Noch ist der Zauber des Anfangs nicht verflogen. Wer auch immer in Braunschweig auf Henrik Pedersen trifft, kann sich der Charmeoffensive des Dänen kaum entziehen. Der Trainer von Eintracht Braunschweig geht auf die Menschen zu, hört ihnen zu, klopft auf so ziemlich jede Schulter und erklärt geduldig seine Ideen vom Fußball. Deshalb muss selbst der eher skeptisch geneigte Fan zugeben, dass der 40-Jährige sympathisch ist und einen klaren Plan besitzt.
Viel Ballbesitz, Pressing, Tempo, dominante Spielweise – so soll der Zweitligaabsteiger spielen. „Powerfußball“ nennt Pedersen das. Und damit will er auch am Montag bestehen, wenn es in der ersten DFB-Pokal-Runde gegen Hertha BSC geht (18.30 Uhr/Sky). Für Pedersen ist das ein spezielles Duell: Der Däne war bis zum vergangenen Dezember Co-Trainer von Jens Keller beim 1. Union. Nach Kellers Entlassung lebte er noch bis Mai in Berlin.
Es gibt nur ein Problem mit dem Powerfußball à la Pedersen
Obwohl die Braunschweiger bereits vieles von dem umsetzen, was ihr Coach fordert, ist der Erfolg bisher überschaubar. In vier Ligaspielen hat der Drittligist durch drei Unentschieden erst drei Punkte geholt. Den einzigen Saisonsieg gab es am Mittwoch im Niedersachsen-Pokal, mit einem knappen 1:0 beim Viertligisten Lüneburger SK. Geglänzt haben die Löwen nicht.
Deshalb braucht es nun einen Erfolg gegen Hertha – für Pedersen und die Fanseele. Lange hatten sich die Anhänger des Deutschen Meisters von 1967 an der „Wiedergeburt“ ihres Vereins in der Ära Torsten Lieberknecht berauscht. In den ersten Jahren ging es unter dem Ex-Trainer stets aufwärts bis in die Bundesliga, wirtschaftliche Gesundung inklusive. Selbst der Erstliga-Abstieg 2014 dämpfte die Stimmung kaum. Doch in diesem Sommer sind die Anhänger mit einem ziemlichen Kater aufgewacht. Zurück in der 3. Liga, ohne Lieberknecht, ohne Namen wie Ken Reichel (jetzt 1. FC Union) oder Mirko Boland (Adelaide), die über Jahre das Spiel der Eintracht prägten. Alles vorbei.
Alles auf Anfang also nun mit Pedersen
Der muss in Braunschweig nicht nur in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Lieberknecht treten, sondern auch einen Neuanfang orchestrieren, der es in sich hat. 17 Spieler haben den Klub verlassen, ähnlich viele sind neu dazugekommen. Wobei etliche von ihnen noch Talentstatus besitzen. Die gestandenen Spieler im Kader lassen sich fast an einer Hand abzählen. Da wären Philipp Hofmann, Onur Bulut und Frederik Tingager, die den Abstieg miterlebten. Dazu gesellen sich mit Felix Burmeister, Jonas Thorsen und einem weiteren Ex-Unioner, Stephan Fürstner, drei Zugänge mit höherklassigen Erfahrungen. Am Freitag verpflichtete der Klub außerdem Angreifer Leandro Putaro aus Bielefeld.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Drittliga-Start der Braunschweiger holprig verlief. In vielen Situationen fehlt der Eintracht Cleverness, Erfahrung oder schlichtweg Qualität. Pedersen kennt die Gründe dafür und wünscht sich daher noch personelle Verstärkungen. Aber der Trainer braucht bald Erfolgserlebnisse, um zu zeigen, dass sein Weg der richtige ist. Eine Pokalsensation gegen Hertha könnte da hilfreich sein.
Daniel Mau


