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Jetzt will Jürgen Klopp auch den englischen Meistertitel

Neue Rekordausgaben, ein veränderter Modus und reichlich Konkurrenz: Für den Liverpool-Coach startet am Freitag der Kampf um den Titel.

Mit vollem Körpereinsatz dabei: Jürgen Klopp hofft mit dem FC Liverpool auf eine ähnlich erfolgreiche Saison wie die vergangene.

Mit vollem Körpereinsatz dabei: Jürgen Klopp hofft mit dem FC Liverpool auf eine ähnlich erfolgreiche Saison wie die vergangene.

Foto: Owen Humphreys / dpa

Berlin.. Noch einmal die Schulbank zu drücken? Das kam für Jürgen Klopp nun wirklich nicht infrage. Der 52-Jährige setzte sich am Anfang seiner Zeit in England lieber vor den Fernseher statt in einen Sprachkurs. Und lernte mit der amerikanischen Fernsehserie „Friends“ Englisch. Weil „die Dialoge so schön einfach sind“, wie der Trainer des FC Liverpool in einem Podcast des englischen Radiosenders BBC verriet.

Die Kloppsche Sprach-Lern-Methode war ganz offensichtlich von Erfolg gekrönt. Zumindest verstehen seine Spieler ihren deutschen Coach so gut, dass sie seine Anweisungen im Mai zum Champions-League-Sieg ummünzen konnten. Und auch in dieser Saison, die für Klopp und seine „Reds“ am Freitag (21 Uhr, Sky) in der Premier League mit dem Duell gegen Aufsteiger Norwich City beginnt, dürften Verständigungsschwierigkeiten nicht das Problem von Liverpool sein.

Konkurrent City gibt über 130 Millionen Euro aus

Das ist eher Manchester City. Der Meister und Pokalsieger der vergangenen Spielzeit steht auch in der neuen Saison wieder zwischen Liverpool und dem ersten Meistertitel seit 1990. Auch wenn sich Klopp sicher ist, dass „sechs Teams im Rennen“ um den Titel sind, die „Citizens“ mit Ex-Bayern-Coach Pep Guardiola (48) sind Klopps größter Konkurrent. „Sie sind der Favorit – da können wir es nicht sein“, sagte Klopp, der sich in der vergangenen Saison mit einem Punkt Rückstand geschlagen geben musste.

Nun hat sich der Titelverteidiger vor allem in der Defensive verstärkt. Mittelfeldspieler Rodri kam für die Vereins-Rekordsumme von 70 Millionen Euro von Atlético Madrid, Außenverteidiger Joao Cancelo zog es dank 65 Millionen von Turin auf die Insel. Und Liverpool? „Wir haben letzte Saison in die Mannschaft investiert“, sagte Klopp. „Wir haben die Mannschaft, jetzt lasst uns mit der Mannschaft arbeiten.“

United holt teuersten Verteidiger aller Zeiten

Eine Mannschaft, die – genau wie Manchester City – einen Wert von über einer Milliarde Euro hat. Die Summen, mit denen in diesem Transfersommer in England jongliert wird, sind zwar nicht ganz so exorbitant wie in der vergangenen Saison (am Ende hatte man 1,6 Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben, in diesem Jahr sind es kurz vor Ende des Wechselfrist am Donnerstagabend 1,3 Mrd. – im Vergleich: die Bundesliga investierte gerade mal halb so viel). Trotzdem hatten einige Klubs Rekordeinkäufe zu verzeichnen. Um die Lücke zu den großen zwei Klubs irgendwie doch ein wenig zu schließen.

Der FC Arsenal zum Beispiel. Der Klub um Ex-Nationalspieler Mesut Özil gab für Nicolas Pépé 78 Millionen Euro aus, um den Stürmer vom OSC Lille loszueisen. So viel hatte der englische Meister von 2004 zuvor noch nie für einen Spieler ausgegeben. Dank Manchester United durfte sich auch Leicester City über gehörigen Zuwachs in der Vereinskasse freuen. Der Rekordmeister und Stadtrivale von City sicherte sich für 88 Millionen Euro die Dienste von Innenverteidiger Harry Maguire (26). Der englische Nationalspieler ist damit der teuerste Verteidiger der Fußball-Geschichte.

Erstmals hat England eine Winterpause

Superlative, die zeigen, dass der Kampf um die englische Meisterschaft nicht erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Liverpool und City werden soll. Die anderen wollen mitmischen. Arsenal, Manchester United, aber auch der FC Chelsea mit Vereinsikone Frank Lampard auf der Trainerbank oder Champions-League-Finalist Tottenham Hotspur (investierte 58 Millionen Euro in Lyons Mittelfeldmann Tanguy Ndombele).

Einfluss auf die Titelvergabe wird auch die Winterpause haben. Ja, richtig gelesen. Winterpause. Hat die Premier League bisher gnadenlos durchgespielt, wird es nun im Februar eine zweiwöchige Unterbrechung geben. Das wird vor allem Klopp gefallen. Der Liverpool-Coach beschwerte sich vor dem Liga-Start, dass sein Team die kürzeste Pause hatte. „Unser letztes Spiel gegen die Spurs (das Champions-League-Finale) war drei Wochen, nachdem alle anderen ihr letztes Spiel hatten“, schimpfte Klopp, „und jetzt bestreiten wir das erste Spiel. Wer kommt auf so eine Idee? Das ist doch verrückt.“

Seit zweieinhalb Jahren kein Heimspiel verloren

Immerhin ist es ein Heimspiel. Und ein solches hat Liverpool seit zweieinhalb Jahren nicht mehr verloren. Das Auftaktmatch gegen Absteiger Norwich mit Trainer Daniel Farke wird aber trotzdem kein Selbstläufer. „Das erste Spiel der Saison ist immer schwierig, Norwich hat einen klaren Plan und unseren Respekt verdient“, sagte Klopp. Farkes Plan mit Norwich: Der Klassenhalt. „Wir sind Favorit auf Platz 20“, sagte der deutsche Coach, der von 2015 bis 2017 die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund trainierte. „Aber gehen Sie davon aus, dass wir alles daransetzen werden, eine gute Rolle zu spielen. Wir wollen rebellisch sein.“ Rebellisch also – damit kennt Jürgen Klopp sich ja ganz gut aus.