WM-Qualifikation

6:1 gegen Irland - Die Rückkehr der Leichtigkeit

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat den Iren eine Lehrstunde erteilt. Marco Reus und Toni Kroos trafen beide im Doppelpack.

So viele Zuhörer hatte „The Guitarman“ vormittags in der berühmten Temple Bar in der Innenstadt von Dublin wohl selten. Weit vor zwölf Uhr staute es sich schon am Eingang, weil das Guinness zügig in die Kehlen der vielen deutschen Fußballfans floss. Die Laune war gelöst, man gab sich siegessicher. Was sollte auch passieren im dritten WM-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl gegen das ersatzgeschwächte Irland?

Am Abend bestätigte sich diese Einschätzung. In einer einseitigen Partie kam das Team von Bundestrainer Joachim Löw zu einem souveränen, teilweise begeisternden 6:1-Sieg. Mit einem Erfolg gegen Schweden am Dienstag in Berlin kann die Nationalmannschaft den einzigen ernsthaften Konkurrenten um Platz eins in der Qualifikationsgruppe C auf Distanz halten. „Deutschland hat mit sehr viel Geduld gespielt und immer wieder in den richtigen Momenten das Tempo angezogen“, lobte sogar Chef-Kritiker Oliver Kahn im ZDF.

Starkes Spiel von Schweinsteiger

Nach einem stimmungsvollen Beginn – die deutsche Nationalhymne wurde vor dem Anpfiff von einem Dudelsack-Orchester präsentiert – dauerte es aber eine halbe Stunde, bis sich die Überlegenheit auch in Toren ausdrückte. Gegen die mit neun Mann vor Torhüter Keiren Westwood verteidigenden Iren tat sich die DFB-Elf zunächst schwer, eine Lücke zu finden. Dabei war der Auftrag Löws an seine Profis klar erkennbar: Seine Spieler, die im Gedenken an den verstorbenen Helmut Haller mit Trauerflor antraten, sollten mit schnellem, direktem Flachpassspiel die vielbeinige Abwehr durcheinander wirbeln. Die zuletzt in der Diskussion stehende Defensive war kaum gefordert, weil sich bei den Iren der Qualitätsschwund angesichts von sechs fehlenden Stammkräften sehr deutlich erkennbar machte.

Angetrieben von Rückkehrer Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil konnte sich im deutschen Team vor allem Marco Reus positiv hervorheben. Der leichtfüßige Techniker nutzte seine Schnelligkeit auf engstem Raum auch in der 30. Minute, als er von John O'Shea im Strafraum von den Beinen geholt wurde. Doch zum Entsetzen der DFB-Auswahl zeigte Schiedsrichter Nicola Rizzoli nicht auf den Elfmeterpunkt, sondern zückte die Gelbe Karte für Reus wegen einer angeblichen Schwalbe. Eine krasse Fehlentscheidung!

Löw jubelt wieder

Das Publikum reagierte mit Buhrufen bei jeder folgenden Aktion von Reus, doch der Dortmunder gab die bestmögliche Antwort und traf nach einem feinen Pass Schweinteigers, den ausgerechnet der von Löw kritisierte Schmelzer glücklich vorlegte, zur 1:0-Führung (30.). Der zuvor sichtlich angespannte Löw riss die Arme hoch und schrie: „Jaaaa!“

Zehn Minuten später wiederholte sich die Jubelszene, und wieder war Reus der Hauptverantwortliche. Bei einem durch Özil eingeleiteten Konter passte Jerome Boateng quer auf die linke Strafraumecke, von wo aus „Rolls Reus“, so der treffende Spitzname des Luxus-Fußballers, mit links ins rechte Eck traf. Nun war die Stimmung bei den sonst so lautstarken Iren auf dem Nullpunkt, Gesänge waren nur noch von den deutschen Fans zu hören, die ja auch stundenlang geübt hatten.

Den beeindruckenden Wert von 74 Prozent Ballbesitz erspielte sich das deutsche Team in der ersten Halbzeit. Auch nach dem Wiederanpfiff kontrollierten die Gäste das Geschehen. Da wollte dann sogar Schiedsrichter Rizzoli kein zweites Mal die Rolle des Spielverderbers der Deutschen übernehmen, als er nur wenige Minuten später nach einem Foul O'Deas an Miroslav Klose diesmal auf den fälligen Strafstoß entschied. Mesut Özil ließ sich nicht zweimal bitten und machte mit dem frühen 0:3 (55.) alles klar.

Spätestens jetzt war der bereits zuvor wankende Widerstand der Iren gebrochen. Nur drei Minuten später war Klose mit seinem 65. Länderspieltor an der Reihe, wiederum drei Minuten später erhöhte der eingewechselte Toni Kroos auf 5:0 (61.). Den schönsten Treffer des Abends zum 6:0-Endstand erzielte erneut Kroos (83.), ehe Irlands Keogh noch zum 1:6-Ehrentreffer einschießen durfte (90.+2).

Den zuletzt immer lauter werdenden Kritikern dürfte das Schützenfest auf der Insel einigen Wind aus den Segeln genommen haben. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagte der starke Schweinsteiger, der sich trotz der sechs Ausrufezeichen aber ein paar mahnende Worte nicht verkneifen konnte: „Die Leute haben mich zuletzt nicht verstanden. Wir müssen nun auch die nächsten Schritte machen.“ Linksverteidiger Schmelzer sagte: „Ich will zur Kritik des Bundestrainers nicht viel sagen, wir haben 6:1 gewonnen. Die Mannschaft hat mich sehr gut unterstützt.