Fussball

Schalke geht mit Clemens Tönnies in die Zukunft

Clemens Tönnies feiert klaren Sieg, aber keinen Triumph. Nun will er auf seine Kritiker zugehen. Neue Kandidaten erleiden Niederlage.

Salut für die Schalker: Schalkes Präsident Clemens Tönnies begrüßt die Mitglieder

Salut für die Schalker: Schalkes Präsident Clemens Tönnies begrüßt die Mitglieder

Foto: Guido Kirchner / dpa

Gelsenkirchen.  Um 15.04 Uhr blies Edelfan Trompeten-Willy am Sonntagnachmittag in der Veltins-Arena zur Attacke. Seine Dankesworte hatte Clemens Tönnies da schon formuliert. Auch er gab sich angriffslustig. Allerdings nicht gegen seine Kritiker – sondern gegen die Bundesliga-Konkurrenten. „Ich möchte mich ab sofort um diejenigen kümmern, die in der Tabelle vor uns stehen – und nicht um die dahinter“, erklärte Tönnies unter lautem Beifall.

Eine Siegerpose oder eine Geste des Triumphes zeigte Tönnies nach seiner Wiederwahl allerdings nicht. Allenfalls ein stolzes, wohl auch erleichtertes Lächeln, dass ihm 5367 oder 56,81 Prozent der 9447 stimmberechtigten Mitglieder ihre Stimme gegeben hatten, lag auf seinem Gesicht. Ein kleiner Denkzettel für den umstrittenen Amtsinhaber war dieses Ergebnis sehr wohl.

Andreas Goßmann (55), der im Vorfeld als aussichtsreicher Herausforderer von Tönnies gehandelt wurde, konnte nicht überzeugen. Er setzte sich zu lange mit den gegen ihn im Wahlkampf erhobenen Vorwürfen auseinander und bekam nur 1680 Stimmen. Auch Michael Stallmann (56), nach eigenem Bekunden kein großer Redner, blieb blass – und mit 2565 Stimmen chancenlos.

Grabenkämpfe sollen Vergangenheit angehören

Wirklich zittern musste Tönnies, der in den letzten Monaten heftig mit seinen Gegnern stritt, also nicht. Die vielzitierten Grabenkämpfe, die schon an Selbstzerfleischung grenzten, sollen von nun an der Vergangenheit angehören.

„Ich stelle mich dem Dialog mit allen kritischen Fans, um die Gräben endlich zuzuschütten“, hatte Tönnies schon in seiner Wahlrede gesagt – und ergänzte nach seinem Sieg: „Ich will den Kritikern die Hand reichen. Lasst uns zusammenstehen! So wie es in der letzten Strophe unseres Vereinsliedes heißt.“

Vereinigen statt spalten – das soll das neue Motto auf Schalke sein. Dafür steht vor allem Peter Lange, der sogar noch 317 Stimmen mehr auf sich vereinigen konnte als Tönnies. „Eine besondere Verpflichtung“ sei dieses Ergebnis für ihn, sagte Lange (60), der sich vor allem dafür stark machen will, die zerrissene Fanszene wieder an einen Tisch zu bringen.

2019 ist Schalkes Arena abbezahlt

Es ist ja nicht so, als wenn auf Schalke nun alle Konflikte beigelegt wären. Es gibt aber Argumente dafür, dass sich der Traditionsverein auf einem guten Weg befindet. „Der FC Schalke 04 ist groß und stark. Er will den sportlichen Erfolg“, sagte Peter Peters.

Der Finanzvorstand unterstrich, dass sich Schalke große Fortschritte bei der wirtschaftlichen Konsolidierung macht: „Wir zahlen jedes Jahr 10 oder 15 Millionen Euro Verbindlichkeiten zurück. Wir haben große Werte geschaffen. Unsere Gegner mögen uns ‚Schuldenklub‘ nennen. Aber das stimmt nicht mehr.“ 2019, so versichert Peters, ist die vor 15 Jahren bezogene Arena abbezahlt.

Heidel will den Nachwuchs enger anbinden

Sportlich hingegen gibt es Nachholbedarf. „Es fehlt ein wenig die Gesamtstrategie“, beklagte Sportvorstand Christian Heidel. Diese gilt es nun im Klub zu entwickeln. Ein Ansatz: „Wir haben vielleicht die beste Nachwuchsabteilung Deutschlands. Ich will die Knappenschmiede mit der Profiabteilung noch enger verzahnen“, kündigte Heidel an. Der ehemalige Mainzer schwärmte von der „unglaublichen Energie“ des Vereins, „doch diese gilt es zu bündeln.“

Dies will er mit einem neuen Wir-Gefühl erreichen. Heidel: „‘Typisch Schalke‘ muss in Zukunft für etwas anderes stehen als bisher. Wir müssen auf Siege hoffen und nicht Niederlagen erwarten. Dafür werde ich alles tun. Jetzt geht es um eins: Wir packen es gemeinsam an - und wir freuen uns tierisch darauf.“

Dieser Appell verfing bei den Mitgliedern, noch einmal erhoben sie sich von den Stühlen. Am Ende bekam der neue Manager noch mehr Applaus als alle Aufsichtsräte. Nur Willys Trompete blieb dieses Mal stumm.