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Pokalsieg! Kovac vermiest Heynckes den Abschied

Die Eintracht gewinnt mit 3:1 gegen München im Olympiastadion. Rebic trifft doppelt.

Die Frankfurter jubeln mit dem Pokal

Die Frankfurter jubeln mit dem Pokal

Foto: pa

Berlin. Niko Kovac hüpfte wie ein Gummiball auf und ab und herzte jeden seiner Spieler, der ihm über den Weg lief. Jupp Heynckes setzte sich konsterniert auf den Sitz seiner Trainerbank. Eintracht Frankfurt mit Trainer Kovac hat der Trainer-Legende des FC Bayern das letzte Spiel seiner Karriere vermasselt. 3:1 (1:0) gewann Außenseiter Frankfurt das 75. Finale des DFB-Pokals. Kovac tritt somit die Nachfolge von Heynckes in München als Pokalsieger an.

Das Endspiel spitzte sich in den letzten Minuten dramatisch zu. Nach 81 Minuten, es stand 1:1, köpfte Mats Hummels den Ball an die Frankfurter Latte. Eine Minute später legte Frankfurts Ante Rebic einen fulminanten Sprint hin, überlief Hummels und spitzelte den Ball an Torwart Ulreich vorbei. Doch vor der Anerkennung zum 2:1 schaute sich Schiedsrichter Felix Zwayer Wiederholungen an, ob bei der Balleroberung Kevin Boateng Hand gespielt hatte. Zwayers Entscheidung: Kein absichtliches Handspiel – Tor.

Nun drängten die Bayern vehement auf den Ausgleich. Angriff auf Angriff rollte auf das Eintracht-Tor. In der Nachspielzeit forderten die Münchener stürmisch einen Elfmeter. Wieder schritt Zwayer zum Monitor an der Seite. Boateng hatte Javi Martinez im Strafraum getroffen. Eigentlich Elfmeter, der Schiedsrichter entschied aber auf Eckball (90.+4). Frankfurt verteidigte mit allen Kräften, bei den Bayern stürmte Torwart Sven Ulreich mit. Längst war das Olympiastadion zum Hexenkessel geworden. Die Eintracht wehrte die Ecke ab, der Ball flog Richtung Mittellinie – der eingewechselte Mijat Gacinovic sprintete unter ohrenbetäubendem Jubel aufs leere Bayern-Tor zu, 3:1 – in der sechsten Minute der Nachspielzeit war das Finale entschieden. „Ich bin froh, dass ich endlich ein Tor gemacht habe. Und dann noch so ein wichtiges“, jubelte Gacinovic.

Rund 100 Frankfurter Fans stürmten den Innenraum, die Polizei zog auf. Doch Schiedsrichter Zwayer pfiff die Begegnung nicht mehr an. Eintracht Frankfurt feierte seinen fünften Pokalsieg, den ersten seit dreißig Jahren.

Von Beginn an war das Endspiel nicht so gelaufen, wie Jupp Heynckes es sich gewünscht hatte. Von der tollen Stimmung im mit 74.322 Fans ausverkauften Olympiastadion, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestrainer Joachim Löw, profitierte vor allem der Außenseiter. Die bissige Ausrichtung der Frankfurter ging bereits nach elf Minuten auf. Kevin Boateng eroberte kurz hinter der Mittellinie den Ball und spielte ihn Ante Rebic präzise in den Lauf. Der Frankfurter Stürmer behielt gegen die heranstürmenden Bayern-Verteidiger Niklas Süle und Hummels die Ruhe, zog flach ins linke Eck ab, 1:0.

Damit hatte die Eintracht sich den Favoriten zurechtgelegt, wie sie es haben wollte. Sollten die Bayern 75 Prozent Ballbesitz haben, sollten sie anrennen – es entwickelte sich eine Partie mit hoher Intensität. Die erste Münchener Chance hatte Robert Lewandowski. Sein 17-Meter-Freistoß sprang von der Unterkante der Latte zurück ins Feld (8.). Joshua Kimmich köpfte einen Ball am Frankfurter Tor vorbei (24.). Auch ein Lewandowski-Schuss verfehlte den Kasten der Eintracht nur um Zentimeter (25.). „Wir hätten die Tore machen müssen“, klagte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Nach 54 Minuten wähnte sich der Branchenführer wieder im Geschäft. Auf der rechten Seite flankte Kimmich von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr, Lewandowski rauschte heran, 1:1. Doch Frankfurt blieb trotz des Dauerdrucks cool – und startete immer wieder gefährliche Angriffe. Der fulminante Antritt von Rebic zum 2:1 war dann der Anfang vom Bayern-Ende.

Um 22.22 Uhr gab es sogar Applaus von den Eintracht-Fans für ihren Erfolgscoach. Zwei Stunden zuvor bei der Vorstellung hatten die Anhänger Kovac mit einem Pfeifkonzert begrüßt. Nun, als Präsident Steinmeier die Medaillen überreichte, wurde auch der Trainer, der nach München abwandert, stürmisch gefeiert. Er hat es verdient.

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