Fußball

Berliner Pokal-Endspiel: Das Finale der Frühaufsteher

Berlins Pokal-Endspiel beginnt um 10.30 Uhr. Ungewöhnlich für die Spieler, doch TeBe und Viktoria sind Kummer gewohnt diese Saison.

Viktorias Pascal Maiwald (l.) spitzelt den Ball vor Leipzigs Pascal Pannier weg.

Viktorias Pascal Maiwald (l.) spitzelt den Ball vor Leipzigs Pascal Pannier weg.

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Jan Kaefer / picture alliance / Beautiful Sports

Berlin. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Und ein Fußballspiel um 10.30 Uhr ist definitiv etwas ziemlich Ungewöhnliches. „Irgendwann in der Jugend habe ich zuletzt so früh auf dem Platz gestanden“, sagt Stephan Flauder. Seine Jugend liegt, mit Verlaub, recht weit in der Vergangenheit. Der Torwart von Viktoria 1889 wird nächste Woche 33 Jahre alt, aber er darf sich am Sonnabend im Berliner Pokalfinale noch einmal wie ein Nachwuchskicker fühlen. Deswegen haben sein Team und auch das von Tennis Borussia, dem Gegner, die Woche über viel früher trainiert als gewohnt. „Damit die Jungs nicht noch schlafen, wenn der Anpfiff ertönt“, wie Dennis Kutrieb, der TeBe-Coach, erklärt.

Anstoß zum Berliner Pokalfinale schon am Vormittag

Pokal-Happen zum zweiten Frühstück also. Dafür aber nicht nur im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, sondern eben auch live im Ersten. Pokaltag der Amateure nennt sich das und soll ein republikweites Fußballfest sein. Allerdings mit unbequemen Begleitumständen für den einen oder anderen. „Wir haben in der Tat eine sehr frühe Konferenz“, sagt Kevin Langner, Geschäftsführer des Berliner Fußball-Verbandes (BFV).

Auch in Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wird vormittags angestoßen. 15 andere Endspiele beginnen um 14.15 Uhr oder 16.15 Uhr. Weil zwischendurch noch die Formel E aus Berlin übertragen wird in der ARD, müssen die Berliner halt auch zeitig zum Fußball. Und weil die Wege in der Stadt kurz sind und alles es daher bequem zum Anpfiff schaffen können. „Es gibt eine Absprache, dass es eine einmalige Sache sein soll“, so Langner. Nächstes Jahr können alle wieder ausschlafen.

Heikles Problem bei TeBe mit den Fans

Bloß gut, denn der Resonanz vor Ort dürfte die Jugend-Anstoßzeit kaum guttun. „Die Zuschauerzahl ist die große Unbekannte, die wir schwer einschätzen können“, sagt der BFV-Geschäftsführer. Was aber ehrlicherweise nicht nur dem TV-Kompromiss geschuldet ist. Viktorias Fanbasis ist überschaubar. TeBe verfügt über einen stattlichen Anhang, aber der geht zu einem guten Teil nicht mehr zu den Spielen des Klubs Gut 1500 Leute werden daher erwartet zum Finale.

Nicolai Matt, Kapitän von TeBe, findet es schade, dass „wir bei so einem großen Spiel nicht die Unterstützung haben, die der Verein eigentlich bieten könnte“. Der aktive Anhang des Klubs ist bekannt für seine Werte wie Toleranz und den Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie. Und dafür, dies auch zu vertreten. In einer demokratischen Klubkultur.

Hinter beiden Klubs liegen schwere Spielzeiten

Was nach Ansicht der Fans nicht mehr gegeben ist unter der neuen Klubführung, die TeBe in die Regionalliga führen und dort etablieren will. Daraus entstand die „Caravan of Love“, die Fans erfreuten sich auf anderen Plätzen am Fußball. Die Karawane feiert nun am Sonnabend sogar ihr „Finale of Love“, sie organisiert ein Spiel eines TeBe-Allstar-Teams gegen eine Auswahl anderer Klubs (12 Uhr, Werner-Seelenbinder-Sportpark) – als Alternativprogramm zum Pokalfinale, und bewirbt das sogar in der U-Bahn.

Auch sportlich musste TeBe leiden, verpasste den angepeilten Aufstieg knapp als Zweiter. „Für einen Oberligisten haben wir einen enormen Aufwand betrieben“, so Matt, für den der Willen, „die Saison krönend abzuschließen“, nun nicht größer sein könnte. Doch Viktoria spielt eine Liga höher, dort, wo TeBe hinwollte. Und auch der Regionalligist musste viel durchmachen: Insolvenz, neun Punkte Abzug. Hier könnte der Pokalsieg und der damit verbundene Einzug in die ersten Runde des DFB-Pokals ebenso einiges an Schmerzen lindern. „Wir werden alles dafür tun, dieses Finale für uns zu entscheiden“, sagt Trainer Alexander Arsovic. Am Sonnabend bedeutet das, als erstes den Bio-Rhythmus des Teams noch einmal auf die Jugendzeit einzustellen.