Joshia Kimmich

„Natürlich hoffen wir, dass Dortmund jetzt nervös wird“

Der FC Bayern München verzichtet auf Kampfansagen – wegen eigener Abwehrsorgen.

Die Bayern (rot) sind oft zu leicht zu überwinden.

Die Bayern (rot) sind oft zu leicht zu überwinden.

Foto: Adam Pretty / Bongarts/Getty Images

München.  Mit einem Fanschal in der Hand und einem Lächeln im Gesicht verließ Uli Hoeneß beseelt die Allianz Arena. „Das war ein schönes Wochenende für uns“, sagte der Präsident von Bayern München auf seinem Weg zum Auto noch kurz. Serge Gnabry sprach gar von einer „super Woche für den FC Bayern“. Das 3:1 gegen Schalke versetzte die Münchener in einen Zustand der Zufriedenheit. Nur, ließe sich fast sagen, denn Angriffslust wäre auch eine Option gewesen nach dem Dortmunder 3:3 gegen Hoffenheim und nur noch fünf Zählern Rückstand auf Platz eins.

„Dortmund weiß, dass sie Druck haben von uns“, sagte Aushilfskapitän Robert Lewandowski. Die Tendenz bei den Westfalen und bei den Bayern ist gerade gegenläufig, die Münchener wittern die Chance, das Rennen um die Meisterschaft in der Bundesliga wieder richtig spannend zu gestalten. „Ich hoffe natürlich, dass Dortmund nervös wird und die Flatter bekommt“, sagte Nationalspieler Joshua Kimmich.

Auf unverblümte Kampfansagen, so wie man sie von den Bayern kennt, verzichteten aber die Spieler ebenso wie Klubchef Hoeneß. Denn trotz der Erfolge in Liga und zuvor im Pokal beim 3:2 n.V. bei Hertha BSC wissen die Münchener, dass jenseits der Ergebnisse ein paar Probleme immer wieder zum Vorschein kommen. Vielleicht ist es dieser fragile Aspekt des Erfolgs, der Sportdirektor Hasan Salihamidzic dazu veranlasste, sich zu sehr auf die Kritik von TV-Experte Dietmar Hamann einzulassen. Der hatte Lewandowski als störenden Einzelgänger bezeichnet. Als „Kampagne“ bezeichnete Salihamidzic die Polemik und agierte dabei doch ähnlich unsouverän wie seine Mannschaft zuletzt in manchen Momenten in der Defensive.

Diese Schwäche, die in gut einer Woche beim ersten Duell mit Liverpool im Hinspiel des Achtelfinales der Champions League tragische Ausmaße annehmen kann, ist allen bewusst. „Mein Bart wird immer grauer. Wir erklären und predigen es im Training immer wieder“, sagte Trainer Niko Kovac angesichts der oft dilettantischen Fehler im Abwehrverhalten leicht konsterniert. Auch Kimmich war genervt. „Das zieht sich durch die ganze Saison. Wir schenken zu viel her und lassen den Gegner zu Torchancen kommen, ohne dass er richtig im Spiel ist“, moserte der Verteidiger.

Zumal es noch nicht gegen Starstürmer wie Mohamed Salah oder Roberto Firmino ging, sondern gegen den erst 18-jährigen Ahmed Kutucu. Doch der junge Schalker hatte bei seinem Ausgleich aus dem Nichts (25.) leichtes Spiel, da die Bayern-Abwehr einmal mehr zu weit aufgerückt war und stümperhaft verteidigte. Da müsse man eben „auch mal ein taktisches Foul ziehen, wenn man den Ball nicht erobern kann“, schimpfte Kovac, der davon unbeirrt sein Team bereits auf Liverpool einstellt, erneut den in der Champions League gesperrten Thomas Müller draußen ließ und stattdessen James Rodriguez einsetzte. „Wir müssen kompakter stehen und daran arbeiten, die Fehler einzustellen“, sagte deshalb David Alaba – ein Satz, der sich seit Wochen wiederholt.