Erstmals seit 1971 trug die Serie A Spiele an Weihnachten aus. Italiens Fußball-Liga versprach sich vordergründig ein finanzielle Bescherung wie in England, muss nun allerdings ungemütliche Probleme aufarbeiten. Ausschreitungen rund um die Partie Inter Mailand gegen SSC Neapel (1:0) führten zu einem Todesopfer, als ein vorbestrafter Ultra-Anführer auf der Flucht vor dem Hooligan-Gemetzel von einem Auto erfasst wurde. Später donnerten die üblichen geschmacklosen Gesänge durchs San Siro, gespickt mit rassistischen Chören gegen Kalidou Koulibaly. Der provozierte Senegalese flog später vom Platz, während die Zuschauer ebenfalls die Rote Karte sahen. Denn überraschend schnell urteilte das Sportgericht: Die Mailänder müssen die kommenden beiden Partien vor leeren Rängen austragen, im Spiel darauf wird einer der verantwortlichen Fanblöcke gesperrt.
Ex-Bayern-Coach Ancelotti reagiert gereizt
Napoli-Coach Carlo Ancelotti reagierte gereizt: „Der Referee besitzt die Handhabe, das Spiel bei solchen Vorfällen zu unterbrechen, wir haben dreimal darum gebeten, aber nichts passierte. Beim nächsten Mal verlassen wir den Platz – egal, ob wir deshalb am grünen Tisch verlieren.“
Am Sonnabend werden die Süditaliener sicher durchspielen, daheim gegen Bologna. Kurzfristig hatte der Verband über eine Absage des Spieltags sinniert, sich dann jedoch zur Austragung entschlossen. „Ein Stopp wäre das falsche Signal gewesen. Doch nun langt es, künftig wird eine härtere Linie und Null-Toleranz durchgezogen“, kündigte Ligachef Gabriele Gravina an. Ähnlich ergebnislose Parolen aus Sport und Politik hatte man schon vor Wochen vernommen.
CR7 ermöglicht Rekordvertrag mit Ausrüster Adidas
„Das Stadion wird nie eine Teestube sein, darf aber auch nicht zur Latrine degradieren“, warnte die „Gazzetta dello Sport“. Die Regierung plant derweil ein Treffen mit Fanvetretern aller Klubs der Serie A und B, wer da genau eingeladen werden soll, ist aber vollkommen unklar und es kündigt sich das nächste Versprechen an, das im Sande verläuft.
Natürlich verurteilte auch Cristiano Ronaldo den Vorfall, Rassismus und Intoleranz müssten mit Erziehung bekämpft werden. Ansonsten kann der Portugiese in seiner ersten Italien-Saison kaum klagen. 18 Spiele für Juventus, zwölf Tore, vier Assists. Nebenher planierten die Turiner die Liga mithilfe des Liga-Rekords von 16 Siegen und zwei Remis. Mit dem heutigen Hinrunden-Ende gegen Sampdoria Genua wird Juve komfortabel in die dreiwöchige Pause schlurfen. Der achte Scudetto in Serie sollte spätestens an Ostern feststehen. Neun Punkte Vorsprung besitzt der Tabellenführer auf den Zweiten Neapel bereits, auf Platz drei und Inter sind es 14. Der ambitioniert gestartete AC Mailand findet sich derweil auf Rang sechs wieder und wartete seit 376 Minuten auf einen Tor – eine Misere, die die Rot-Schwarzen zuletzt vor 34 Jahren erlebten.
Auch finanziell marschiert Juventus klar vornweg
Die Turiner Abrissbirne hat jegliche Wettbewerbs-Eventualitäten der Serie A demoliert. Es sei demotivierend, auch nur an die Juve zu denken, formulierte Ancelotti neulich. Der finanzielle Graben zum Rest der Liga ist entwaffnend und Ronaldos Klasse verschärfte die Turiner Tyrannei erheblich. Der Vorjahres-Zweite und Dritte (Napoli und AS Roma) erreichen nicht einmal gemeinsam das Gehaltsvolumen von Juve (194 Millionen zu 219 Millionen Euro). Eine zusätzliche Garantie liefert der neue Vertrag mit Adidas, der sich – auch dank CR7 - ab kommender Saison mehr als verdoppelt (408 Millionen Euro in acht Jahren ohne mögliche Boni). Die Mindestzahlung von jährlich 51 Millionen Euro katapultiert Juventus unter die Granden Europas auf Rang sechs hinter Barcelona, Manchester United, Bayern, Chelsea und Real Madrid. National hängte man unterdessen die Besserverdiener wie Inter (12,5 Millionen), Milan (12), Napoli (8) und die Roma (4) deutlich ab. Spannender wird dieser Deal die Liga nicht machen.
Freilich trifft die „Signora“ keinerlei Schuld. Sie sollte allerdings Obacht geben, den anderen nicht jedwedes Häppchen vorzuenthalten, um gelangweilt am einsamen Tisch zu sitzen. Ohne den anvisierten Triumph in der Champions League könnte der nächste Abo-Scudetto demnach bitter bekommen. Dort findet das Finale übrigens in Madrid statt. Für Cristiano Ronaldo würde es womöglich zu einer Rückkehr in Wohlgefallen.


