Dortmund

Bei Dortmund beginnt das Problem im Kopf

Borussia Dortmund erlebt die erste Durststrecke der Saison und muss schnell lernen, damit umzugehen.

ortmund verspielt den sicheren Sieg gegen Hoffenheim und kassiert hier das 3:3.

ortmund verspielt den sicheren Sieg gegen Hoffenheim und kassiert hier das 3:3.

Foto: Ina Fassbender / dpa

Dortmund.  Dass Borussia Dortmund in dieser Woche Großes bevorsteht, deutete sich am Sonntag auf dem Trainingsgelände an. Dort tummelten sich die Spieler, die beim dramatischen 3:3 (2:0) gegen die TSG Hoffenheim eine Nacht zuvor keine oder nur wenige Einsatzminuten gesammelt hatten. Der Wind pfiff, der Regen durchnässte die Kleidung, aber auf dem Rasen rollten nicht irgendwelche gewöhnlichen Bälle, sondern rot-weiße mit Sternen drauf: Champions-League-Spielbälle.

Am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) gastiert der BVB bei Tottenham Hotspur, Tabellendritter der englischen Premier League, gespielt wird das erste Achtelfinalduell der Königsklasse. Ein Höhepunkt. Doch am Sonntag passte eher der Regen zur Stimmungslage der Borussia, weil die Partie am Tag zuvor ein so enttäuschendes Ende genommen hatte.

Reus fehlt auch am Mittwoch gegen Tottenham Hutspur

Mit 3:0 führten die Dortmunder. Die Fans feierten, der Erfolg schien sicher. Doch dann traf 1899 dreimal. Der BVB ist dabei, sein Selbstverständnis zu verlieren, eine Partie irgendwie immer für sich entscheiden zu können. Das Unentschieden gegen Hoffenheim war das dritte Pflichtspiel nacheinander ohne Sieg. Der FC Bayern ist auf fünf Punkte an den Tabellenführer herangerobbt. Sieben Gegentore kassierte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre in den vergangenen drei Partien, drei davon nach Standardsituationen.

Ein Zwischentief. Was die Frage aufwirft, ob sich der Rückschlag in den Köpfen der Profis festsetzt. „Wir machen uns keine Sorgen“, entgegnet Sportdirektor Michael Zorc. „Das Problem war, dass wir nicht mehr konsequent genug verteidigt haben. Ich brauche am Ende kein Spektakel. Es geht darum, das Ding sauber zu Ende zu verteidigen.“ Zorc fordert: „Wir müssen wieder ein größeres Augenmerk auf konsequentes Wegverteidigen legen.“

So lässt sich das wilde Auf und Ab gegen Hoffenheim vor allem am Wirken von Jadon Sancho nacherzählen. Der 18-jährige Engländer schwebte in der ersten Halbzeit über den Platz, dribbelte, trickste. Die Führung erzielte er nach einem feinen Doppelpass mit Lukasz Piszczek. Das 2:0 bereitete er vor, weil sein Schuss von Torhüter Oliver Baumann genau vor die Füße des Nutznießers Mario Götze abgewehrt wurde. Das 3:0 leitete der Engländer durch einen Hackentrick ein. Wodurch der Ball wieder bei Götze landete, der Raphael Guerreiro im Sechzehnmeterraum fand.

Doch Sancho gehörte auch zu jenen Profis, die später oftmals nur noch nach hinten trabten, manchmal vorn verweilten. So konnte Hoffenheim immer wieder gefährliche Angriffe inszenieren. Hinzukamen viele Ballverluste der Borussia, weil sie mit dem Angriffspressing des Gegners nicht zurechtkam. Dann patzte der BVB auch noch. Beim 1:3 konnte Abdou Diallo eine Flanke nicht entschärfen. Beim 2:3 übersprang Pavel Kaderabek einfach Achraf Hakimi. Beim 3:3 entwischte Ishak Belfodil dann Mahmoud Dahoud nach einem Freistoß. Wieder war es ein ruhender Ball, der zu einem Problem wurde. „Standardsituationen sind immer eine Mentalitätssache, aber wir sind auch nicht die Größten“, sagte Co-Trainer Edin Terzic. Er vertrat gemeinsam mit Manfred Stefes den grippekranken Lucien Favre. Der Cheftrainer schaltete sich jedoch vom Krankenbett aus ein, altmodisch via Telefon. Das dramatische Ende konnte er aber auch nicht wegtelefonieren.

Am Sonntag ruhte sich Favre immer noch aus. Auch Marco Reus fehlte. Der Kapitän klagt über Muskelprobleme, wird gegen Tottenham nicht auflaufen können. „Ich gehe nicht davon aus, dass er dabei ist“, sagt Zorc. Trotzdem: „Natürlich freuen wir uns auf das Spiel.“ Es ist ja auch ein großes.

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