11-mm-Filmfestival

Wo Union-Legende Mattuschka zum Filmkritiker wird

Zum Abschluss des „11 mm“-Fußballfilmfestivals gewinnen zwei Berliner den Kurzfilmpreis. Neben Wolfsburgs Naldo sitzt Union-Ikone Torsten Mattuschka im Kino – und auch ein Hertha-Profi ist zu Gast.

Foto: Soeren Stache / picture alliance / dpa

Vor dem Eingang liegt grüner Rasen statt roter Teppich, im Foyer steht Wolfsburgs Abwehrchef Naldo neben dem Gemälde „Fahnenmeer Eisern Union“, und im Hintergrund gibt eine Organistin zur Einstimmung ein paar Gassenhauer à la „Fußball ist unser Leben“ zum Besten. Die Macher des Fußballfilmfestivals „11 mm“ hatten sich einiges einfallen lassen – fünf Tage lang verwandelten sie das Kino Babylon in Mitte zum Wallfahrtsort für Fans der Fußballkultur.

Hertha-Keeper in der Jury

Am Montag feierte die zwölfte Auflage des Events ihren krönenden Schlusspunkt. Mit dabei auch reichlich Fußballprominenz: Der frühere Nationalspieler Marcel Schäfer, Herthas Reserve-Keeper Marius Gersbeck und die vom Publikum besonders lautstark gefeierte Union-Legende Torsten Mattuschka schlüpften während der „11 mm shortkicks“ in ungewohnte Rollen. Sie waren Teil der Jury, die den besten Kurzfilm prämierte. Naldo überreichte hingegen den Publikumspreis. Jener ging an „Una Meravigliosa Stagione Fallimentare“, einen liebevoll erzählten Dokumentarfilm über den italienischen Zweitligisten FC Bari.

Der Preis für den besten Kurzfilm blieb indes in Berlin. Die Filmemacher Sven Schrader und Riccardo Wolff eroberten die Herzen der Juroren mit „Im Glanze dieses Glückes“, einer tragisch-komischen Geschichte über einen deutschen Fan, der das Glücksgefühl nach dem WM-Sieg krampfhaft zu konservieren versucht.

Fußballfilme als Therapie

„Entstanden ist der Film zu Therapiezwecken“, bekannte Schrader. Er selbst habe Schwierigkeiten gehabt, nach den aufreibenden WM-Wochen in den Alltag zurückzufinden, und Wolff, ein Brasilianer, sei nach der traumatischen 1:7-Halbfinalpleite seines Heimatlandes ohnehin „hilfebedürftig“ gewesen.

„Coole Veranstaltung, coole Filme“, sagte Mattuschka trocken, nachdem er die neun Wettbewerbsbeiträge gesehen hatte. Auf Platz zwei landete „Der Tag wird kommen“, ein kraftvolles Statement gegen Homophobie; der dritte Rang ging an den äußerst amüsanten TV-Beitrag „Fußballfloskeln wörtlich genommen“.

Am Ende aber jubelten die Lokalmatadoren. „Unser Film hat eine wichtige Botschaft“, sagte Wolff nach der Weltpremiere, „die Deutschen sollten sich einfach mehr freuen.“ Beim „11 mm“-Festival fiel ihnen das ziemlich leicht.