Morgenpost Online: Wir haben bei Brasilien schöne Tore gesehen, aber ein nicht regelgerechtes. Wie sehen Sie es?
Hellmut Krug: Fußball ist ein Sport, in dem wir damit leben müssen, dass Spieler bisweilen durch Umgehung der Regel zum Erfolg kommen wollen. Das wissen wir nicht erst seit Maradonas Handspiel bei der WM 1986 im Viertelfinale gegen England und zuletzt Henry im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen die Iren. Aber es ist und bleibt inakzeptabel. Denn Fabiano hat sich gleich zwei Mal einen Vorteil durch eine Regelwidrigkeit erschlichen. Vielleicht ist es zu viel verlangt, von einem Spieler zu erwarten, dass er im Anschluss daran zum Schiedsrichter geht und sagt: Ich habe die Hand zur Hilfe genommen.
Morgenpost Online: Aber der französische Unparteiische hat ihn doch genau deswegen noch einmal befragt?
Krug: Eben. Das ist besonders verwerflich. Fabiano hat schlicht und einfach gelogen. Das ist eine grobe Unsportlichkeit. Er hat die vom Schiedsrichter gereichte Hand ausgeschlagen. Dafür, dass Fabiano im Anschluss an seinen Regelverstoß auch noch lügt, habe ich kein Verständnis. Alle Welt hat sich über Henry aufgeregt. Aber dem hat der Schiedsrichter damals noch nicht mal eine Brücke gebaut, es während des Spiels richtig zu stellen.
Morgenpost Online: Inwiefern?
Krug: Der Schiedsrichter hat ihn nicht gefragt. Kein Mensch weiß, wie ehrlich er gewesen wäre. Fabiano aber hat gelogen und sich auch noch später vor laufenden Kameras als Betrüger entlarvt. Jetzt wäre es an der Zeit, ein Zeichen zu setzen, dass dieses Verhalten inakzeptabel ist
Morgenpost Online: Wie soll das gehen?
Krug: Man muss der Welt zeigen, dass sich keiner zu Lasten einer anderen Mannschaft ungestraft einen Vorteil erschleichen darf. Wir reden immer vom Fairplay. Wenn man Fabiano wegen seiner wissentlichen, bewussten Falschaussage für eine Weise aus dem Verkehr zöge, würde man ein klares Zeichen setzen.
Morgenpost Online: Gibt es eine Handhabe?
Krug: Ich weiß es nicht. Aber was braucht man mehr als diese grobe und lückenlos dokumentierte Unsportlichkeit? Die Fifa sollte in diesem Fall tätig werden. Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen. Denn Fabiano hat massiv gegen den Gedanken des Fairplay verstoßen: Handspiel plus Betrug des Schiedsrichters, der gegnerischen Mannschaft und des Publikums.
Morgenpost Online: Zeigt das die Machtlosigkeit des Schiedsrichters?
Krug: Lannoy hat gut daran getan, mit der Befragung Fabianos die letzte Option zu ziehen. Er und sein Team müssen sich aber vorwerfen lassen, dass vier Mann das zweifache Handspiel nicht gesehen haben. Das Schiedsrichterteam hat nicht funktioniert.
Morgenpost Online: Das befeuert die Diskussion über die Qualität der Schiedsrichter bei dieser WM noch weiter. Wie sehen Sie es?
Krug: Es gibt große Qualitätsunterschiede. Das ist aber nichts Neues, das erleben wir bei jeder Weltmeisterschaft. Das hat verschiedene Ursachen. Eine ist, dass Schiedsrichter sämtlicher Kontinentalverbände zum Einsatz kommen. Das bringt zwangsläufig Qualitätsunterschiede mit sich. Grundsätzlich sollte die Fifa ihre Auswahlkriterien überdenken. Fest steht: Bei Weltmeisterschaften stehen nicht nur die weltbesten Schiedsrichter auf dem Platz. Diese WM ist ein weiterer Beweis dafür.





























