„Francisco Guillermo Ochoa Magana ist ein mexikanischer Torhüter und eine Mauer, zur Zeit ohne Verein und Spieler der mexikanischen Nationalmannschaft. Seit seiner Leistung gegen Brasilien ist er der mexikanische Jesus.“ So stand es kurz nach dem sensationellen 0:0 Mexikos gegen Gastgeber Brasilien bei Wikipedia. Auch wenn die Änderung in der Enzyklopädie nur drei Minuten Bestand hatte, so verbreitete sich der Screenshot rasant bei Twitter.
Das Netz liebt wie alle Fußballfans den Underdog. Erst recht, wenn er sich tapfer und erfolgreich gegen einen übermächtigen Gegner wehrt wie Ochoa gegen die brasilianischen Megastars wie Neymar und Thiago Silva. Und so dauerte es nicht lange, bis abfotografierte Backsteinmauern mit dem lapidaren Kommentar „Selfie des Torhüters“ die Runde machten.
Der Keeper mit den schwarzen Wuschelhaaren und dem Stirnband faszinierte und sorgte für Ausschläge bei Twitter, das gerade bei solchen Live-Events wie der Pulsschlag aller weltweiten Zuschauer funktioniert. Als Ochoa eine riesige Chance von Silva zunichte machte, wurden 243.379 Tweets zum Spiel verfasst. Pro Minute.
Fotomontagen zeigten ihn danach als vielarmigen Keeper, als Superman und als Titelfigur des Times Magazine mit der Schlagzeile: „Saving Mexico“. In Wirklichkeit war darauf im Februar der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto zu sehen gewesen.
Doch der Politiker interessiert nach solch einem Spiel nicht. Und auf die Idee, den Staatsmann als mexikanischen Jesus zu bezeichnen, würde auch niemand kommen.

