Für Australiens Robin Hood ist die Sache ziemlich klar. England habe ein gutes Team, sagt er, dazu die Spanier, Portugiesen und, natürlich, die Brasilianer. Alles gute Kicker, meint Russell Crowe. „Aber selbstverständlich hat keines dieser Länder eine Chance gegen das aufstrebende Australien.“ Am Abend treten die "Socceroos" gegen die deutsche Nationalmannschaft an - live bei Morgenpost Online .

Crowe, 46 Jahre alt und zuletzt mit seinem Film über den europäischen Freiheitskämpfer aus dem Mittelalter äußerst erfolgreich, hat längst schon sein Herz für die „Socceroos“ entdeckt. Der australische Schauspieler mit neuseeländischen Wurzeln geht trotz kühner These als Symbolfigur durch für das Selbstverständnis der Fußball-Branche in Down Under, die einen rasanten Wandel durchgemacht hat vom Entwicklungsland zum ernst zu nehmenden WM-Teilnehmer. Keine andere der 32 Nationen in Südafrika verzeichnet einen derartigen Kicker-Boom wie Australien.

Dabei waren Spieler wie Torhüter Mark Schwarzer, der seine Karriere einst beim Marconi Stallions FC in Sydney begann, anfangs belächelt worden. Fußball sei etwas für Weicheier, hieß es schnell, nur diejenigen, die es nicht packen in den Nationalsportarten Rugby und Aussie Rules Football, würden sich dem Fußball annehmen. „Als ich anfing“, sagt Schwarzer, „war es ganz schön hart, sich Respekt zu verschaffen.“

Inzwischen aber gibt es zunehmend mehr Australier, die Schwarzer nacheifern. 600.000 Spielerinnen und Spieler sind offiziell in Vereinen oder Verbänden registriert, was unter den 6,5 Millionen Sporttreibenden im 22 Millionen Einwohner zählenden Land immerhin 9,2 Prozent ausmacht – Tendenz steigend. Denn seitdem sich die Australier 2006 erstmals seit 32 Jahren und zum zweiten Mal überhaupt für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnten, gelten Schwarzer und Co. als neue Heroen auf dem sportbegeisterten Kontinent.

Die Popularität wird auch dadurch befeuert, dass das weibliche Gegenstück zu den „Socceroos“ gleichsam Schlagzeilen produziert: Die „Matildas“ schafften es bei der vergangenen Weltmeisterschaft 2007 in China sensationell bis ins Viertelfinale.

Aber nicht nur die Auswahlteams bekommen die neue Wertschätzung zu spüren, auch die nationalen Klubs sind Teil des Booms. Vor fünf Jahren wurde die A-League gegründet, die dank eines umfangreichen TV-Vertrages und einer landesweiten Imagekampagne („Football, but not as you know it“ – „Fußball, aber nicht wie du ihn kennst“) rasch die Gunst der Fans gewann. Vereine wie Melbourne Victory rekrutieren rund 21.000 Zuschauer pro Heimspiel, was auch daran liegt, dass Nationalspieler wie Jason Culina nach langem Auslandsengagement zurückgekehrt sind nach Australien oder alternde Stars wie der ehemalige Liverpooler Robbie Fowler ihre Karriere in Down Under ausklingen lassen.

„Als ich hierher kam, habe ich gesagt, dass ich alles tun werde, um den Sport in diesem Land zu promoten“, erklärt Fowler, der für North Queensland Fury spielt und sich auch einsetzt für die WM-Bewerbung Australiens. 2022, so die hehren Pläne, sollen die globalen Titelkämpfe auf dem fünften Kontinent stattfinden. Um die Chancen auf die Ausrichtung zu erhöhen, zog Verbandschef Frank Lowy am Donnerstag die Bewerbung für 2018 zurück – das Turnier wird dann wohl in Europa ausgerichtet. Vier Jahre später, so die Rechnung der Australier, stünde einer WM in Down Under dann nichts mehr entgegen.

In zwölf Jahren hätten die Möchtegern-Gastgeber dann vermutlich ein noch stärkeres Nationalteam beisammen als derzeit. Im „Australian Institute of Sport“ werden in der Hauptstadt Canberra seit Jahren Talente gefördert, ein spezielles Sichtungsprogramm hat bereits spätere Stars wie Mark Viduka (Newcastle United) oder Mark Bresciano (US Palermo) zum Sprung nach oben verholfen.

Nicht zuletzt dank der professionellen Förderung ist Australien zum viel beachteten Exporteur geworden: Gegenwärtig spielen 150 Profis in ausländischen Ligen und tragen zum Imagegewinn bei. Nationalkeeper Schwarzer, der in Fulham spielt und demnächst wohl zum FC Arsenal wechselt, sagt: „Die Leute in Australien haben jetzt gemerkt, wie groß der Fußball eigentlich ist.“