FC Bayern

Der Fahrer war es

Der FC Bayern zeigt vor allem im Umgang mit der Trainerpersonalie Niko Kovac eine fatale Entwicklung – mit Grüßen vom Nockherberg.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (l.), Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (l.), Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / ddp images/Sven Simon

Berlin.  Man muss unweigerlich an den Nockherberg denken, an die berühmte Starkbierprobe mit dem noch berühmteren Politiker-Derblecken. Es geht hoch her, wenn einmal im Jahr der Prominenz kritisch der Spiegel vorgehalten wird. Hier, am östlichen Isar-Ufer in München, ist man unter sich, es wird gefrotzelt, zuweilen gibt es herbe verbale Schläge, doch am Ende liegt man sich freudetrunken in den Armen.

Beim FC Bayern haben sie eine Redewendung dafür: mia san mia. Und genau mit diesem Uns-kann-keiner-was-Selbstverständnis waren Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge noch am Abend nach dem 5:1 der Münchner gegen Gladbach am Sonnabend vor die Medien getreten. Es ging um nichts weniger als die Deutungshoheit in der Trainerpersonalie Niko Kovac.

So konterte Hoeneß die Anschuldigungen von Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic, der im Sommer seinen Erfolgstrainer verliert, mit Vehemenz: „Wir fanden die Aussagen ziemlich unverschämt. So wie er sich verhält, das ist unanständig. Wir haben eine Lücke, die er im Vertrag mit Kovac gemacht hat, ausgenutzt. Das ist sehr professionell.“

Frankfurter Fans pfeifen Kovac aus

Das Vorgehen der Bayern hatte Bobic als „unprofessionell“ und „respektlos“ bezeichnet, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Personalie bereits am Donnerstag, fünf Spieltage vor Saisonende, öffentlich wurde, in einer Phase, in der die Eintracht um einen Europacup-Platz und das DFB-Pokalfinale kämpft. Wie sehr die Frankfurter Welt davon erschüttert wurde, zeigten die Pfiffe der 3000 Anhänger beim Verlesen des Namens Kovac vor dem Spiel in Leverkusen (1:4).

Bobic hatte ein Leck beim Rekordmeister vermutet, durch das die Information an die „Bild“ gesickert sei. Rummenigge als auch Hoeneß wurden nun nicht müde zu betonen, dass von Bayern-Seite „hintenrum“ nichts an die Öffentlichkeit gedrungen sei.

Abwegig ist jedoch der Gedanke, Kovac hätte tatsächlich erst am vergangenen Donnerstag Kontakt mit den Bayern gehabt. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, dass die Bayern vor einem Jahr in Kovacs Umfeld einen Hinweis platziert hätten, der Trainer möge doch in seinem nächsten Vertrag an eine Ausstiegsklausel denken. Und dass Bobic schon im Winter davon sprach, er wisse, wer nächste Saison Bayern-Trainer werde, lässt ebenfalls tief blicken.

Abkehr vom europäischen Spitzenklub

So hinterließ der Auftritt der Münchner Führungsetage vor allem jenen Charme, den der Nockherberg Jahr für Jahr versprüht: Provinzialität à la Bayern. Er folgt damit der Entwicklung, die die Münchner spätestens seit der Rückkehr von Uli Hoeneß auf den Präsidentenstuhl Ende November 2016 genommen haben. Nicht wenige Fans sehen mit der Personalie Kovac die endgültige Abkehr vom europäischen Spitzenklub, der immer um den Champions-League-Titel, mindestens aber um das Halbfinale mitspielt. Und die Wiedergeburt jenes FC Bayern aus den 1990er- und 2000er-Jahren, der sich in der Bundesliga gefällt, international aber nur etwas ausrichten kann, wenn europäische Größen mal schwächeln.

Dabei waren die Bayern mit einem Trainer Pep Guardiola, einem Sportvorstand Matthias Sammer und einem Kaderplaner Michael Reschke für die Zukunft bestens gerüstet. Guardiola verlängerte 2016 seinen Vertrag nicht, auch wegen Unstimmigkeiten mit der Klubführung, und Reschke ging zu Saisonbeginn zum Aufsteiger VfB Stuttgart, wohl aus gleichem Grund. Sammer bat wegen eines leichten Schlaganfalls 2016 um die Auflösung seines Vertrages – und heuerte nun als externer Berater beim Rivalen Borussia Dortmund an.

Und die Bayern? Versuchen es mit Hasan Salihamidzic als Sportdirektor, der als Begründung für die Kovac-Verpflichtung nannte: „Er kennt die DNA des Klubs.“

Präsident überrascht mit einer Geburtstagsgeschichte

Fragen, wie der Deal zustandegekommen sei, wich er jedoch ebenso aus wie Hoeneß („Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft“). Dafür tischte der Bayern-Präsident eine kleine Geschichte auf über ein kürzliches Treffen bei einem Italiener im Münchner Umland.

„Alle Vertragsgespräche hat Hasan allein geführt, aber wie es der Zufall will, vor drei Wochen hatte mein Fahrer, der Bruno Kovacevic, seinen 60. Geburtstag. Er ist Kroate, die zwei Frankfurter (Niko Kovac und sein Bruder und Co-Trainer Robert) sind Kroaten, und an dem Abend waren beide auch eingeladen. Karl-Heinz war mit seiner Frau da, ich mit meiner Frau, wir kommen dahin und sagen: Was ist da los? Da saßen die bei uns mit am Tisch. Aber vor 60 Leuten hat der FC Bayern noch selten Vertragsgespräche geführt“, erzählte Hoeneß.

Überhaupt habe man „großzügig“ (Hoeneß) gehandelt, weil Frankfurt nun genug Zeit habe, die Kovac-Nachfolge zu regeln. Schöne Grüße vom Nockherberg.