Es sind nur rund 80 Kilometer, die Venlo und Gelsenkirchen trennen. Deswegen ist Manuel Neuer früher häufiger mal in die Niederlande gefahren, hat dort mit der Jugend des FC Schalke gespielt, ist als Torhüter den Bällen hinterher gehechtet. Ehe er sich auf den Weg machte, eine Karriere zu beginnen, die eine große werden sollte – und noch ist.
Nun, viele Jahre später, sitzt Neuer wieder in Venlo. Immer noch als Nummer eins im deutschen Tor. Immer noch als Kapitän der Nationalelf und des FC Bayern. 33 Jahre alt ist er jetzt. Er hat fast jeden Pokal der Welt in die Luft gehievt. Es gab Zeiten, da schienen selbst die besten Stürmer vor ihm ängstlich zu erstarren.
Und doch muss Neuer nun während des Kurz-Trainingslagers der DFB-Elf auch darüber sprechen, ob er denn den Atem seiner Konkurrenten spüre. Weil er, die Institution im Tor, eben längst nicht mehr als unantastbar gilt.
Nicht nur ter Stegen lauert auf den Stammplatz
Vor allem Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona arbeitet daran, Manuel Neuer zu verdrängen. Bei den kommenden beiden EM-Qualifikationsspielen in Weißrussland (8. Juni) und gegen Estland in Mainz (11. Juni) kann dieser zwar aufgrund einer Knieverletzung nicht dabei sein, ansonsten aber wurden auch ihm deutlich mehr Einsatzminuten versprochen. Der Kampf um die Nummer eins soll bis zur EM 2020 offen bleiben, hat Bundestrainer Joachim Löw verkündet. Öffentlich.
Intern stehe ein Gespräch aber noch aus, räumt Neuer ein. Das solle folgen, wenn sich Löw wieder von seiner Arterienquetschung erholt habe. Generell wolle er natürlich immer spielen, der Torhüter stellt aber auch klar: „Ich spüre keinen heißen Atem.“ Die Entscheidung träfen nun mal die Verantwortlichen. Und überhaupt: „Man sollte nicht immer über uns beide sprechen. Wir haben viele gute Torleute.“
Mit Nübel und Müller stehen zwei Nachwuchskeeper bereit
Kevin Trapp etwa, der in Venlo dabei ist. Auch Sven Ulreich, der als Ersatztorhüter des FC Bayern erstmals nominiert wurde, weil Bernd Leno aufgrund einer Bänderverletzung im Daumen schon den Urlaub genießt. Dann wären da für die Zukunft noch die U21-Torhüter Alexander Nübel und Florian Müller. Die beide beweisen, dass sich der deutsche Fußball immer noch nicht über einen Mangel an Talenten für die Nummer eins beklagen muss.
Zuletzt hätten allerdings viele ausländische Schlussmänner die Plätze in der Bundesliga blockiert, bemängelt Andreas Köpke. „Deswegen bin ich froh, dass junge deutsche Torhüter jetzt wieder Spielpraxis auf höchstem Niveau bekommen“, ergänzt der Torwarttrainer der Nationalmannschaft. So wie Nübel und Müller. „Wir haben mit den beiden zwei, die wirklich eine Perspektive haben“, erklärt Köpke. „Wir werden sie weiter beobachten.“
Erstmal solle aber weiterhin vor allem Manuel Neuer Gegentore verhindern. „Er ist unser Mannschaftskapitän. Ich bin froh, dass er nach seiner Verletzung so stark zurückgekommen ist.“
Im Pokalfinale lässt Neuer die Bayern jubeln
Dass Manuel Neuer immer noch in der Lage ist, große Spiele mitzuentscheiden, bewies er im Pokalfinale. Da rettete er die Bayern gegen RB Leipzig mehrfach, ebnete so den Weg zum 3:0-Erfolg. Was umso bemerkenswerter war, weil ihn zuvor während der Saison immer wieder Verletzungen schwächten. Schon das WM-Debakel 2018 hätte er fast wegen eines Mittelfußbruchs verpasst.
„Ich habe jetzt aber gut trainiert, ich kann alles mitmachen“, sagt Neuer. Deswegen freue er sich auf die beiden kommenden Spiele. Und die weiteren, die folgen sollen. Denn: „Grundsätzlich liebe ich meinen Beruf. Ich möchte so lange spielen, wie es funktioniert“, meint der Torhüter. Der Weg, der in Gelsenkirchen begonnen hat, ist also nicht am Ende. „Ich fühle mich sehr gut. Deswegen mache ich erstmal weiter.“


