Champions League

Für den FC Bayern ist der Hauptgang angerichtet

Der Rekordmeister startet gegen Besiktas Istanbul in die schmackhafte Phase der Saison. Die Champions League ist der Maßstab.

Robert Lewandowski bejubelt sein 2:1 gegen Wolfsburg. Doch über die Qualität der Saison entscheidet das Abschneiden in der Königsklasse.

Robert Lewandowski bejubelt sein 2:1 gegen Wolfsburg. Doch über die Qualität der Saison entscheidet das Abschneiden in der Königsklasse.

Foto: Shan Yuqi / dpa

MÜNCHEN.  Nun wird endlich die Hauptspeise serviert, im letzten Drittel der Saison. Die Bayern steigen in die K.o.-Phase der Champions League ein, den Auftakt in die entscheidenden Monate bildet am Dienstag das Achtelfinal-Hinspiel in München gegen Besiktas Istanbul (20.45 Uhr/ZDF und Sky).

Das Menü 2017/18 bisher: Der sommerliche Gruß aus der Küche war der Supercup-Erfolg in Dortmund, gefolgt von zwei Auftaktsiegen in der Bundesliga. Im September missriet die Vorspeise, Carlo Ancelottis italienische Antipasti, kolossal. Nach dem 0:3 in Paris wurde Jupp Heynckes der neue, alte Küchenchef. Seit Oktober wird bei Bayern ein formidabler Zwischengang serviert, ein Sterne-Genuss. Die Siegesserie zergeht im Munde, doch was jetzt auf den Tisch kommt, zählt wirklich: die Königsklasse.

Besiktas ist die erste Hürde zum Finale

Das Dessert, die Sahne auf dem Kuchen, möchten die Bayern am 26. Mai in Kiew genießen, beim Champions-League-Finale. Die Klitschkos, beide FCB-Fans, wollen ihren Verein dann in der Ukraine willkommen heißen – vor allem Vitali, der Bürgermeister von Kiew. „Es wäre keine Sensation, wenn Bayern die Champions League gewinnen würde“, sagte Robert Lewandowski dem „Kicker“. Der Torjäger kurz und bündig: „Wir wollen alles gewinnen.“ Die erste von drei Hürden bis zum Traumziel Finale lautet Besiktas.

Nie zuvor konnte das Team vom Bosporus die K.o.-Runde der Champions League erreichen, 1987 stand man im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister, musste jedoch dafür nur eine K.o.-Runde überstehen. „Die haben ein paar Spieler drin, die sicherlich sehr talentiert sind, deren Karriereweg vielleicht nicht zu 100 Prozent optimal gelaufen ist, aber die sehr viel Qualität mitbringen“, sagte Thomas Müller und dachte an die üppig tätowierten wie renommierten Altinternationalen Pepe, Ricardo Quaresma (beide Portugal), den Niederländer Ryan Babel, dessen Abstieg einst in Hoffenheim begann, und Winterpausen-Neuzugang Vágner Love. Die Oldie-Truppe will ein gutes Ergebnis aus München mitnehmen. Müller hält dagegen: „Wir wollen mit unserem Anspruch und der Gier, die wir in der zweiten Halbzeit in Wolfsburg gezeigt haben, am Dienstag auftreten. Wir sind absolut bereit. Der Wille, die Physis und die Art, wie wir spielen, sind absolut da. Wir müssen es nur auf den Platz bringen.“ Und laut Heynckes „eine Leistung bringen, die der Grundstock für das Rückspiel sein kann.“ Um den Orkan der Besiktas-Fans in der heimischen Arena zu überstehen.

Erstmals seit fünf Jahren sind alle Feldspieler fit

Bayerns Traum vom Triple-Revival von 2013 soll Leben eingehaucht werden. Die Champions League sei „ein Wettbewerb, auf den man hinfiebert“, so Heynckes, „als Trainer muss man den Spielern demonstrieren: Ich bin mittendrin, bin so angespannt wie wir.“ Heynckes, der seine Mannschaften bei drei Anläufen (1998 mit Real Madrid, 2012 und ein Jahr später mit Bayern) immer ins Finale der Königsklasse geführt hat, intensivierte sofort nach seiner Amtsübernahme das Training, trichterte den Spielern Prophylaxe-Methoden gegen muskuläre Verletzungen und Grippe-Symptome ein. Das Ergebnis: Erstmals seit fünf Jahren sind alle Feldspieler fit, was Heynckes mehrmals hervorhob. Viel komplizierter: Der emotionale Spagat: das Rotieren und damit einhergehende Moderieren der Unzufriedenheit der Unberücksichtigten. Mats Hummels sprach am Montag vom „unheimlich guten Zusammenhalt“, den man gefunden habe „aufgrund der Art und Weise wie er die Mannschaft menschlich führt“.

Hummels weiter: „Wir haben 18 Spieler, die du locker bringen kannst, der Trainer wird nach bestem Gefühl aufstellen. Aber es wird auch in der Startelf mindestens einen Härtefall geben.“ Bis auf Dauer-Reha-Patient Manuel Neuer stehen alle Profis zur Verfügung, gegen Besiktas muss Heynckes drei auf die Tribüne setzen.

Trainer Jupp Heynckes kann einen Klubrekord aufstellen

Am Dienstag prüft Heynckes seine Top-Elf (wohl mit Javi Martínez, ohne Arturo Vidal) auf Tauglichkeit. In dieser Phase der Saison dürfte Franck Ribéry (noch) den Vorzug vor Kingsley Coman erhalten, der zuletzt wegen Grippe pausieren musste, aber laut Heynckes wieder einsatzbereit ist. Die nimmersatten Seriensieger hatten auch den Last-Minute-Dreier in Wolfsburg (2:1) erstaunlich emotional gefeiert. Die Champions League aber wird der Maßstab der Saison sein, Besiktas Istanbul sicher nicht. „In den Spielen gegen Leipzig hat man gesehen, dass man die Türken auf keinen Fall unterschätzen darf“, warnte Müller dennoch. Besiktas gewann beide Partien gegen RB (2:0 und 2:1).

Gegen Istanbul könnte Heynckes einen bayerischen Trainerrekord einstellen, den einst der Ungar Pal Csernai aufstellte. Von August bis Oktober 1980 schafften Breitner, Rummenigge, Augenthaler & Co. 14 Pflichtspielsiege hintereinander. Schlägt Bayern am Sonnabend auch Hertha BSC, stünde Heynckes bei 15. Und bekäme wieder einen Eintrag in die Geschichtsbücher des Vereins.