Der Killer-Blick des Nasser Al-Khelaifi hat immer Konsequenzen. Diese bittere Erfahrung machte mal Borussia Dortmunds Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou. Der junge Franzose spielte in der vergangenen Saison in der Reserve-Mannschaft von Paris St. Germain. Als es um seinen ersten Profi-Vertrag ging, entschied er sich gegen den Hauptstadtklub, weil er wusste, dass er im Star-Ensemble um Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappé kaum Einsatz-Chancen bekommen würde. Seine Entscheidung zum BVB zu wechseln, brachte den PSG-Boss auf die Palme. „Danach sorgte NAK dafür, dass Zagadou in der zweiten Mannschaft nicht mehr zum Einsatz kam und mit den Profis nicht mehr mittrainieren durfte“, sagt Damien Degorre, PSG-Spezialist bei der Sport-Zeitung „L’Équipe“.

Der Führungsstil von NAK sorgt für viel Unruhe. Bei PSG sind zahlreiche Mitarbeiter überfordert – sie fühlen sich respektlos behandelt. Die Konsequenz: viele Burnouts und Depressionen. Bei der Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr im Luxus-Hotel „Royal Monceau“ auf der Champs-Élysées wurden drei Tische organisiert: Am Präsidenten-Tisch gab es Trüffel-Nudeln. Für die anderen Gäste gab es nur Pasta mit Tomatensoße. „Die Katarer vertrauen so gut wie niemanden und sie handeln mit wenig Herz“, so Spielerberater Bruno Satin, der mit Al-Khelaifi mehrfach bei Transfers zu tun hatte.

Al-Khelaifi ist kein einfacher Zeitgenosse

Mit den Medien verhält sich Al-Khelaifi genauso gnadenlos. Als die Fachzeitschrift „France Football“ vor drei Jahren den Skandal um die Korruption bei der WM-Vergabe für 2022 nach Katar veröffentlichte, bekamen die Redakteure Hausverbot auf dem Trainingsgelände. Bei seinen raren Interviews steht Al-Khelaifi bisweilen nach zwei, drei Fragen plötzlich auf und geht mit böser Miene, weil ihm die Fragen nicht schmecken. „Auf den ersten Blick meint man, er sei wohlwollend und gut erzogen, aber im Endeffekt ist Nasser ein Tyrann“, meint Thierry Morano-Foures, ein ehemaliger Vertriebspartner von Al-Khelaifi. Nur der Lokalzeitung „Le Parisien“ steht er zur Verfügung, aber lediglich per Email. Auf diese Weise erfuhr man etwa von der Entlassung von Laurent Blanc im Juni 2016, nur vier Monate nachdem der französische Trainer seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hatte. Blanc bekam eine 22-Millionen-Abfindung. Nicht mehr als ein Trinkgeld, zumindest im Kosmos von NAK.

Seit 2011 ist Al-Khelaifi Chef des Pariser Klubs, der am Dienstag in der Champions League beim FC Bayern antreten muss. Es ist aber nicht seine einzige Beschäftigung. Er ist auch Präsident der Tennis-, Squash- und Badminton-Verbände in Katar, Staatsminister von Katar, Vorstandsvorsitzender von QSI (QatarSportsInvestment) und BeInSport Media Group, sowie Vorstandsmitglied beim französischen Liga-Verband und bei der ECA (European Club Association). Auch wenn er maximal drei Tage pro Woche in Paris ist, will er immer alles kontrollieren. „Nasser ist diskret und unnahbar“, sagt Bruno Satin. „Er schenkt fast niemandem sein Vertrauen und er will immer alles entscheiden, obwohl er selten den Überblick hat. Delegieren kommt für ihn nicht infrage.“ Unter seiner Leitung hat Paris 14 nationale Trophäen sammeln können. Aber in der Champions League reichte es bisher kein einziges Mal bis ins Halbfinale. Die 1:6-Schmach im Achtelfinal-Rückspiel beim FC Barcelona am 8. März war sein absoluter Tiefpunkt. Wenige Sekunden nach Abpfiff blickte er wieder böse zu seinem Sport-Direktor Patrick Kluivert und meinte: „Seit dem ersten Tag bringst du uns keinen Zentimeter weiter.“ Der Niederländer musste gehen.

Der 43-Jährige schmückt sich gern mit Stars auf der Tribüne

Doch was ist eigentlich sein langfristiges Ziel? Mit der WM 2022 im eigenen Land als Höhepunkt will er aus Katar bis dahin eine Welt-Marke machen. So erklärt sich auch sein freundschaftliches Verhältnis zum Ex-Staatspräsidenten Frankreichs, Nicolas Sarkozy. Beide sitzen bei jedem Heimspiel nebeneinander. NAK sorgt auch dafür, dass illustre Gäste in den Prinzenpark kommen. Zuletzt wurden Beyoncé, Leonardo DiCaprio, Lenny Kravitz und Naomi Campbell mit einem Glas Champagner auf der Tribüne gesichtet. Mit dem Gewinn der Königsklasse würde der Traum des 43-Jährigen in Erfüllung gehen. Sein Lieblingssatz: „Paris ist die schönste Stadt der Welt und PSG bald der beste Klub der Welt.“