Nationalmannschaft

Mario Götze gegen Brasilien erstmals in der Startelf

Da Mesut Özil beim Länderspiel gegen Brasilien geschont wird, wird Mario Götze in seinem siebten Länderspiel zum ersten Mal von Beginn an auflaufen.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Wie Werbefiguren ließen sich die sechs Nationalspieler für einige Minuten herumschieben. Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer, Miroslav Klose, Lukas Podolski und Mario Götze dienten als Staffage und mussten beim PR-Termin artig um einen 200.000 Euro teuren Mercedes-Benz, Typ SLS AMG Roadster, herumturnen. Im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart war kurz zuvor die Vertragsverlängerung zwischen dem Automobilhersteller und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis 2018 bekanntgegeben worden.

Das Sextett folgte den Regieanweisungen bei der Präsentation für die Fotografen und den Kamerateams brav und willig. Im heutigen Testspiel gegen Brasilien (20.45 Uhr/live in der ARD) werden Lahm & Co. als deutsche Nationalmannschaft deutlich mehr gefordert sein. Denn Bundestrainer Joachim Löw hat Großes vor, der „Klassiker“ des dreimaligen Weltmeisters gegen den fünfmaligen Titelträger aus Südamerika soll der erste Schritt zum Gewinn des EM-Titels am 1. Juli 2012 in Kiew werden.

Löw denkt bereits an EM

„Das ist der Auftakt für die EM-Saison. Er ist enorm wichtig. Die Mannschaft soll einen Schritt vorankommen“, sagte Löw. „Das Spiel ist eine herausragende Herausforderung.“ Dass Anfang September gegen Österreich in Gelsenkirchen die EM-Teilnahme perfekt gemacht wird, steht für ihn kaum infrage. Jede Partie dient deswegen ab sofort der Vorbereitung auf die Endrunde der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine.

Test-Gegner von Weltklasseformat wie Brasilien, die Niederlande im November und Frankreich im Februar hat der DFB gezielt verpflichtet, damit Löw seine Spieler näher an die von ihm gewünschte Perfektion heranbringen kann. „Wir müssen uns in der individuellen Qualität, in taktischer und technischer Hinsicht, noch verbessern“, erklärte der Bundestrainer. Die Lücke zu Welt- und Europameister Spanien will er innerhalb der nächsten elf Monate schließen.

Eine starke Elf wird Löw im neuen, bei internationalen Spielen 54.900 Zuschauer fassenden Stuttgarter Stadion aufstellen, allerdings ohne Sami Khedira und Mesut Özil (beide Real Madrid), auf deren Nominierung er verzichtete. Der Dortmunder Mario Götze darf damit rechnen, als zentraler offensiver Mittelfeldspieler die Özil-Rolle zu übernehmen.

Schweinsteiger: „Götze ein halber Brasilianer“

„Es ist meine Verpflichtung, junge hoffnungsvolle Spieler an das internationale Niveau heranzuführen. Spanien, Argentinien oder Brasilien, das ist schon eine ganz andere Stufe als die Bundesliga“, sagte Löw. Dass der 19-jährige BVB-Profi so stark aufspielt wie beim Meister am vorigen Freitag, sei kein Automatismus. Schweinsteiger findet allerdings, dass Götze durchaus als „halber Brasilianer“ bezeichnet werden kann, wegen seiner herausragenden technischen Fähigkeiten.

In der zweiten Halbzeit wird das Team dann ordentlich durcheinander geschüttelt. „Ich überlege, ob ich die sechs erlaubten Wechsel mache“, sagte Löw. Die personelle Rotation führt dazu, dass dann selbst der groß angepriesene „Klassiker“ an Wert einbüßt.

„Es gibt viele Wechsel. Es ist leider nur ein Testspiel, kein Punktspiel. Das ist doch noch was anderes“, sagte Schweinsteiger, versprach aber: „Wir wollen den Stil, den der Bundestrainer sehen will, zur Perfektion zwingen.“ Die Mannschaft sei „heiß“ darauf, den ersten Sieg seit 18 Jahren gegen Brasilien einzufahren. „Auch die Brasilianer haben Schwächen. Das wurde uns schon auf Video gezeigt“, sagte der Münchner.

Löw: „Spanien das Maß aller Dinge“

Brasilien, der fünfmalige Weltmeister und aktuelle Weltranglistezweite, der weltweit jahrzehntelang bewundert wurde, ist laut Löw kein Vorbild mehr für die DFB-Auswahl. „Spanien ist das Maß aller Dinge“, sagte er. Ganz dicht säße seine Mannschaft den Iberern im Nacken und wäre mittelfristig betrachtet sogar erfolgreicher.

„Wir waren seit dem Confed-Cup 2005 immer in den Halbfinalspielen der großen Turniere dabei. Wenn Spanien 2010 nicht erstmals seit 50, 60 Jahren ausnahmsweise einmal so überragend gut gewesen wäre, hätten wir schon mehr erreicht“, betonte Löw. „Wir haben als einzige Mannschaft der Weltspitze diese Konstanz.“ Höchstes Ziel ist es nun, die Spanier zu stürzen. „Die Mannschaft ist extrem bestrebt, das zu schaffen. In Südafrika ist sie knapp gescheitert und will das ausmerzen.“

Die Brasilianer sind auf dem Weg zum Gipfel ein guter Prüfstein. „Sie haben 40 bis 60 Topspieler und eine riesige Auswahl. Sie machen aber manche Dinge durch ihre individuelle Klasse wett. Ihre Technik ist besser als ihre Taktik“, urteilte Löw. Seinen Spielern traut er zu, dass sie einerseits kreativ, zugleich aber diszipliniert, die Südamerikaner erstmals seit einem 2:1 bei strömenden Regen am 17. November 1993 in Köln schlagen. Dafür müssen sie wohl engagierter ein eigenes Profil als beim Fototermin mit Daimler-Chef Dieter Zetsche und DFB-Präsident Theo Zwanziger an den Tag legen.