Trainer auf Jobsuche

Matthäus würde auch in die Zweite Liga gehen

Lothar Matthäus versteht nicht, warum er in Deutschland als Trainer nicht gefragt ist. Schließlich hätten selbst Daum und Maradona ihre Chance erhalten.

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Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hofft weiter auf einen Trainerjob in Deutschland. Einen Monat nach seinem Abschied als bulgarischer Nationaltrainer ärgerte er sich in einem Interview mit "Sport Bild" über den Umgang der Bundesliga-Klubbosse mit ihm.

Dass ihn HSV-Vorstandschef Jarchow direkt nach der Oenning-Entlassung als dessen Nachfolger ausschloss, empfindet er als respektlos und unter der Gürtellinie: "Er kennt mich nicht und würdigt nicht, was ich für den deutschen Fußball geleistet habe."

Auf seiner Visitenkarte stünden Erfolge - auch wenn sie teilweise vergessen worden seien, "weil andere Dinge in jüngster Vergangenheit mehr in den Schlagzeilen standen und dadurch ein falsches Bild von mir entstanden ist".

Matthäus betont in dem Interview, dass er bei keiner seiner bisherigen Trainer-Stationen gescheitert sei: "Ich habe aus unterschiedlichen Gründen nicht ernten können, was ich durch meine Aufbauarbeit gesät habe."

Er ahnt jedoch offenbar, dass seine Vorliebe für attraktive, jüngere Frauen einem Engagement in der Bundesliga im Wege steht und plädiert deshalb in eigener Sache: "Wenn ich Verantwortung in einem Verein tragen würde, wäre es mir egal, ob ein Spieler zwei- oder dreimal verheiratet war, wie viele Kinder oder Tätowierungen er hat. Für mich wäre nur seine Leistung wichtig. Das würde auch für den Trainer gelten."

Er würde gern irgendwo in Deutschland als Trainer zeigen, was er in den vergangenen 20, 30 Jahren gelernt habe, so Matthäus weiter. Auch Christoph Daum und Diego Maradona hätten eine zweite Chance bekommen.

Er verstehe nicht, warum er in der Bundesliga keine Chance bekomme: "Ich weine deshalb nicht, weil ich weiß, dass ich im Ausland nach wie vor gefragt bin." Dort genieße er hohe Anerkennung, ihm lägen schon Anfragen von europäischen Erstligisten vor, "in Deutschland ist in den vergangenen Jahren einiges falsch gelaufen, das betrifft vor allem mein Privatleben."

Er hofft auf mehr Verständnis: "Lasst mich doch einfach leben, wie ich bin! Ich lebe doch ein ganz normales Leben - außer der einen oder anderen Scheidung. Aber bevor ich die ganze Zeit fremdgehe, ziehe ich lieber einen Schlussstrich. Denn dann ist es nicht mehr Liebe." Er sei ein treuer, zuverlässiger Mensch, auf ihn könne man sich verlassen.

Außerdem betont Matthäus, dass es ihm nicht darum ginge im Mittelpunkt zu stehen - auch wenn das bei einer Verpflichtung aufgrund seiner großen Bekanntheit sicher zunächst der Fall sein würde: "Wenn einer eitel und die ganze Sonne für sich haben will, kann ich ihm im Weg stehen. Aber das ist nicht meine Absicht. Ich bin ein Teamplayer und wusste als Spieler immer, dass es nur mit der Mannschaft geht."

Genauso sei es als Trainer. Er könne sich auf jeden Fall auch vorstellen, auch einen deutschen Zweitligisten zu übernehmen, "wenn die Voraussetzungen und Perspektiven stimmen".