Am Mittwochabend musste Daniela Löw auf ihren Mann länger warten. Er musste noch Telefonate führen, viele Telefonate, teils schwierige. Denn Danielas Mann Joachim ist Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und wird am Donnerstag um 12.30 Uhr seinen vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien bekannt geben. Vorher mussten er und sein Assistent Hansi Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke den Spielern mitteilen, ob sie mitfahren oder nicht. Sie sollten es ja nicht erst aus den Medien erfahren.

Die schlechten Nachrichten überbrachte der Bundestrainer persönlich, so gehört sich das schließlich. „Die Absagen übernehme ich selbst, außer es betrifft einen Torhüter. Das würde dann Andreas Köpke übernehmen“, sagte Löw. Langjährige Stammkräfte wie Per Mertesacker, Philipp Lahm und Thomas Müller waren schon länger gesetzt, natürlich auch Marco Reus und Mario Götze. Auch Lukas Podolski wird mitfahren, selbst wenn er zuletzt nur noch selten zur Startformation zählte. Aber allein als Stimmungsmacher ist der ehemalige Kölner unbezahlbar. Aber es gibt eben auch viele Wackelkandidaten, wie HSV-Towart René Adler beispielsweise.

Auch wenn es für Löw bereits das vierte große Turnier ist, in dem er als Cheftrainer Verantwortung trägt, gehen ihm die Absagen noch nicht leicht von der Hand. Dass bei solchen Entscheidungen auch Tränen fließen können, weiß der Bundestrainer nur allzu gut. Mitleid verspüre er dabei aber nicht, sagte Löw: „Der Begriff trifft es nicht ganz. Natürlich sind da Emotionen im Spiel, klar. Ich spüre auch, was da in dem vorgeht, der da am anderen Ende der Leitung enttäuscht, traurig oder vielleicht sogar verärgert ist. Aber in meinen Entscheidungen kann ich mich davon nicht leiten lassen.“

Über die größten Härtefälle und größten Fragezeichen für Brasilien wie die in der WM-Saison lange oder andauernd verletzten Sami Khedira (Kreuzbandriss), Miroslav Klose oder auch Mario Gomez wird Löw aber wohl erst am Ende des Trainingslagers in Südtirol (21. bis 31. Mai) abschließend entscheiden. Schließlich muss der 54-Jährige erst am Tag nach dem Testspiel gegen Kamerun am 1. Juni in Mönchengladbach dem Weltverband Fifa die endgültigen 23 deutschen WM-Spieler melden. Am Donnerstag wird er bis zu 40 Spieler und damit eine nie da gewesene Anzahl berufen, weil er zudem noch den Not-Kader für das Länderspiel gegen Polen (13. Mai in Hamburg) benennt, bei dem Spieler der Pokalfinalisten FC Bayern und Dortmund fehlen. Diese Partie bezeichnete Teammanager Oliver Bierhoff deshalb als „Zukunftsspiel“.

BM