Uefa-Bewerbung

Berlin und München kämpfen um die Europameisterschaft

Am Freitag entscheidet der Deutsche Fußball-Bund, mit welcher Stadt er sich für die EM 2020 bewirbt. Obwohl München offenbar favorisiert ist, hofft man in Berlin auf seine Standortvorteile.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Ende Oktober tritt Hertha BSC in der Allianz Arena gegen Bayern München an. Die Bayern kämpfen dann um drei Punkte für die Deutsche Meisterschaft, Hertha um die Europa League oder den Klassenerhalt, wer weiß das schon genau. Zum großen Fußball-Duell zwischen Berlin und München kommt es allerdings schon jetzt. Und es geht dabei um mehr als ein Bundesligaspiel.

Am Freitag, 30. August, entscheidet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt am Main, mit welcher der beiden Städte er sich für die Europameisterschaft 2020 bewirbt. Erstmals wird das Turnier in ganz Europa ausgetragen. Eine Initiative von Uefa-Präsident Michel Platini, dessen paneuropäische Idee zwar heftig kritisiert, Ende letzten Jahres Jahres von der Uefa aber beschlossen wurde.

Der Plan: 13 Städte aus 13 Ländern sind Gastgeber. Pro Land darf nur eine Stadt mit einem Stadion vertreten sein. Ursprünglich waren nur Hauptstädte vorgesehen, später wurden auch Metropolen zugelassen. So geht der DFB neben Berlin auch mit der größten Stadt Bayerns ins Rennen.

Drei Spiele sind garantiert

Norden oder Süden? Curry- oder Weißwurst? Sollte die Uefa Deutschland ins Boot holen, würde eine der Städte mindestens drei Spiele austragen. Der DFB hat sich für zwei Pakete beworben. Das erste beinhaltet die drei Vorrundenspiele der deutschen Elf plus ein Achtel- oder ein Viertelfinale. Das andere die beiden Halbfinals und das Endspiel. Sollte die Türkei nächste Woche nicht den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 erhalten, würde das Final-Paket allerdings nach Istanbul gehen.

In Berlin weiß man um die Bedeutung eines Zuschlags. „Die Weltmeisterschaft 2006 hatte eine nachhaltige Wirkung auf den Amateurfußball, die Mitgliederzahlen sind stark gestiegen“, sagt Bernd Schultz, Präsident der Berliner Fußball-Verbands. „Und Berlin hat gerade mit der Fanmeile ein besonders positives Image für Deutschland erzeugt.“

Die vielen Besucher würden zudem Geld in die Berliner Kassen spülen. „Berlin hat bei vielen großen und insbesondere internationalen Sportereignissen bewiesen, wie sportbegeistert die Menschen in der Hauptstadt sind“, befand Bürgermeister Klaus Wowereit bereits im Mai.

München hat offenbar aktuell die Nase vorn

Spekuliert wird jedoch, dass die Münchner aktuell die Nase vorn haben. Da die Allianz Arena in Besitz des FC Bayern München ist, würden die Einnahmen dem Verein – und so auch in weiterem Sinne der Liga zufließen, während das Olympiastadion dem Land Berlin gehört. Offenbar ein Argument für die vier Liga-Vertreter im 15-köpfigen DFB-Präsidium.

„Ein Gerücht“ sei das, sagt Schultz, er habe diesbezüglich von keinem Vertreter etwas gehört. Auch, dass Berlin bereits den Zuschlag für das Champions-League-Finale 2015 bekommen hat, dürfe kein Grund sein.

Ausschlaggebend könnte der Lokalpatriotismus sein. Unter den Entscheidern sind die südlichen Bundesländer stärker vertreten. Schultz und der BFV haben bereits selbst Lobbyarbeit betrieben. Die Stimme von Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands, soll Berlin bereits sicher sein. Auch mit anderen Präsidiumsmitgliedern suchte der BFV das Gespräch. Doch letztendlich würde es wohl eine „Bauchentscheidung“, so Schulz.

Berlin hat die besseren Hotels

Objektiv gibt es nur wenige Gründe, die für oder gegen den einen oder anderen Standort sprechen. Berlin und München erfüllen beide die Vorgaben der Uefa. Diese beinhalten unter anderem die Stadionkapazität, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und das Hotelangebot. Wegen diesem verzichtete Dortmund auf eine Kandidatur – in der Stadt gibt es keine einzige Fünf-Sterne-Unterkunft. Berlin hingegen habe die „modernste Hotellandschaft Europas“, sagt Katharina Dreger von „Visit Berlin“.

Auch bei der Stadiongröße liegt die Hauptstadt vorn: Das Olympiastadion fasst 6000 Zuschauer mehr als die Allianz Arena. Bemängelt wird dagegen die Laufbahn, die den Zuschauer vom Spielfeld entfernt. Im Nahverkehr haben beide Städte einen guten Ruf in Sachen Kapazität und Pünktlichkeit. Und vielleicht ist 2020 sogar der BER fertig. Dann dürften die Fußballfans auch scharenweise mit dem Flugzeug anreisen.