Was wurde nicht alles diskutiert: Hat der Bundestrainer die richtigen Leute mit nach Brasilien genommen? Lässt Joachim Löw mit der richtigen Taktik spielen? Darf er eine verdiente Führungskraft wie beispielsweise Bastian Schweinsteiger (erst einmal) ins zweite Glied degradieren? Ist seine Quartierwahl angemessen? Und überhaupt, ist er noch der richtige Bundestrainer?

All diese, mitunter sogar auch berechtigten Fragen haben nun erst einmal eine ebenso klare wie positive Antwort erhalten: 4:0 gegen Portugal.

Dieser Sieg in Salvador de Bahia ist ein großer, weil besonders wichtiger Sieg für Joachim Löw. Denn er beseitigt erst einmal alle Zweifel, die ihm diese in den Fußball verliebte Nation tonnenschwer mit ins Gepäck nach Südamerika gepackt hatte. Weltmeister der Herzen reicht nämlich nicht mehr für den Identitätsersatz Fußball-Nationalmannschaft. Trotz der besten Punkteausbeute aller bisherigen Bundestrainer wird Löws Ära nur mit einem echten Titel in guter Erinnerung bleiben.

Dieser ungefährdete und konzentriert herausgespielte Sieg gegen ein Portugal, das immerhin drei Profis vom Champions-League-Sieger Real Madrid aufbieten konnte, gibt vor allem auch der Mannschaft das nötige Selbstvertrauen für den weiteren Turnierverlauf in Brasilien. Die Spieler wissen jetzt nämlich, dass sie mit ihrem Potenzial keinen Gegner der Welt zu fürchten brauchen. Und dass sie, auf dem Höhepunkt der Schaffenskraft ihrer Generation Sommermärchen, auch und immer noch einen Trainer haben, der ihnen den rechten Weg zeigen kann und will.

„Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass es für uns keine andere Option gibt, als zu gewinnen“ , verriet Löw nach dem Spiel. Diese besondere Entschlossenheit kann noch zu einem wichtigen Faktor werden, solange sie nicht zur Verkrampfung führt. Löw will unbedingt liefern, was alle von ihm erwarten. Und jetzt hat er erst einmal die nötige Ruhe verschafft, sich und dem Team. Die wohl schwerste Aufgabe der Vorrunde ist gemeistert.

Natürlich wird sich die Partystimmung im „Schland“ nun verselbstständigen und jeder knappere Erfolg womöglich als kleiner Rückschritt gesehen werden. Aber damit lässt es sich sicher gut leben, nachdem die wichtigste Hürde genommen wurde und das wichtigste Mitbringsel sichtbar wurde, was es für sportlichen Erfolg braucht: Vertrauen in sich selbst. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Zustand bis zum 13. Juli konservieren lässt, bis zum Finale in Rio de Janeiro. Der Weg dahin ist noch lang.