Fussball

Die Champions League verschwindet aus dem Free-TV

ZDF verliert die TV-Rechte der Champions League. Künftig übertragen nur noch zwei Bezahlsender.

ZDF-Moderator Oliver Welke (l.) wird mit seinem Experten Oliver Kahn nicht mehr von der Champions League berichten

ZDF-Moderator Oliver Welke (l.) wird mit seinem Experten Oliver Kahn nicht mehr von der Champions League berichten

Foto: Markus Gilliar / picture alliance / GES/Markus Gilliar

Kiew.  Zum letzten Mal lief die Champions League an diesem Sonnabend im ZDF. Das Endspiel in Kiew war nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ein Abschied, sondern auch für die deutschen Fußballfans. Von der kommenden Saison an müssen sie für alle Live-Übertragungen des wichtigsten Vereinswettbewerbs zahlen.

Der Pay-TV-Sender Sky hat sich im Verbund mit dem ebenfalls kostenpflichtigen Streamingportal DAZN die Rechte bis 2021 gesichert. ZDF-Intendant Thomas Bellut bezeichnete das vor einem knappen Jahr unterzeichnete Vertragswerk mit dem Dachverband Uefa als „schlechte Nachricht“ für die Fußballanhänger. Das gilt aber auch für seinen Sender. Sechs Jahre lang durfte sich das ZDF als Nachfolger von Sat.1 über die attraktiven Fußball-Übertragungen freuen. 17 Spiele pro Saison mit Durchschnittswerten von mehr als sechs Millionen Zuschauern und Marktanteilen von über 20 Prozent sorgten für Quoten-Freude in Mainz.

Die erfolgreichste Übertragung der nun endenden ZDF-Ära war das deutsche Finale im Mai 2013. Beim Endspiel zwischen Dortmund und Bayern saßen 21,61 Millionen Bundesbürger vor dem TV-Schirm und sorgten für einen Marktanteil-Rekord von 61,7 Prozent.

In der kommenden Saison ist das ZDF nicht mehr dabei – und der Fußballfan muss in jedem Fall zahlen. An Sky oder DAZN oder an beide, wenn er nichts verpassen will. Nur in einem Fall gäbe es ein Champions-League-Spiel ohne zusätzliche Bezahlung: Wenn ein deutscher Verein im Endspiel steht. Das regelt der Rundfunk-Staatsvertrag so.

Der neue TV-Vertrag dürfte auch für viele Sky-Kunden ein Ärgernis sein. Denn deutlich mehr Live-Spiele zeigt der Streamingdienst DAZN, der eine sogenannte Sublizenz von Sky erworben hat. Abonnenten, die – wie in dieser Saison letztmals – die freie Champions-League-Auswahl haben wollen, benötigen neben dem Sky-Vertrag zusätzlich ein DAZN-Abo. „Wir konzentrieren uns auf das Beste, unser Partner auf die Breite“, sagte Sky-Boss Carsten Schmidt. Aufgeteilt werden die Spiele zwischen den Partnern nach einem schwer verständlichen Schlüssel. Der Pay-TV-Sender setzt vor allem auf die Attraktivität der bei den Kunden beliebten Konferenzen. 40 werden es in der kommenden Saison sein. Reduzieren wird Sky hingegen sein Angebot an Live-Partien auf – im Normalfall – 34 der insgesamt 138 Spiele pro Saison.

Es seien „mehr Einzelspiele mit deutscher Beteiligung“ als bei DAZN, verspricht Sky. Der Streamingdienst zeigt pro Serie rund 110 Partien. Schon in der Gruppenphase werden einige Partien der vier deutschen Mannschaften (Bayern, Schalke, BVB und Hoffenheim) exklusiv nur bei DAZN zu sehen sein.

Wie unübersichtlich das Vertragswerk der beiden Bezahl-Anbieter für den Fan ist, zeigt sich bereits an den zwölf Spieltagen der Gruppenphase: Neun Mal darf Sky sich eine Begegnung aussuchen und exklusiv zeigen. Dreimal besitzt DAZN dieses Vorrecht.

Zwei Milliarden Euro pro Jahr bringt der Deal den qualifizierten Teams: Neben Startgeld (25 Prozent), Prämien (30) und dem sogenannten Marktpool (15) gibt es jetzt auch einen Topf, der gemäß Klub-Koeffizienten aufgeteilt wird (30). Von diesen 600 Millionen Euro profitieren vor allem Klubs, die in der Vergangenheit erfolgreich waren. Der FC Bayern als fünfmaliger Gewinner des Landesmeister-Pokals hat daher schon vor Beginn der neuen Saison 48,3 Millionen Euro sicher. Hoffenheim dagegen nur 16,1 Millionen. Die Reichen werden also noch reicher.