Mit dem Abpfiff wich die Anspannung aus dem Gesicht von Thomas Brdaric. Der Trainer von Tennis Borussia Berlin lächelte, schüttelte Hände, sehr viele Hände, umarmte und wurde umarmt. Der Ärger über das soeben erlittene 0:2 beim SC Staaken verflog. „Das Resultat ist heute zweitrangig“, sagte Brdaric. Da waren die eigenen Anhänger, die ihn laut beklatschen, Anerkennung für seine Arbeit in den letzten neun Monaten. Länger dauerte die Zusammenarbeit zwischen dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler und dem Berliner Oberligisten nicht. Brdaric zieht weiter, wie es viele schon bei seiner Ankunft im September vermutet hatten. TeBe war eine Durchgangsstation, zur kommenden Saison übernimmt er den Drittliga-Absteiger Rot-Weiß Erfurt, dann in der Regionalliga.

Den Aufstieg in die vierte Liga konnte er mit TeBe nicht realisieren, aber das war von Beginn an kaum zu schaffen. Als Brdaric in Berlin aufschlug, war der Rückstand auf Optik Rathenow schon groß. Dass dieser zeitweise bis auf einen Zähler schmolz, spricht für die Arbeit des Trainers. „Was wir aus dieser Mannschaft herausgeholt haben, macht mich stolz. Seit meiner Verpflichtung haben wir sehr viele Punkte geholt. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit Tennis Borussia eine gewisse Entwicklung zu machen“, sagte Brdaric.

Wie groß der Spaß tatsächlich war, ist nicht mit letzter Gewissheit zu sagen. Bei der Bekanntmachung der Trennung vor zwei Wochen hatte es einige Ungereimtheiten gegeben. Brdaric bekräftigte, dass er sich ein weiteres Engagement durchaus hätte vorstellen können, von Vereinsseite hieß es dagegen, der umworbene Trainer sei nicht zu halten gewesen. Letztendlich war es wohl eine Frage der Ansprüche. Brdaric erschienen die Bedingungen bei Tennis Borussia insgesamt zu amateurhaft, was er nach seinem letzten Spiel noch mal anklingen ließ. „Allgemein finde ich, dass TeBe ein feiner Verein ist, der Strahlkraft über Berlin hinaus hat. Dieser Verein ist ein, zwei Ligen zu tief angesiedelt. Es muss aber einiges passieren, dass er wieder in den Profifußball zurückkehrt“, sagt der Trainer. Der schlechte Zustand des Rasens im Mommsenstadion soll ihn sehr geärgert haben, dazu die Tatsache, dass viele Spieler sich aus beruflichen Gründen nicht ausschließlich auf den Fußball konzentrieren konnten. Brdaric lotste zwar etliche Spieler aus höheren Ligen zu Tennis Borussia, komplett professionalisieren konnte er den Kader aber nicht. „Am Ende hatte Thomas dann andere Möglichkeiten und Angebote, die eine bessere Perspektive boten“, bekräftigte der Vorstandsvorsitzende Jens Redlich am Sonntag noch einmal.

Mit Jugendtrainer Kutrieb wird 2019 der Aufstieg angestrebt

Die Zeit mit Brdaric und das Erreichen des zweiten Tabellenplatzes lobt der Vereinschef trotz allem. „Wir haben eine großartige Rückrunde gespielt und uns als Verein weiterentwickelt. Die Zusammenarbeit mit Thomas Brdaric war hervorragend.“

Die Nachfolge ist geklärt, Dennis Kutrieb, zuvor für die A-Jugend zuständig, wird TeBes Männer zur neuen Saison übernehmen. Bis auf Torwart Stephan Flauder und Alexander Schmidt kann der Verein laut Redlich alle Leistungsträger halten, darunter auch die beiden Ex-Profis Thiago Rockenbach da Silva und Karim Benyamina. „Da gebe ich mein Wort“, sagt Redlich, die Personalien betreffend. „Wir wollen uns zur kommenden Saison weiter verstärken und um den Aufstieg mitspielen, das ist unser Ziel“.