Mehmet Scholl ein Mario-Gomez-Bashing ab, dass man seinen Ohren nicht traute.

„Ich hab schon Angst gehabt, dass er sich wundgelegen hat und gewendet werden muss“, sagte also Scholl zum Bewegungsradius des Bayern-Stürmers. Der könnte viel besser sein, wenn er mehr für das Team arbeitete. Er will wohl nicht und die Leistung wäre ganz furchtbar, unterirdisch und so was von mies gewesen, hätte er das Tor nicht geköpft. Und so weiter, und so fort. Was, bitte war in Scholl gefahren?

Wir wissen nichts über das private Verhältnis der Herren Scholl und Gomez – wir ahnen nur, wie es in Zukunft sein wird. Und wir staunen, dass hier ein Experte mal seine Rolle ernst nimmt und Kritik dort anbringt, wo man sie schon längst nicht mehr gewohnt ist. Gegen den Usus, Torschützen zu Helden hinauf zu jubeln.

„Aber, er hat doch das Tor gemacht“, sagte also Beckmann. Positiv bleiben. Es gibt schließlich eine gemeinsame Mission. EM. Aber wer sagt das jetzt dem Scholl?