Mats Hummels

"Klopp ist etwas extrovertierter als Löw"

Mats Hummels, Nationalspieler und Abwehrchef von Borussia Dortmund, schwärmt im Gespräch mit Morgenpost Online von seinen Trainern und bewundert seinen kleinen Bruder.

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Die deutsche Fußball-Nationalelf trifft in einem Freundschaftsspiel auf Rekordweltmeister Brasilien.

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Morgenpost Online: Herr Hummels, wie geht es Ihrem jüngeren Bruder Jonas, der sich in Unterhachings Drittligaspiel gegen Offenbach einen Kreuzbandriss zugezogen hat?

Mats Hummels (22): Natürlich ist er enttäuscht. Wir haben in den vergangenen Tagen sehr viel gesprochen.

Morgenpost Online: Konnten Sie ihn trösten?

Hummels: Ich denke schon, aber ich habe ihn auch nicht vollgequatscht. Er ist aus dem gleichen Holz wie ich geschnitzt, wir verarbeiten Dinge gern für uns allein.

Morgenpost Online: Sie nehmen ja richtig Anteil an Jonas’ Kreuzbandriss.

Hummels: Ja, das ist absolut unerfreulich. Das ist für mich eine ganz unangenehme Sache, die mich sehr berührt.

Morgenpost Online: Sie scheinen ein sehr enges Verhältnis zu haben.

Hummels: Absolut! Er ist für mich die wichtigste Person in meinem Leben. Natürlich sind da auch meine Eltern und meine Freundin, aber er steht über allem.

Morgenpost Online: Warum?

Hummels: Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich sechs Jahre alt war. Ich habe mit ihm meine Kindheit verbracht, in der Woche drei Tage bei meinem Vater und vier bei meiner Mutter gelebt. Er war immer die Konstante in meinem Leben.

Morgenpost Online: Sie sind zwei Jahre älter. Gab es da keine Rangeleien beim Fußballspielen? Wer ist der Bessere?

Hummels: Durch mein Alter hatte ich immer einen kleinen Vorsprung. Aber ich wünsche mir sehr, dass wir diesen Vergleich so schnell es geht auf professionellem Niveau noch einmal durchführen können. Ich wäre der Letzte, der sich nicht darüber freuen würde, wenn mein kleiner Bruder besser würde als ich.

Morgenpost Online: Sie stehen vor Ihrem achten Länderspiel.

Hummels: Ja, ausgerechnet gegen Brasilien. Ein Traum.

Morgenpost Online: Tatsächlich? Ihr Vereinstrainer Jürgen Klopp bezeichnete den Termin ironisch als das „sinnvollste Länderspiel der Fußballgeschichte“.

Hummels: Ich weiß, dass die Bundesligatrainer nicht glücklich über solche Freundschaftsspiele sind. Aber im Spielerkreis ist das keine Diskussion. Ich empfinde es als Privileg, hier sein zu dürfen. Bei der Vielzahl an guten, jungen Spielern ist das ja keine Selbstverständlichkeit.

Morgenpost Online: Eine löbliche Einstellung.

Hummels: Ist ja so. Es sind ja keine 37-Jährigen kurz vor dem Karriereende hier, mit denen wir um die Plätze kämpfen. Wer in der Nationalmannschaft spielen will, muss an 25- oder 26-Jährigen vorbei, die vielleicht noch nicht mal den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht haben, sondern noch besser werden. Darum ist es jedes Mal eine Herausforderung, einen der raren Plätze hier zu ergattern.

Morgenpost Online: Brasilien war lange Zeit das Maß aller Dinge. Jetzt auch noch?

Hummels: Nein. Sie sind derzeit nicht die Übermannschaft, die sie mal waren und sicher irgendwann auch wieder werden können. Dennoch haben sie eines der besten Teams der Welt. Ich habe sie bei der Copa America im Fernsehen gesehen. Die Brasilianer haben sicher immer noch eine herausragende Mannschaft, die du nicht in Spiellaune kommen lassen darfst. Aber verstecken müssen wir uns nicht.

Morgenpost Online: Diesmal stellt Borussia Dortmund vier Nationalspieler, es fehlen zudem Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz. Ihr Klub scheint auch in der Nationalelf langsam die Kontrolle zu übernehmen.

Hummels: (lacht) Ein paar Kollegen vom FC Bayern sind ja auch noch dabei (acht – d.R.). Aber es gibt schon starke Parallelen zwischen Borussia Dortmund und der Nationalmannschaft. Hier herrscht die gleiche Atmosphäre wie bei uns im Verein: sehr locker, sehr entspannt, aber auf den Erfolg fokussiert.

Morgenpost Online: Ähneln sich auch die Trainer?

Hummels: Ja, Joachim Löw und Jürgen Klopp haben die gleiche Vorstellung von Fußball. Flach, schnell und temporeich nach vorn spielen, oft den Abschluss suchen, attraktiv spielen. Beide sind sehr analytisch und behalten während eines Spieles immer den Überblick. Beide sehen, ob die Spieler das machen, was sie ihnen vorgeben.

Morgenpost Online: Gibt es auch Unterschiede?

Hummels: Na ja, Jürgen Klopp ist sicher etwas extrovertierter auf dem Platz, etwas lauter und emotionaler.

Morgenpost Online: Das war beim Ligastart wieder zu bewundern. Der Dortmunder Sieg über den HSV war beeindruckend, und die Konkurrenz schwächelt.

Hummels: Dass die Bayern gegen Gladbach verlieren, damit hat wohl niemand gerechnet – und ehrlich gesagt war ja auch ein bisschen Pech bei der Niederlage dabei. Ich glaube, der FC Bayern entwickelt unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes gerade eine etwas andere Art zu spielen, und ich befürchte, es wird nicht lang dauern, bis sie die verinnerlicht haben.

Morgenpost Online: Hätten Sie gedacht, dass der BVB die Meisterstärke konservieren kann?

Hummels: Wir hatten keinen Zweifel daran. Wenn wir nicht anfangen zu denken, dass wir die Besten und die Größten sind, können wir wieder viel erreichen. Aber wir müssen hart arbeiten, weil wir in jedem Spiel mehr laufen müssen als der Gegner, um unser Spiel durchzudrücken.

Morgenpost Online: Noch ein Wort zu Ihrem Kollegen Mario Götze, der nach dem HSV-Spiel unisono die Note eins bekam.

Hummels: Es ist kein Wunder, dass er so gefeiert wird, weil er einfach herausragend gut spielt – wie schon in der Rückrunde. Er muss jetzt nur mit dem ganzen Lob klarkommen und darf es sich nicht zu Kopf steigen lassen. Aber da er ein sehr bodenständiger Junge ist, habe ich da keine Sorgen. Im Zweifelsfall werden wir ihn schon wieder einnorden.