Bundesliga-Topspiel

Leipzig oder Bayern – wer hat den besseren Torjäger?

Im Topspiel der Bundesliga zwischen RB Leipzig und Bayern München kommt es auch zum Duell der besten Torjäger in dieser Saison.

Das Duell zwischen Leipzig und den Bayern ist auch das Duell der Torjäger Timo Werner (r.) und Robert Lewandowski.

Das Duell zwischen Leipzig und den Bayern ist auch das Duell der Torjäger Timo Werner (r.) und Robert Lewandowski.

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

München. Als Ende Juni der Bundesliga-Spielplan für die neue Saison veröffentlicht wurde, stach eine Partie sofort ins Auge, weil sie schon für den vierten Spieltag angesetzt wurde: RB Leipzig gegen den FC Bayern, der Dritte des Vorjahres gegen den Meister, die Neuauflage des Pokalendspiels.

Und viele Experten waren sich sicher: Für Timo Werner dürfte die Rückkehr zu seinem Ex-Verein ein ganz spezieller, eher ungemütlicher Termin werden – im frisch angepassten Bayern-Trikot an der Seite von Mittelstürmer Robert Lewandowski. Angereist als neues Münchner Traumduo.

Es kam anders. Der 23-Jährige hat sich nach langem Überlegen und mehrfach verstrichenen Deadlines doch für eine Zukunft in Leipzig entschieden, zumindest mittelfristig bis 2023. Bayern? Aufgeschoben, nicht aufgehoben. Am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) sind sie also doch wieder Gegner, das direkte Aufeinandertreffen ist der Hingucker des Spieltages. Hier der Bulle, dort der Bayer. Hier Werner mit schon fünf Bundesliga-Treffern nach drei Partien, dort Lewandowski (31), stolzer Besitzer von vier Torjägerkanonen, mit sechs Toren. Was für Quoten!

Nur Mbappé und Messi trafen öfter als Lewandowski

Sie sind die Punktebringer ihrer Vereine und die Ballermänner des Landes. Während Werner vor zwei Wochen bei Leipzigs 3:1 bei Borussia Mönchengladbach seine Dreierpack-Premiere als Profi feierte, erzielte Lewandowski beim 3:0 der Bayern beim FC Schalke alle drei Treffer – sein neunter (!) Dreierpack.

Beim nächsten muss sich sein Chef Karl-Heinz Rummenigge, Bayerns Vorstandsboss, verneigen, denn dann hat ihn der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft in dieser Wertung überholt. Auch wenn beide Torjäger in den EM-Qualifikationsspielen leer ausgingen, beeindrucken ihre Zahlen: In den europäischen Topligen trafen im aktuellen Kalenderjahr lediglich Kylian Mbappé (Paris Saint-Germain) und Lionel Messi (FC Barcelona) mit je 21 Treffern häufiger als Lewandowski, der 18 Mal erfolgreich war.

Und Werner? Statistiker haben einen Wert ausfindig machen können, bei dem er tatsächlich vor dem Bayern-Profi rangiert: In den vergangenen elf Bundesliga-Spielen gelangen ihm 15 Scorerpunkte, zehn Tore und fünf Vorlagen – Spitze.

Bundestrainer Löw stärkt Werner den Rücken

Doch warum entschied sich Werner für Leipzig? Erstens, weil die Bayern doch kein konkretes Angebot vorlegten, man hatte sich auf Leroy Sané von Manchester City versteift – wurde dann ja auch nichts durch den Kreuzbandriss des Außenstürmers. Schließlich öffnete sich die Tür für eine Leihe von Barcelonas Philippe Coutinho. Für die Wende bei Werner sorgte unter anderem auch ein Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw.

„Er hat mir auch gesagt: Egal, wie ich mich entscheiden werde, es sei kein Rückschritt, in Leipzig zu verlängern“, sagte Werner der „Sport Bild“. Trotz einiger Anfragen sah der Nationalstürmer die Zeit noch nicht gekommen, ins Ausland zu wechseln.

Wenn, dann Bayern. Das war seine Priorität, sein Plan A. Spätestens im Sommer 2020 nach Ablauf des Vertrages und daher dann ablösefrei. Oder eben – und deshalb machten die Leipziger Verantwortlichen Druck – diesen Sommer mit einer Ablöse von bis zu 40 Millionen Euro oder mehr.

Nagelsmann will Werner besser machen

Der andere Faktor im Prozess des Umdenkens heißt Julian Nagelsmann. Dessen fachliche Analyse überzeugte Werner. „Es geht darum, ihn immer weiterzuentwickeln“, sagte Nagelsmann im ZDF, „ein paar Dinge, die immer noch besser werden können.“

Ein Beispiel: „Er hat immer noch Phasen im Spiel, in denen er zu wenig Aktionen hat.“ Werner habe im Training in Leipzig „sehr befreit gewirkt“, berichtete der neue RB-Coach am Donnerstag. Er hofft: „Timo wird ein sehr wichtiger Faktor sein. Er wird in der Lage sein, Bayern am Sonnabend sehr, sehr weh zu tun.“ Dann könnten die verlustpunktfreien Leipziger ihren „Run“ (Nagelsmann) ausbauen und ein Fünf-Punkte-Polster auf Bayern schaffen.

Mit Hilfe von Knipser Werner. „Es müssen auch zwei, drei Chancen reichen, um ein Tor zu schießen. Diese Effizienz wird gegen Bayern gefragt sein“, so Nagelsmann, „da kann Einzelqualität immer entscheidend sein.“

Lewandowski noch vor Werner

Sich selbst sieht Werner noch eine Stufe unter Lewandowski, dem besten ausländischen Torschützen der Bundesliga (208 Treffer). „Ich bin noch nicht Weltklasse, nein. Für mich ist er das definitiv. Ich arbeite daran, irgendwann auch auf dieses Level zu kommen“, sagte Werner, der in seiner Karriere auf 68 Ligatreffer kommt. Sein Pfund: Die Jugend.

Er ist der jüngste Spieler der Geschichte, der die Marke von 100 und 150 Bundesliga-Spielen erreichte. Und wer weiß? Irgendwann wird er doch das Bayern-Trikot tragen.