Nach dem „Berliner Mauerwunder“, wie es die schwedische Zeitung Expressen nannte, musste sogar die englische Ikone Gary Lineker ihr Weltbild über den Fußball korrigieren. „Fußball ist ein einfaches Spiel, bei dem 22 Männer 90 Minuten lang einem Ball hinterherjagen, und am Ende geben die Deutschen einen Vier-Tore-Vorsprung ab“, twitterte der ehemalige Nationalspieler nach dem denkwürdigen 4:4 (3:0) der deutschen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation gegen Schweden, bei dem das Team von Bundestrainer Joachim Löw in der letzten halben Stunde einen 4:0-Vorsprung verspielt hatte.
BBC-Kommentator Lineker hatte angesichts früherer deutscher Erfolge den Fußball stets als Spiel beschrieben, bei dem 22 Männer einen Ball jagen, und am Ende immer die Deutschen gewinnen würden. Seit dem EM-Triumph 1996 unter Berti Vogts in England wartet die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aber vergeblich auf einen Titel.
Beckenbauer entspannt
Auch die Fußball-Prominenz im In- und Ausland konnte die Geschehnisse im Berliner Olympiastadion nicht fassen. Franz Beckenbauer gab sich am Tag nach der Begegnung aber gelassen und versuchte es mit Humor. „Man kann nur darüber schmunzeln, dass so etwas im heutigen Fußball noch möglich ist“, sagte Beckenbauer im Interview bei Sky Sport News HD: „Ich würde das Spiel nicht dramatisieren. Man führt 4:0, nimmt die Schweden auseinander, und plötzlich wird das Spiel gedreht. Ich glaube, dass die Spieler immer noch nicht wissen, was sie da eigentlich angestellt haben.“
Überrascht zeigte sich auch Marcel Koller, Trainer des deutschen und schwedischen Gruppengegners Österreich. „Damit war nicht zu rechnen, weil Deutschland so einen Vorsprung normalerweise nicht mehr aus der Hand gibt“, stellte Koller nach dem 4:0-Erfolg seiner Mannschaft gegen Kasachstan fest.
Ibrahimovic hält Deutschland weiter für WM-Favorit
Während Schwedens Nationalcoach Erik Hamrén mit Löw sogar „Mitleid“ hatte, kritisierte die internationale Presse die DFB-Auswahl nach dem unerklärlichen Leistungseinbruch. „Löws Mannschaft zeigt zwei Gesichter: Schön und effizient in der ersten Halbzeit, überheblich und zerstreut in der zweiten Halbzeit. Die deutsche Abwehr hat eines ihrer schlechtesten Spiele der letzten Jahren gezeigt“, schrieb das italienische Blatt Tuttusport.
Trost gab es immerhin vom schwedischen Superstar Zlatan Ibrahimovic: „Es freut uns besonders, weil wir gegen die vielleicht beste Mannschaft der Welt gespielt haben, die auch Favorit auf den WM-Titel ist“, sagte der Torjäger.
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